Sticken kann süchtig machen

Workshop im Winzerhaus im Freilichtmuseum

Ausgabe Nr. 2715

In der guten Stube des Winterhauses erklärt Museografin Alina Matei (rechts) einer Workshopteilnehmerin, welche Stickmuster bei einer rumänischen Trachtenbluse verwendet wurden. Auf dem Tisch liegen Stickmuster  und Stickrahmen zur Ansicht auf, rechts vorne ist ein Stickrahmen aus Holz mit Griff zu sehen.                                       Foto: Beatrice UNGAR

Eine geduldig und freundlich vorgetragene Lektion in Stichkunde erhielten die zahlreichen Interessierten, die am Freitag oder Samstag letzte Woche das Haus eines siebenbürgisch-sächsischen Weinbauern aus Kleinschelken im Freilichtmuseum im Jungen Wald aufgesucht haben. Die Museografin Alina Matei bot hier einen Workshop in Sachen traditionelle Stickereien an.

Für Einsteiger hatten die Veranstalterinnen ein mit  dem einfachen Kreuzstich gesticktes Nadelkissen vorbereitet.Foto: Beatrice UNGAR

Kreuzstich und Steppstich kennt man schon von irgendwoher. Von Perlenstickerei hat man auch schon mal gehört. Aber was ist ein Korallenstich oder ein Schlingenstich? Es gibt unzählige Stiche, die beim Sticken verwendet werden können. Einige Muster davon hatte Alina Matei für die Workshopteilnehmenden vorbereitet. So konnte man erfahren, dass ein Korallenstich für dekorative Ränder und Bordüren, Blätter, Pflanzenstiele verwendet wird; ein  Spaltstich für Umrisse, gerade und runde Linien oder als Füllung für Formen, wobei die Reihen dicht aneinander gestickt werden; ein  Stielstich (er ähnelt einem Seil) ebenfalls für Umrisse, gerade und kurvige Linien, Pflanzenstiele, als Füllung, wenn Reihen dicht aneinander gestickt werden; ein Umschlungener Vorstich für dekorative Ränder, Bordüren und Umrisse. Ebenso erfuhr man, dass man zum Füllen von Flächen u. a. den ,,Wolken-Füllstich“ verwenden sollte.

Das Haus eines Winzers aus Kleinschelken hat Familie Draser dem Freilichtmuseum gespendet. 50 Jahre nach der offiziellen Eröffnung des Freilichtmuseums im Jungen Wald (17. Oktober 1967) ist es am 23. September 2017, zum Europäischen Tag des Kulturerbes, feierlich seiner Bestimmung übergeben worden. Seither haben zahlreiche Veranstaltungen hier stattgefunden, wie z. B. Krapfen nach Neppendorfer Art backen. Foto: Beatrice UNGAR

Ja, es gibt sogar einen ,,Hexen-Stich“, einen ,,Wabenstich“ und einen ,,Erhabenen Plattstich“. Mit letzterem kann man Formen vollflächig füllen.

Aber wo gibt es die Geduld, hat sich wohl die eine oder der andere gefragt. Die Geduld, die man laut der Museografin Alina Matei mitbringen muss, wenn man sich dem Sticken widmen möchte.

Die Antwort auf diese Frage blieben die Veranstalterinnen des Workshops – die Museografin Mirela Crețu – gehörte auch dazu, den Teilnehmenden schuldig. Allerdings gaben sich wenige der Interessierten auch tatsächlich dem Sticken hin, sondern zogen es vor, Anderen zuzuschauen. Vielleicht hatten sie gehört, dass Sticken süchtig machen kann…

Beatrice UNGAR

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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