Zu Rat und Tat die Hände gereicht

Das 32. Sachsentreffen in Meschen stand im Zeichen von Stephan Ludwig Roth

Ausgabe Nr. 2788

Beschirmter Trachtenzug: Die Mitglieder der Tanzgruppen waren trotz Regen gut gelaunt bei dem Aufmarsch aus dem Kirchhof zum Gemeindesaal und zurück, so z. B. die der siebenbürgisch-sächsischen Volkstanzgruppe ,,Korona“ Kronstadt.                      Foto: Cynthia PINTER

Alles kann man planen, nur das Wetter nicht. Und das hielt diesmal nur teilweise mit den Siebenbürger Sachsen, die Samstagmorgen bei kühlen 13 Grad und Sprühregen in den Bus Richtung Meschen stiegen. Sie ließen sich aber nicht abschrecken und freuten sich auf kommende Begegnungen mit Freunden und Bekannten beim 32. Sachsentreffen, das am 16. und 17. September in Meschen/Moșna stattfand und vom Siebenbürgenforum organisiert wurde. Das Motto des diesjährigen Sachsentreffens lautete „Zu Rat und Tat die Hände reichen“ und stammte aus Stephan Ludwig Roths Feder, der 1847 zwei Jahre lang vor seiner Verhaftung in Meschen als Pfarrer diente. Seinem Rat folgten unzählige Sachsen aus ganz Siebenbürgen und reichten sich am Samstagmorgen in der gotischen Hallenkirche in Meschen zum Gruß die Hände.

Warum das Sachsentreffen heuer in Meschen stattfand, erläuterte Martin Bottesch in seiner Eröffnungsrede am Freitagnachmittag. Meschen sei vorgeschlagen worden, nachdem letztes Jahr das Sachsentreffen nach geraumer Zeit erstmals nicht in einer Stadt veranstaltet worden ist, sondern in der Kirchenburg in Großau, in Kooperation mit der Heimatortsgemeinschaft Großau. An zwei Tagen, wie auch in Meschen, wo die ebenfalls auf der UNESCO-Welterbeliste stehende Kirchenburg genauso schön ist wie die in Birthälm und der Ort gut erreichbar sei. Beim Sachsentreffen 2019 in Bistritz habe man auch gelernt, das es besser sei, das Treffen für zwei Tage zu planen, da die am Freitag angebotene Tanzunterhaltung bei den Teilnehmenden gut angekommen sei. In Meschen stehe auch eine Tanzunterhaltung im Angebot und die Meschener Nachbarschaft aus Deutschland habe ihre Mitwirkung am Treffen zugesagt.

Martin Bottesch, der Vorsitzende des Siebenbürgensforums, bei der Eröffnung des 32. Sachsentreffens in der evangelischen Kirche in Meschen am Freitagnachmittag.Foto: Beatrice UNGAR

Ein kurzer Rückblick sei gestattet: Das Sachsentreffen hat 1991 erstmals in Birthälm stattgefunden und seither wird es ohne Unterbrechung Jahr für Jahr gefeiert. Bis 2006 in Birthälm, dann 2007 in Hermannstadt aus Anlass des Kulturhauptstadtjahres. 2008 und 2009 wieder in Birthälm, 2010 in Bistritz, 2011 in Kronstadt und 2012 vorerst zum letzten Mal in Birthälm. Es folgten als Austragungsorte Schäßburg (2013), Mühlbach (2014), Mediasch (2015 und 2018), Sächsisch-Regen (2016), Hermannstadt (2017, Großes Sachsentreffen, ausnahmsweise Anfang August), Bistritz (2019), dann pandemiebedingt das online-Sachsentreffen 2020 und wie schon erwähnt 2021 in Großau.

Nachdem Martin Bottesch das Sachsentreffen 2022 offiziell eröffnet hatte, stellte Mag. Udo Puschnig, Unterabteilungsleiter im Bereich Volksgruppen, Menschenrechte und regionale Kooperation in der Landesamtsdirektion des Amtes der Kärntner Landesregierung, die drei letzterschienen Bände der ,,Kärnten Dokumentation“ vor mit den Beiträgen der Auflagen 2018, 2019 und 2020/21 des in Klagenfurt veranstalteten Europäischen Volksgruppenkongresses sowie Beiträgen zu Sonderthemen. Mehr dazu auf Seite II.

Besonders froh war Mag. Puschnig, endlich die ihm von dem Vorstand des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien schon 2020 verliehene Goldene Ehrennadel persönlich entgegennehmen zu dürfen. Darüber freuten sich auch Dr. Paul-Jürgen Porr, der Landesvorsitzende, sowie Laudator Benjamin Józsa, der Geschäftsführer des DFDR.

Am Freitagnachmittag  hatte noch strahlender Sonnenschein die schmucke Meschener Kirchenburg in fantastisches Licht getaucht, zur Freude der anwesenden Fotografen. Foto: Beatrice UNGAR

In seiner Dankesrede sagte Mag. Udo Puschnig u. a.: ,,Auf diesem Wege bedanke ich mich beim Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien für diese hohe Auszeichnung. Ich nehme diese gerne an, tue dies aber stellvertretend für alle meine Kolleginnen und Kollegen im Amt der Kärntner Landesregierung sowie für alle Kärntnerinnen und Kärntner. Dies deshalb, da ich als Einzelperson nur ein Teilchen der Arbeit und der Projekte sein kann, welche die Grundlage für die heutige Auszeichnung darstellen. Die Verbindungen von Kärnten zur deutschen Minderheit in Rumänien sind vielfältig und langjährig. Ebenfalls verbindet uns ein Stück gemeinsamer Geschichte und eine gemeinsame europäische Gegenwart und Zukunft. Mit Freude haben sich aber auch zahlreiche persönliche Freundschaften gebildet und ein Aufenthalt bei der deutschen Minderheit ist für mich wie ein Heimkommen.

In dieser Stunde heißt es aber auch zurückzublicken auf die gemeinsamen Aktivitäten. Wechselseitige Delegationsbesuche mit Know-how-Austausch und geselligen Stunden, Publikationen und ihre Präsentationen, Studiengänge, Minderheiten- und Volksgruppenkongresse, Exkursionen, Ausstellungen, Sozialprojekte, Jugendbegegnungen und Traditionsveranstaltungen wie eben das Sachsentreffen können als Beispiele der erfolgreichen Kooperation genannt werden.

Immer stehen dabei die menschlichen Begegnungen und die Geschichte aber auch die Zukunft der deutschen Minderheit im Mittelpunkt. Die Hermannstädter Zeitung und die Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien sind durch die elektronischen Medien meine Fenster zu den aktuellen Geschehnissen in Rumänien.

Der Bogen der Zusammenarbeit und der Kontakte spannt sich geografisch von Hermannstadt und die ,Landler‘-Dörfer Neppendorf, Großau und Großpold über Reschitza im Banater Bergland nach Bistritz in Nordsiebenbürgen bis nach Bukarest und in das Burzenland.“

Die Meschener Kuratorin Marianne Rempler – sie ist die einzige Frau aus der vier Seelen zählenden Meschener Kirchengemeinde und betreut treu und stets freundlich die Besucher der Kirchenburg – präsentierte die Stephan Ludwig Roth gewidmete Erinnerungsecke unter der Empore in der Kirche von Meschen, die der rührige Geschichtelehrer Ioan Șotropa gestaltet hat. Das Ölbild mit dem Bildnis des 1796 in Mediasch geborenen und am 11. Mai 1849 in Klausenburg hingerichteten Pfarrers und Pädagogen hat die Kuratorin von ihrem Niemescher Kuratorenkollegen Friedrich Gärtner geschenkt bekommen…                          Foto: Beatrice UNGAR

Im Anschluss an die musikalisch von dem Musikerehepaar Monica Florescu (Orgel) und Makcim Fernandez Samodaiev (Cello) umrahmte Feierstunde gab es eine ortskundige Führung durch die Kirchenburg, geboten von dem Vorsitzenden der Siebenbürger Nachbarschaft Meschen e. V. aus Deutschland, Hugo Schneider. Nicht unerwähnt blieb der höchste Besuch, den die Kirchenburg erfahren hat, nämlich den des damaligen Thronfolgers und vor kurzem zum König von Großbritannien ausgerufenen Charles III. Man könnte meinen, die Meschener hätten nicht zufällig dieses Jahr für das Sachsentreffen ausgesucht.

In diesem Zusammenhang lohnt sich ein Blick in die Kollektion der Hermannstädter Zeitung aus dem Jahr 1998. Die Redakteurin Annemarie Weber, übrigens eine gebürtige Meschenerin, berichtet in der Ausgabe Nr. 1599 vom 6. November 1998 unter dem Titel ,,Staunen und Schenken in Meschen“ Folgendes: ,,’Wie ist es denn so, wenn man ein ganzes Leben lang auf den Thron wartet?‘ Diese frisch-frech-fröhliche Frage stellten die Meschner Schüler dem englischen Thronfolger Prinz Charles. Der Prinz lachte  verblüfft und antwortete sinngemäß: ‚Ich kenne erstens nichts anderes, und dann hat jede Sache zwei Seiten, eine unangenehme und eine angenehme. Man kann sich damit abfinden.“ Zum Trost sangen ihm die munteren Kinder zum bevorstehenden 50. Geburtstag: ‚Happy birthday, Your Royal Highness!‘, und im Schulhof forderten ihn die zu Tanzpaaren gruppierten Pingetzen der Unterstufe gar auf: ,Brüderchen, komm tanz mit mir!'“

Zurück nach Meschen ins Jahr 2022: Der Aufforderung zum Tanz folgten am Freitagabend zahlreiche Meschener und ihre Gäste, war doch die in diesem Jahr viel und weit gereiste Band ,,Trio Saxones plus“ für die Musik zuständig. Im Gemeindesaal herrschte bis knapp vor Mitternacht eine wunderbare Stimmung.

Auf der Kanzel fühlte sich Bischof Reinhart Guib bei seiner Predigt zu Jesaja 12,1-6 heimisch, war er doch als Dechant des Mediascher Kirchenbezirks von 1995 bis zu seiner Wahl zum Bischof 2010 auch für Meschen zuständig. Foto: Cynthia PINTER

Der zweite Tag des Sachsentreffens begann traditionell mit dem Festgottesdienst in der im 14. Jahrhundert erbauten Hallenkirche. Unter den rund zehn Meter hohen gotischen Gewölben und der sorgfältig gemeisterten spätgotischen Steindekoration fanden sich die Besucher von nah und fern ein, um der Predigt von Bischof Reinhart Guib zu lauschen. Als Liturg diente Pfarrer Ulf Ziegler und der Gottesdienst wurde vom Posaunenchor unter der Leitung von Theo Halmen  bzw. von der Organistin Liv Müller musikalisch begleitet. Echte Hingucker waren drei gebockelte Damen, die mit ihren schönen Trachten aus Agnetheln alle Blicke auf sich zogen.

Während des Gottesdienstes gab es in der komplett sanierten Stephan Ludwig Roth-Schule neben der Kirchenburg ein Kinderprogramm.

Beim Verlassen der Kirche wartete eine kleine Überraschung auf die Teilnehmer: Die Jugendblaskapelle aus Kronstadt spielte ein Ständchen. Insgesamt 13 Kinder spielten unter der Leitung von Matthias Roos bekannte deutsche Volks- und Wanderlieder trotz Sprühregen und kalten Außentemperaturen. Sogar das „Siebenbürgenlied“ spielten die Kleinen auf Anfrage des zahlreichen Publikums. Im Kirchhof herrschte währenddessen reges Treiben: die von weither angereisten Tanzgruppen bereiteten sich für den Trachtenzug vor. Mit der Bistritzer Harmonie-Blaskapelle (koordiniert von Thomas Hartig) an der Spitze ging es los im Marschrhythmus durch das Dorf. Der Regen hielt an, aber das hinderte keinen daran, zu marschieren und am Straßenrand versammelten sich die Dorfbewohner, um die Paradeteilnehmer in ihren siebenbürgisch-sächsischen Trachten zu bewundern.

Zurück in der Kirchenburg angekommen, wurden die Besucher von dem verlockenden Duft von frisch gegrillten Mititei betört. Sofort bildeten sich Schlangen an den beiden Grillständen.

Die Sächsische Volkstanzgruppe Zeiden erntete bei der ,,Sternpolka“ begeisterten Applaus. Foto: Beatrice UNGAR

Währenddessen wurde die eigens dafür aufgebaute Bühne entwässert: mit Wischmopp und Besen wurde die Fläche trockengelegt, damit das Kulturprogramm beginnen konnte. Den Anfang machte die Tanzgruppe aus Zeiden, geleitet von Christine Vlădărean. Die fünf Paare tanzten den „Landler“, die „Sternpolka“ und den „Zeidner Ländler“. Es folgte die Blaskapelle Harmonie aus Bistritz, die u. a. das „Siebenbürgenlied“ zum Besten gab. Die ,,Korona“-Tanzgruppe aus Kronstadt, geleitet von Dagmar Cloos und jene des Jugendforums Hermannstadt unter der Leitung von Sebastian Arion traten als nächste auf der Bühne auf. „Reklich Med“, „Sprötzer“ und „Sudetendeutsche Tanzfolge“ waren nur einige der Tänze, die bewundert werden konnten.

Die Tanzgruppe ,,Goldregen“ aus Sächsisch Regen.                                        Foto: Cynthia PINTER

Auftritte boten im Verlauf des Tages noch: die Jugendblaskapelle Kronstadt, die Tanzgruppe Mühlbach (Leitung: Anamaria Dahinten), die ,,Goldregen“-Tanzgruppe Sächsisch-Regen (Leitung: Balla Dénes), Alessia Schuller, die Tanzgruppe Schäßburg (Leitung: Andreea Rost) und die Tanzgruppe Bistritz (Leitung Izabella Popescu).

In der Zwischenzeit fanden sich einige Teilnehmer in der Kirche ein, um der Festveranstaltung beizuwohnen. Martin Bottesch, der Vorsitzende des Siebenbürgenforums, sagte in seinem Grußwort, das Sachsentreffen sei mehr als ein Volksfest: „Anfang der 1990-er Jahre sahen die im Land verbliebenen Siebenbürger Sachsen ihre Gemeinschaft in akuter Gefahr, die Sachsentreffen wollten damals unter anderem das Vertrauen in eine Zukunft in Siebenbürgen stärken.“ Bottesch sprach auch die Problematik der Erhaltung der Kulturgüter der Siebenbürger Sachsen an: „Eine dauerhafte Lösung scheint sich nur zu ergeben, wenn die rumänischsprachige Bevölkerung sich zur Geschichte der Ortschaften bekennt und gemeinsam mit den rumänischen Behörden Verantwortung für die Erhaltung von Kirchen und Burgen übernimmt.“

Die Tanzgruppe des Hermannstädter Jugendforums.                                    Foto: Cynthia PINTER

Der DFDR-Abgeordnete Ovidiu Ganț lobte in seiner Ansprache die Entscheidung, das Sachsentreffen jedes Jahr in einer anderen Ortschaft zu feiern. Er fühle sich als Befürworter der ,,Wandervariante“ dieser Veranstaltung bestätigt. Hinzu fügte er: „Der Gemeinschaftssinn ist das wichtigste Merkmal der sächsischen Zivilisation in Siebenbürgen, ein Merkmal, das als Vorbild auch anderen dienen sollte, egal wie zahlreich die Gemeinschaft ist. Ich glaube, dass jeder als Mitglied dieser rumäniendeutschen Gemeinschaft seine Aufgaben in der Gemeinschaft hat.“ Ganț dankte nicht zuletzt Hannelore Baier für ihre Freundschaft und ihre Unterstützung.

In ihrem Grußwort betonte die Deutsche Konsulin Kerstin Ursula Jahn, wie wichtig die Kirche für die Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen entlang der Jahrhunderte gewesen sein muss: „Mächtige Zeugin war die Kirchenburg über die Jahrhunderte von sächsischer Besiedelung und Entwicklung, von Besatzung und Verteidigung, von Glauben und Lehre, von Feindschaft und von Nachbarschaft, von Krieg und Frieden.“ Sie erinnerte auch daran, dass sie vor genau einem Jahr, am 17. September 2021 in Großau zum ersten Mal bei einem Sachsentreffen dabei gewesen sei.

Roth-Obelisk in Mediasch: Auf der Fahrt nach Meschen kann man in Mediasch Halt machen und auf dem Friedhof am Hügel im sogenannten „Schülergarten“ des Mediascher Gymnasiums den schwarzen Obelisk aus Gusseisen bewundern, der laut eines Berichts in der Zeitschrift für siebenbürgische Landeskunde ,,auch einen groß gewachsenen Betrachter um mehr als das Doppelte zu überragen vermag“. Hier ist weiter zu lesen: ,,Die sich nach oben hin verjüngende Pyramide ziert ein goldener Siegeskranz, etwas weiter unten, auf der Vorderseite des Sockels (Bild rechts), ist zu lesen: ,Gestorben am 11. Mai 1849′“, auf der Rückseite ,Dem Andenken Stephan Ludwig Roths, das Sachsenvolk‘ (Bild links). ,,Bereits am 20. Mai 1853 wurde dem hier nach seinem Tod Begrabenen auf Initiative einiger ,Verehrer‘ ein Denkmal gesetzt. Öffentlich hatten sie im Vorfeld für die Schaffung einer solchen Erinnerungsstätte geworben, fest davon überzeugt, dass der Tote ,der größte Mann des Sachsenvolkes dieser Zeit‘ gewesen sei „. Foto: Beatrice UNGAR

Thomas Șindilariu, Unterstaatssekretär im Departement für Interethnische Beziehungen in der Rumänischen Regierung, erinnerte in seiner Rede an die Gefahren, denen die Gemeinschaft während der Geschichte ausgesetzt war: „Unsere kleine siebenbürgisch-sächsische, bzw. rumäniendeutsche Forums- wie Kirchenwelt war stets in Gefahr, als die großen Machtblöcke in Bewegung gerieten. Dies war der Fall, als die osmanische Gefahr heraufzog, die Habsburger Siebenbürgen in ihr Länderkonglomerat eingliederten und vor allem als Weltkriege mit ihren einschneidenden Folgen wie Deportation, Enteignung und Auswanderung über das Land fegten.“ Zuversichtlich blicke er in die Zukunft, dass auch die gegenwärtigen und kommenden Krisen überwunden werden, wird man gemeinsam mit den anderen 19 Minderheiten des Landes „zu Rat und Tat die Hände reichen“.

Hugo Schneider, der Vorsitzende der Siebenbürgischen Nachbarschaft Meschen e. V. stellte fest: ,,Auch ein kleines Rad ist wichtig für das Funktionieren einer Uhr. Unsere Nachbarschaft ist ein kleines Rad und wir sind stolz, in unserer ehrwürdigen Kirche viele Gleichgesinnte begrüßen zu dürfen.“

Gut gelaunt machte Hugo Schneider (Bildmitte) beim Umzug mit.         Foto: Beatrice UNGAR

Weitere Grußworte sprachen: Ilse Welther, die Vorsitzende des Verbandes der Siebenbürgisch Sächsischen Heimatortsgemeinschaften e. V., Rainer Lehni, Bundesvorsitzender und Präsident der Föderation der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Manfred Schuller, Bundesobmann des Verbands der Siebenbürger Sachsen in Österreich und Dumitru Gabriel Nuțu, der Bürgermeister von Meschen, der übrigens bei allen Programmpunkten dabei war. Durch die Festveranstaltung führte Radu Neberth, der stellvertretende Vorsitzende des Siebenbürgenforums.

Den Festvortrag über das Leben und Wirken von Stephan Ludwig Roth hielt der Theologe Dr. András Bándi. Der Titel des Vortrags lautete: ,,Die Relevanz des Mythos“ und Dr. Bándi stellte fest, die bei dem 32. Sachsentreffen gewürdigte Persönlichkeit sei eine ,,harte Nuss für die einheimische Geschichtsforschung“. Allerdings habe einer seiner Professoren an der Hochschule behauptet, ,,gäbe es keine Mythen, würde niemand Geschichte studieren“. Zum Abschluss sagte der Festredner, ,,Fußball, Tourismus, Gastronomie und Kultur sind Bereiche, um heute Nationalismus auszuleben und auf diese Weise auch Roth zu würdigen“.

Der Höhepunkt des Samstags war die Verleihung der Honterusmedaille des Demokratischen Forums der Deutschen in Siebenbürgen und der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien an die Historikerin und Journalistin Hannelore Baier für ihre gründliche Forschungstätigkeit und Publikationsarbeit die deutsche Minderheit betreffend, zu Themen wie die Deportation in die Sowjetunion, die Emigration aus Rumänien, oder die Überwachung und Infiltration der Evangelischen Kirche in Rumänien zwischen 1945–1969.

Die Honterus-Medaille überreichten Bischof Reinhart Guib (links) und Martin Bottesch (rechts), der Vorsitzende des Siebenbürgenforums zum Abschluss der Festveranstaltung in der evangelischen Kirche der Journalistin Hannelore Baier. Die Honterus-Medaille wird seit 1999 an verdienstvolle Persönlichkeiten verliehen, Hannelore Baier ist die 22. Empfängerin dieser Auszeichnung.Foto: Cynthia PINTER

Die Laudatio, die von Gerhild Rudolf, der Leiterin des ,,Friedrich Teutsch“-Kultur- und Begegnungszentrums, gehalten wurde, können Sie auf Seite I nachlesen.

Musikalisch untermalt wurde die Festveranstaltung durch das Musikerehepaar Maximilian und Theresa Braisch.

Szenenfoto aus dem Stück ,,Bezuolt“.                                                                 Foto: Beatrice UNGAR

Das Sachsentreffen in Meschen endete mit der Theatervorführung „Bezuolt“ der siebenbürgisch-sächsischen Theatergruppe Landshut im Gemeindesaal. Der Dreiakter spielte in einem siebenbürgischen Dorf in den 1920er Jahren im Winter. Die Laienschauspieler unter Leitung von Johanna Füger sprachen ihre Rollen jeweils in einem anderen Idiom der siebenbürgisch-sächsischen Mundart, was der kurzweiligen Aufführung einen zusätzlichen Reiz verlieh. Der begeisterte Applaus des Publikums belohnte zu Recht alle Beteiligten.

Cynthia PINTER

Beatrice UNGAR

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Gesellschaft.