Eine alte Tradition

Zum 50. Mal Weltgebetstag in Hermannstadt

Ausgabe Nr. 2662

Diese von Sunhild Galter, der Vorsitzenden der Frauenarbeit der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, gestaltete Weltgebetstagskerze wird den Altar beim WGT-Gottesdienst der evangelischen Kirchengemeinde Neppendorf schmücken, der ab 15 Uhr im Tagungshaus der Evangelischen Akademie Siebenbürgen stattfindet.                        Foto: Beatrice UNGAR

Unter dem Motto „Steh auf und geh!“ wird am 6. März 2020 der Weltgebetstag der Frauen begangen. In Hermannstadt lädt dazu ein Team Ehrenamtlicher um 17 Uhr in die Johanniskirche ein. Hier findet der Gottesdienst in deutscher Sprache statt; am selben Nachmittag wird in der römisch-katholischen Kirche ein ökumenischer Gottesdienst in ungarischer Sprache gefeiert. Parallel zum Gebet in der Johanniskirche wird für die Kinder ein Kinder-Weltgebetstag im Terrassensaal des Teutsch-Hauses angeboten.

 

Dass immer am ersten Freitag im März zu einem besonderen Gottesdienst eingeladen wird, ist in Siebenbürgen keine neue Tradition, denn die Anfänge gehen in Hermannstadt bereits auf das Jahr 1971 zurück, sodass heuer zum 50. Mal mitgefeiert wird. Ein von Laien gestalteter Gottesdienst, der zudem jedes Jahr Frauen aus einem anderen, oft fernen Land zu Wort kommen lässt, mag in der Anfangszeit mehr Staunen erregt haben als das heute in unsrer globalisierten und digital vernetzten Welt möglich ist. Dennoch bleibt die Bewegung, deren Motto „informiert beten – betend handeln“ lautet, lebendig. Der Weltgebetstag ist die älteste weltweite ökumenische Frauenbewegung. Es sind die Gebetsanliegen, Sorgen und Freuden von Christen aus den verschiedensten Gegenden der Welt sowie ihre Art, die Bibel zu lesen und das Christentum zu leben, die uns immer neu beeindrucken und anregen.

2020 sind es christliche Frauen aus dem südafrikanischen Land Simbabwe, die uns Mut machen. Ausgehend von dem neutestamentlichen Text von der „Heilung eines Kranken am Teich Betesda“ (Johannesevangelium 5, 2-9) schließen die Schreiberinnen aus Simbabwe auf sich und auf alle Menschen. So heißt es in der afrikanischen Gottesdienstordnung: „Jesus wendet sich mit drei Aufforderungen diesem Menschen zu, um ihn so die Liebe Gottes erfahren zu lassen: ‚Steh auf! Nimm deine Matte und geh!‘ Diese Aufforderungen gelten uns allen; wir sollen uns nicht fürchten, nach Gottes Wort zu handeln. Dabei geht es um mehr als körperliche Heilung; Gott öffnet uns Wege zu persönlicher und gesellschaftlicher Veränderung.“

Aus Simbabwe ist unter anderem auch ein berührendes Beispiel der Nächstenliebe zu hören, es kann auf der Schweizer Internetseite zum Weltgebetstag (www.wgt.ch) nachgelesen werden, wo es heißt: „Ein wunderbares Beispiel der Ermutigung sind die ‚Großmütter auf den Freundschaftsbänken‘. Die desolate wirtschaftliche Lage in Simbabwe führt bei vielen Menschen zur Verzweiflung. Viele Frauen leiden an Depressionen und sehen keinen Ausweg mehr. Psychologen, die ihnen helfen könnten, gibt es kaum. Nun wurden ältere, erfahrene Frauen, die oft im Gesundheitswesen gearbeitet hatten, zu Laien-Psychotherapeuten ausgebildet. Sie sitzen vor den Gesundheitszentren auf Bänken mit einem Katalog von Fragen und warten auf Hilfesuchende, die sich ihren Kummer von der Seele reden möchten.“ – So helfen diese „Großmütter“ den Menschen, die „unten“ und „am Boden zerstört“ sind, dass sie den Kopf wieder heben können und „aufstehen“. Sie helfen denen, die – so wie der chronisch kranke Mann, von dem das Johannesevangelium erzählt – „keinen Menschen haben“. Dem Kranken am Teich Betesda half Jesus, der Helfer in Person. Den Hilfsbedürftigen heute werden die tätigen Christinnen und Christen zum helfenden Mitmenschen.

Mit der Kollekte von den Weltgebetstags-Gottesdiensten, die heuer in den evangelischen Kirchengemeinden in Rumänien gefeiert werden, wird durch die Vermittlung der Frauenarbeit der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien ein Projekt der Christoffel-Blindenmission (CBM) in Simbabwe unterstützt werden, und zwar eine Augenklinik für Kinder. Damit wird ein wirksames Zeichen der Solidarität gegeben.

Gerhild RUDOLF

 

 

 

 

 

 

 

 

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