Bukarester Oberbürgermeister hat die Stichwahl gewonnen
Ausgabe Nr. 2912

Der rumänische Präsidentschaftskandidat Nicusor Dan spricht nach Schließung der Wahllokale für die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen in Bukarest. +++ dpa-Bildfunk +++
Der parteifreie Bukarester Oberbürgermeister Nicușor Dan hat die Präsidentschaftswahlen gewonnen mit 53,60 Prozent der Stimmen. Mehr als 6.160.000 Stimmen hat Dan erhalten, fast 830.000 mehr als der Rechtspopulist George Simion (AUR), der als Favorit ins Rennen gegangen ist, nachdem er in der ersten Runde etwa 41 Prozent der Stimmen erhalten hatte. Der 55-jährige Dan konnte in der ersten Runde rund 21 Prozent der Wählerstimmen für sich gewinnen. Knapp 65 Prozent der Wahlberechtigten sind wählen gegangen, weit mehr als in der ersten Runde, als nur rund 53 Prozent ihre Stimme abgegeben haben. Dan hat schon vor der Vereidigung die Ärmel hochgekrempelt und sich in die Arbeit gestürzt.
Die fast beispiellose Beteiligung der Wähler war besonders in den Städten bemerkbar, wo 7.334.720 Personen wählen gegangen sind, im Vergleich zu den ruralen Gebieten, wo nur 4.307.146 der Wähler ihre Stimme abgegeben haben. Im Ausland haben die Wahlen drei Tage gedauert und 1.645.458 Personen haben sich für einen der zwei Kandidaten entschieden.
In den letzten Tagen gab es verzweifelte Kämpfe seitens beiden Wählergruppen. In Rumänien mobilisierten sich insbesondere die Zivilgesellschaft und die Prominenten für Dan, im Ausland war Simion besser vertreten und er war auch mehr präsent – der Rechtpopulist stellte sich tatsächlich einer einzigen Debatte, um nachher alle anderen kurzfristig abzusagen.
Nach dem Sieg erklärte Nicușor Dan der jubelnden Menge in Bukarest, die danach stundenlang auf den Straßen feierte: „Wir leben in einer Zeit der Hoffnung. Aber bitte haben Sie Geduld für die kommende Zeit. Es wird eine schwierige Zeit sein, die notwendig ist, um die Wirtschaft, diese Wirtschaft, ins Gleichgewicht zu bringen, um die Grundlagen für eine gesunde Gesellschaft zu schaffen. Bitte haben Sie dafür Geduld”, sagte Dan am Wahlabend.
In einer überraschenden Geste erklärte sich George Simon nach dem Exit Poll, der ihn als Verlierer gab, mit rund 10 Prozent der Stimmen weniger in Rumänien, als Präsident und erklärte vor dem Publikum: „Wir sind die klaren Gewinner dieser Wahlen. Wir beanspruchen den Sieg im Namen des rumänischen Volkes. Das rumänische Volk hat heute entschieden, dass es einen echten Wandel will, einen Wandel zum Besseren, dass es endlich Demokratie will. Die parallele Auszählung wird sicherstellen, dass jeder mögliche Betrug aufgedeckt wird, aber bis auf kleine Ausnahmen, wie Probleme mit den Stimmzetteln und Warteschlangen, die immer noch andauern, bin ich mit der heutigen Abstimmung zufrieden. Ich möchte den rumänischen staatlichen Institutionen für ihre Professionalität und Unparteilichkeit danken. Mein Dank gilt auch den Rumänen in der Diaspora, die Hunderte von Kilometern gereist sind, um ihr Land zu unterstützen”. In einer späteren Aufnahme gab er allerdings zu, dass er die Wahlen verloren hatte und sein Gegenkandidat der Gewinner ist.
Tatsächlich hat Simion die Diaspora überzeugt und gewann entschieden u. a. in Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien und Griechenland, wo viele Rumänen arbeiten. Dagegen stemmten kräftig kleinere Diasporagruppen, u. a. in der Republik Moldova, USA und Ungarn, so dass im Endergebnis George Simion 55,78 Prozent der Stimmen erhielt, und Dan 44,2 Prozent, fast spiegelverkehrt wie in Rumänien (Nicușor Dan 55,16%, George Simion: 44,84%). So konnte die Diaspora das Endergebnis nicht mehr ändern.
Die besten Ergebnisse erhielt Dan im Kreis Harghita, wo er fast 91 Prozent der Stimmen für sich gewinnen konnte. Simion gewann die meisten Stimmen im Kreis Gorj, wo rund 61 Prozent der Wähler ihn bevorzugten.
In Hermannstadt gewann Nicușor Dan mit knapp 59 Prozent der Stimmen, wobei in den Städten Dan bevorzugt wurde. Auf dem Lande gewann entschieden Simion. In der Stadt Hermannstadt erhielt Dan 70,52 Prozent der Stimmen. Am beliebtesten ist Simion in Jina, wo rund 86 Prozent der Wähler ihn als Präsidenten haben wollten.
In den ersten Tagen nach der Wahl hat Nicușor Dan Gespräche mit dem Interim-Präsidenten Ilie Bolojan (PNL) geführt, aber auch mit Vertretern der Parteien, sowie mit dem Finanzminister und Wirtschaftsvertretern. Seine Priorität ist, eine Regierung zu bilden, mit den vier proeuropäische Parteien und den Minderheiten, erklärte er.
Ruxandra STĂNESCU