50 Lieder für 50 Jahre

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Mit dem Evangelischen Gesangbuch durchs Jahr 2024

Ausgabe Nr. 2853

Ich komme aus einer Familie, die zwar an den wichtigen Feiertagen den Gottesdienst besuchte, aber wenig Bezug zu religiösen Texten oder Liedern hatte. Als Jugendliche schloss ich eine bis heute andauernde Freundschaft mit einigen Mädchen, von denen eine Pfarrerstochter war. Auf unsere Ausflüge und zahlreichen Fahrradausfahrten brachte sie die „Mundorgel“ mit, ein Büchlein mit Kirchenliedern, Spirituals und vielen anderen Liedern.

So lernte ich das Lied „Hinunter ist der Sonne Schein“ kennen, das wir jeweils am Abend zum Abschluss unserer Treffen sangen. Es berührte mich zutiefst, vor allem, nachdem meine Mutter durch einen Unfall verstorben war. Wir wissen nicht, was der morgige Tag bringt, aber wir können darauf vertrauen, dass uns Christus auch durch schwere Tage geleitet, dass wir seine Vergebung an jedem Tag neu erfahren können und Gottes Engel uns begleiten und behüten.

Von den ursprünglich sieben Strophen stehen in unserem Gesangbuch unter der Nummer 427 die ersten vier. Die erste Strophe ist wie eine Zusammenfassung, aufgebaut auf den starken Kontrast von Finsternis in der Welt und das Licht Christi, welches uns den Weg zeigt.

Es folgt eine in Verse gefasste Fassung von Luthers Abendsegen, mit dem Dank für einen behüteten Tag, der Bitte um Vergebung für eventuelle Verfehlungen und der Bitte um Schutz für die Nacht.

Der Autor Nikolaus Hermann (1500-1561) war ein Zeitgenosse Luthers. Luther bemühte sich nach der Reformation, deutschsprachige Gemeindelieder in den Gottesdienst einzubringen, verfasste selber viele Lieder, oft Übersetzungen aus dem Lateinischen, Umarbeitungen, aber auch eigene Dichtungen. Diese von Hermann verfasste gereimte Umarbeitung von Luthers Abendsegen ist also ganz im Sinne des Reformators.

Die Melodie stammt von Melchior Vulpius (1560-1615), einem schon zu Lebzeiten anerkannten Komponisten von Kirchenliedern.

Sunhild GALTER

 

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Kirche.