Ausstellung zum Begründer der Kunstgeschichte
Ausgabe Nr. 2921

Anton von Maron: Johann Joachim Winckelmann, 1768. Reproduktion: G._Draschowski/https://www.winckelmann-gesellschaft.com/johann-j-winckelmann/
„Durch Winckelmanns Augen: Die Sehnsucht nach der klassischen Welt in Werken aus den Sammlungen des Brukenthalmuseums“ lautet der Titel der von Alexandra Postelnicu kuratierten Sonderausstellung, die am 16. Juli eröffnet wurde und bis zum 31. August im 2. Stock des Brukenthalpalais besichtigt werden kann. Die Ausstellung führt die Besucher in die Antike und präsentiert eine Auswahl an Kunstwerken aus dieser Epoche, um Einblicke in deren künstlerische Produktion zu geben. Die Konzeption orientiert sich an den Ideen und Theorien des deutschen Kunsthistorikers und Archäologen Johann Joachim Winckelmann.
Winckelmann, geboren 1717 in Stendal und verstorben 1768 in Triest, gilt allgemein als Begründer der modernen Kunstgeschichte und der klassischen Archäologie sowie als Schlüsselfigur für die Entstehung des europäischen Neoklassizismus.
Die umfangreichen Bestände des Brukenthalmuseums ermöglichten die Auswahl von Werken aus den Sammlungen für Grafik italienischer, deutscher, niederländischer und siebenbürgischer Schulen, sowie aus Sammlungen für Kunsthandwerk, Archäologie und der Brukenthal-Bibliothek.

Bei der Vernissage am Mittwoch der Vorwoche sprachen die Kuratorin der Ausstellung, Alexandra Postelnicu (1. v. l.) und die Museumsleiterin ad interim Raluca Teodorescu (2. v. l). Foto: Dani FĂRCAȘIU
Der daraus resultierende Ausstellungsrundgang stellt die Lebensgeschichte Winckelmanns, seine Ideen und die Entwicklung seines Denkens dar und hebt insbesondere seinen Beitrag zur Methodik der Analyse antiker Kunstwerke hervor.
Für eine korrekte Interpretation eines Kunstwerks erkannte Winckelmann die Notwendigkeit, ein Kriterium zu finden, das dessen Chronologie feststellt. Er konzentrierte sich auf die formale Analyse und entwickelte eine Methode, die sich auf den Stil stützte. Diese Methodik legte er in seinem Hauptwerk, „Geschichte der Kunst des Alterthums“, erschienen in Dresden 1764, dar.
Die Klassifizierung von Kunstwerken in bestimmte Perioden prägte das damalige Kunstverständnis tiefgehend, da die klassische Kunst in jener Zeit als ein homogenes Ganzes ohne historische Perspektive wahrgenommen wurde.

Titelblatt des ersten Teils von Winckelmanns „Geschichte der Kunst des Althertums”
Ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind Werke von Giovanni Battista Piranesi (1720-1778). Der Kupferstecher, Architekt und Kunsttheoretiker zählt zu den bedeutendsten Interpreten der neoklassizistischen Bildkultur seiner Zeit. Nachdem er sich 1740 in Rom niedergelassen hatte, wurde er von der römischen Antike tief beeindruckt. Im Gegensatz zu Winckelmann, der das klassische Griechenland und die Reinheit seiner Skulptur als Ideal ansah, sah Piranesi die Größe der Antike im römischen Schaffen, nicht in der Demokratie des Perikles, sondern in der Ingenieurskunst und der Bauleistung Roms. Er schlug eine Versöhnung von Kunst und Technik, von Zweck und Form vor.
Werke von Franz Neuhauser d. J. (1763-1836), z. B. das Gemälde „Installation eines siebenbürgischen Pfarrers im Winter”, bilden den Abschluss der Ausstellung, die den Besuchern die Möglichkeit bietet, den Einfluss antiker Ästhetik auf die zeitgenössische Kunst zu entdecken.
Tudor MAHL