Von Hermannstadt in die Welt

Online-Konzert aus dem Spiegelsaal des Forums

Ausgabe Nr. 2666

20.000 Personen verfolgten das Konzert mit Monica Florescu, Rafaela Fernandez Samodaiev und Makcim Fernandez Samodaiev (v. l. n. r.). Foto: Privat

Da sitze ich in meiner Wohnung in Köln in Quarantäne und kuriere eine fieberhafte Erkältung aus. Gottseidank hat mich das Corona-Virus nicht gepackt, aber zu Hause bleibe ich sicherheitshalber doch. Beim Spaziergang durchs Internet stieß ich am Donnerstag der Vorwoche auf die Ankündigung eines Konzerts aus Hermannstadt: Heute spielt Familie Florescu-Fernandez im Spiegelsaal – mit virtuellem Publikum dank LiveStream Romania.

 

Pünktlich um 18 Uhr schalte ich ein, höre mir erst einmal die Ermahnungen und Anweisungen zum richtigen Verhalten in Zeiten von Corona an und sehe schließlich den wohlbekannten Spiegelsaal und die beiden Künstler, Makcim Fernandez Samodaiev, Violoncello und Monica Florescu, Klavier. Wie im echten Konzertleben begrüßt Makcim Fernandez Samodaiev die Zuhörer und gibt vor jedem Stück eine kleine Einführung.

Es geht los mit dem besinnlichen „Spiegel im Spiegel“ von Arvo Pärt zur Einstimmung. Der Klang ist etwas hallig, da ja schließlich kein Publikum im Saal sitzt, aber es ist alles trotzdem klar zu hören. Als die kleine Rafaela Fernandez Samodaiev mit ihrer Geige auftritt und zwei Sätze aus einer Sonate des französischen Barockkomponisten Jean-Marie Leclair spielt, schnellt die Einschaltquote hoch – Rafaela spielt beeindruckend souverän, technisch und musikalisch, unterstützt von ihrer Mutter, Monica Florescu, am Klavier.

Das Konzert geht nonstop weiter mit der ersten Cellosonate von Ludwig van Beethoven, wieder sehr anschaulich eingeführt vom Cellisten. Dass die Interpretation überzeugend ist, temperamentvoll aber auch präzise, muss bei den beiden Musikern, die in Hermannstadt ihr Können oft genug unter Beweis stellen, nicht mehr gesagt werden. Es gab bei der Übertragung zwischendurch ein technisches Problem (vielleicht auch nur bei mir in Köln), aber das tat dem großartigen Eindruck keinen Abbruch.

Wie schön, dass in diesen Krisenzeiten solche Konzerte zu uns nach Hause kommen, dass der technische Fortschritt nicht nur fürs Geldverdienen und zur Kontrolle genutzt wird, sondern auch, um unser kulturelles Leben zu bereichern.

Elisabeth DECKERS

 

 

 

 

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