Ausgabe Nr. 2913
Ein Hermannstadt gewidmeter Poesieabend

Cristina Blaga-Tomuș und Roger Pârvu. Fotos: Beatrice UNGAR
Unter dem Titel „Hermanniade/Hermaniada” boten Cristina Blaga-Tomuș und Roger Pârvu in der Bibliothek des Hermannstädter Forschungsinstituts für Geisteswissenschaften am 15. Mai im Rahmen eines von Andreea Dumitru-Iacob moderierten Poesieabends einen abwechlungsreichen Einblick in die Hermannstadt gewidmete oder von Hermannstadt inspirierte Literatur.
Die Gäste begrüßte zunächst der Direktor des Instituts, Dr. Rudolf Gräf, der darauf hinweis, dass diese Veranstaltung zu den Bemühungen gehört, das Institut einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Einerseits mit Lesungen von deutschen Autorinnen und Autoren aus Rumänien, andererseits mit Diskussionrunden zu aktuellen Themen, letztere in Zusammenarbeit mit der Astra-Bibliothek.
Ein Plädoyer für den Poesieabend lieferte die Moderatorin Andreea Dumitru-Iacob: „Wir dürfen auf zwei Jahre und vier Veranstaltungen zurückblicken und uns darüber freuen, dass es eine Zukunft für diese Eventreihe gibt. Das Besondere an diesem Abend ist die Zusammenarbeit mit dem Verein eKult, dem wir für die finanzielle und logistische Unterstützung danken wollen. Unser Dank gebührt auch dem Forschungsinstitut, Herrn Gräf und seinem Team.
Mit zwei Eckdaten aus meinem Leben möchte ich Sie zu unserem eigentlichen Thema hinführen: 2004 erhielt ich ein DAAD-Stipendium in Deutschland, doch trotz Auswanderungsgedanken kehrte ich in meine Heimatstadt nach Siebenbürgen zurück; 2011 – also sieben Jahre später – rief Deutschland wieder und obwohl ich meinen Mietvertrag verlängert und quasi einen festen Wohnsitz in München hatte, gab ich alles auf und kehrte zurück. Der Ruf der Heimat war lauter – Siebenbürgen rief, Hermannstadt rief nach mir. Hier wurde ich geboren, hier bin ich aufgewachsen, hier lebe ich nun – in der Stadt meiner Sehnsucht. Dieser Stadt, der alten siebenbürgischen Burg, der roten Stadt, wie sie in der Geschichtsschreibung bekannt ist, der Stadt der vielen Türme, dem multikulturellen Hermannstadt ist nun dieser Abend gewidmet.
Hermannstadt ist pulsierendes Leben mit Menschen aus Fleisch und Blut, die hier an wichtigen Erfahrungen reicher werden. Hermannstadt ist Bausubstanz und Geschichte zugleich, Vergangenheit, Gegenwart und für die meisten hier Zukunft. Zeitlos in seiner Zeit.

Andreea Dumitru-Iacob.
Hermannstadt ist Heimat und Fremde zugleich, Bekanntes und Unbekanntes, ein immer neu zu entdeckendes Geheimnis. Diese Veranstaltung heute ist ein literarisches Herangehen an dieses Geheimnis. Die Stadt soll von Ihnen aus einer anderen Perspektive erfahren werden – aus dem Blickwinkel des Dichters und dem des Vortragenden.
Cristina Blaga-Tomuș und Roger Pârvu werden uns einen Einblick in die Literatur über unsere Stadt gewähren. Es handelt sich um eine Collage aus mehreren Gedichten, die von rumäniendeutschen und rumänischen Schriftstellern verfasst und von den Vortragenden aufeinander abgestimmt wurden. Hier einige Beispiele: Wolf von Aichelburg, Mircea Ivănescu, Franz Hodjak, Nora Iuga.
Unsere literarische Reise führt Sie an bekannte Orte unsere Stadt. Lassen Sie sich überraschen.”
Überraschend lautete der Titel des Poesieabends, den sich die Veranstalter von Franz Hodjak geliehen haben, dessen 80. Geburtstag, den er 2024 gefeiert hatte, dieser Abend gewidmet war. In „bewegtes gedicht” heißt es u. a. „Hermann der erste machte sich auf den weg/in umgekehrter richtung die er etliche male/verfehlte bis er erschöpft niedersank.//Hermann der zweite und der dritte verbauten sich/die sicht mit burgen die etliche türken anzogen/die sich einige male auf den weg machten um zu beweisen/dass sie die verfehlte richtung/richtig eingeschlagen haben. (…) Hermann der siebente der das studium der richtungen/absolviert hatte begann mit dem aufschreiben/der Hermanniade (…). B. U.