„Werte nebeneinanderlegen”

14. Auflage des Ars Hungarica-Festivals der ungarischen Kultur

Ausgabe Nr. 2650

 

Das Ensemble Maros aus Neumarkt am Mieresch zeigte beim Ball im Neppendorfer Gemeindesaal nicht nur ungarische sondern auch siebenbürgisch-sächsische und Roma-Tänze. Foto: Werner FINK

Vergangene Woche fand zwischen dem 9. und 17. November die  14. Auflage des Ars Hungarica-Festivals statt. Eröffnet wurde das acht Tage dauernde Festival mit den Grußworten der Gäste und Gastgeber sowie mit einer Opern- und Operettengala mit Benedekffy Katalin und Turpinszky Gippert Béla (Tenor). Das diesjährige Festival bot wieder eine reiche Palette an Veranstaltungen, die von klassischen Konzerten, über Leichtmusikkonzerte, Vernissagen, Buchvorstellungen und Verkostungen bis zum Ball des Festivals alles enthielt. Dabei gab es wie immer die Möglichkeit, bereits etablierte aber auch junge Talente der ungarischen Welt zu erleben.

Der Winzer Seprődi József aus Dicsöszentmarton/Sankt Martin/Târnaveni präsentierte am Montagabend nach dem Jazzkonzert im Spiegelsaal einige seiner Weine. Foto: Werner FINK

 

Vor einigen Jahren hatten einige Texte in den deutschen Zeitungen in Rumänien den Theologen und Historiker und den ehemaligen Ehrenvorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien Prof. Dr. Dr. h. c. Paul Philippi, veranlasst, einen Vorschlag zu machen: ,,Immer wieder erscheint die Formel von unserer ‚multikulturellen‘ Heimat. Ich finde wohl richtig, was damit gemeint ist, halte diese Formel aber für ungeeignet. Ich schlage vor, lieber von der ‚Plurikulturalität‘ zu sprechen: Nicht die Vielheit (die beliebige, die changierende, die gerne wechselnde Vielfalt) scheint mir das Charakteristische unserer Kulturlandschaft zu sein, sondern das beständige Nebeneinander- und Beieinanderstehen einiger wohl konturierter Kulturen, die sich gegenseitig und auf Dauer mögen. Darauf sollten wir den Finger legen: ‚PLURIKULTURELL‘.“ Die Gedanken Philippis griff der Vertreter des HID-Vereins und Ehrenbürger der Stadt Hermannstadt, der Künstler Stefan Orth auf, der  in seinem Grußwort u. a. darauf hinwies, dass Philippi zu Lebzeiten stets beim Festival dabei gewesen sei. In der Europäischen Union herrsche eine Tendenz zur Globalisierung und Vereinheitlichung, führte Orth aus. Das siebenbürgische Modell, das auch als Modell für Europa dienen könnte, habe die Idee als Grundlage, dass eine stabile und gesunde Union nicht durch die Vereinheitlichung, Zusammenführung, Homogenisierung der Unterschiede sondern durch das Nebeneinanderlegen der Werte als Teil eines gemeinsamen Erbes geschaffen werden könne. Als ein konkretes Beispiel von siebenbürgischen Verhältnissen nannte er die Begebenheit, als ein Obergespan Samuel von Brukenthal ungarisch anspricht und dieser seinerseits in siebenbürgisch-sächsischer Mundart antwortet.

Stefan Orth (rechts) und Blénessy Enikő auf der Bühne des Thalia-Saals bei der Eröffnung am Samstagabend.Foto: Werner FINK

Ein weiterer Gedanke war dass die ehemals geschlossene Stadt, Hermannstadt, 2007 zur Europäischen Kulturhaupstadt, zur Hauptstadt der kulturellen Vielfalt geworden sei, wobei die Stadt- und Kreisverwaltung u. a. auch dieses Festival unterstützte.

Begrüßt wurden die Gäste im Rahmen der Eröffnung auch von Serfőző Levente, Vorsitzender des Vereins HID und Leiter des Ungarischen Kulturbüros, Hegedűs Katalin, Direktorin der Kommunikationsabteilung des Nationalen Kulturinstituts in Ungarn und Koordonatorin der Zeitschrift Szín.

Der Saxofonist Tóth Viktor. Foto: Werner FINK

Vorgelesen wurde auch das Grußwort von Magdolna Závogyán, der Leiterin des Kulturinstituts in Ungarn. Der Fokus der Aktivität des Instituts liege darauf, die für lokale und nationale Indentität wichtigen Werte für alle erreichbar zu machen. Man sei inzwischen ein Partner, der mit fachlicher Hilfe und Informationen versucht, den HID-Verein zu unterstützen. Begrüßt wurden die Anwesenden auch von Ábrám Zoltán, stellvertretender Vorsitzender des siebenbürgisch-ungarischen Kulturvereins EMKE, Gründungsmitglied des Vereins „Erdélyi Múzeum” (Siebenbürgisches Museum), Arzt und Hochschullehrer an der Universität für Medizin, Pharmazeutik, Naturwissenschaften und Technik  in Neumarkt.  Es moderierte Blénessy Enikő, Schauspielerin des Temeswarer Deutschen Staatstheaters.

Júlia Bucz stellte den Kindern im Ungarischen Kulturzentrum in der Bräuhausgasse/Berăriei 2 die Zither vor.Foto: Werner FINK

Nach den Grußworten folgte der künstlerische Teil mit Benedekffy Katalin (Koloratursopran) und Turpinszky Gippert Béla (Tenor) und dem Mercurium-Ensemble. Los ging es mit der Carmen-Ouverture von Georges Bizet, die das Mercurium Ensemble zum Besten gab. Es folgte Benedekkfy mit der Arie „Je veux vivre“ aus dem lyrischen Drama ,,Romeo und Julia“ von Charles F. Gounod und dann Turpinszky Gippert mit „E lucevan le stelle“ aus Giaccomo Puccinis Oper ,,Tosca“. Über Werke von Pietro Mascagni, Eduardo di Capua, Giuseppe Verdi und im zweiten Teil von Johann Strauss und Johannes Brahms ging es über zu Erkel Ferenc und Kodály Zoltán. Und was wäre schon ein ungarischer Opern- und Operettenabend ohne Werke von Kálmán Imre gewesen. Zum Schluss  gab es nämlich einige Fragmente aus der „Csárdasfürstin“ von Emmerich Kálmán, einer der Begründer der „Silbernen Operettenära“ und im Gegenzug Stehapplaus für die Künstler. Turpinszky Gippert Béla debütierte 2015 in der Rolle des „Bánk“ Bans in Klausenburg dessen Arie er auch dieses Mal zum Besten gab. 2018 wurde er in Szeged zum besten jungen Opernsänger gewählt.

Das Abschlusskonzert am Sonntagabend im Gong-Theater bestritt als Einmannorchester Pély Barna. Foto: Werner FINK

Benedekffy Katalin kannte das Hermannstädter Publikum bereits von der Auflage vom vergangenen Jahr. Benedekffy ist eine aus dem Szeklerland stammende erfolgreiche Opernsängerin.

Gegen Ende der vollen ungarischen Kulturwoche gab es im Neppendorfer Gemeindesaal den Ball des Festivals, wo alle noch einmal gemeinsam bis spät in die Nacht hinein auf Csárdásklänge das Tanzbein schwangen.

Zum Abschluss gab es am Sonntag im Gong-Theater das Konzert von Pély Barna der sein 2019 herausgebrachtes Album „Blue Heart“ vorstellte, wobei die Zuschauer erleben konnten, wie ein einziger Mann auf der Bühne, eine ganze Band stellen kann.

Werner FINK

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Posted in Aktuelle Ausgabe, Gesellschaft.