Eine Promenada, zwei Promenada

Nach Schellenberg hat jetzt auch Hermannstadt eine Mall

Ausgabe Nr. 2650

Gleich neben dem Viadukt am Hermannstädter Bahnhof steht die neue Mall, die auch ,,Promenada“ heißt, wie jene in Schellenberg. Foto: Cynthia PINTER

Große Investition, viel Freude und Gedränge, schleppender Verkehr, erste Strafe: die am 14. November eröffnete Mall im Zentrum Hermannstadts bringt Freude und Ärger für die Hermannstädter. Die Hermannstädter, die gewettet hatten, dass am Eröffnungstag die Mall nicht zu 100 Prozent eingerichtet sein wird, gewannen, denn Vieles wurde in den ersten Tagen noch eingerichtet werden – drinnen und draußen. Der erste Strafzettel muss auch bereits bezahlt werden, denn die Mall hat noch nicht alle Genehmigungen vom Inspektorat für Zivilschutz und Krisensituationen (ISU) erhalten.

 

Mit einer Investition von 100 Millionen Euro wurde die neue Mall in Hermannstadt beim Bahnhofsviadukt eröffnet. 150 Läden und Verkaufsstände sind auf vier Stockwerken zu finden, dazu kommt ein Kino mit neun Sälen, ein Kaufland-Hypermarket, ein Food-Court von 2.600 Quadratmeter Restaurants und 1.600 Parkplätze. Die Baufläche ist 4,2 Hektar groß, die Verkaufsfläche ist 42.200 Quadratmeter groß und zu 99 Prozent bereits vermietet. Auf die Mall wurde auch eine Terrasse, mit Gras und Hügelchen, eingerichtet, von der man eine schönen Aussicht auf die Stadt hat. Da sie zu den gleichen Investoren Nepi Rockcastle gehört, trägt die Mall auch den gleichen Namen wie die in Schellenberg: Promenada Mall.

Groß und Klein warteten am Donnerstag schon früh am Morgen auf die Eröffnung der Mall, denn viele der Läden lockten an den ersten vier Tagen mit Angeboten und Gutscheinen. Die meisten Kunden ließen sich auch von der Tatsache nicht stören, dass am Eröffnungstag in der Mall fleißig gearbeitet wurde: Im Food-Court verkauften manche bereits Pommes & Co., während daneben ein anderer Anbieter die Küche erst installierte. Geräusche von elektrischen Sägen, Musik und lautes Lachen vermischten sich an den ersten Tagen in der Mall, mit prallen Tüten und vollen Bäuchen gingen viele Kunden nach dem ersten Wochenende in der Mall nach Hause.

Hermannstadts Bürgermeisterin Astrid Fodor und Center Manager Promenada Sibiu Dorinel Udma beim symbolischen Durchschneiden der Schleife. Foto: Cynthia PINTER

Die meisten ließen sich auch von der Tatsache nicht stören, dass die Mall keine Feuerwehrgenehmigung hatte, das zuständige Inspektorat stellte bereits einen Strafzettel im Wert von 50.000 Lei aus.  Dorinel Udma, Manager der Mall, erklärte, dass für seine Gesellschaft die Sicherheit der Kunden Priorität sei und erklärte, dass man hoffe, alle nötigen Genehmigungen in kürzester Zeit zu erhalten.

Während die ersten Kunden bereits die Mall stürmten, wurde in einem der neun Kinosälen die Mall feierlich eröffnet, im Beisein der Vertreter der lokalen Behörden.

Dorinel Udma bedankte sich bei den Lokalbehörden, und insbesondere bei der Bürgermeisterin Astrid Fodor für die Unterstützung. „Wir sind sicher, dass die Mall nicht nur die Hermannstädter, sondern auch Käufer aus der Gegend anlocken wird, durch das gemischte Angebot“, erklärte er.

Die Bürgermeisterin Astrid Fodor freute sich, dass die Investoren Wort gehalten haben, als sie im Mai 2018 ihre Genehmigung erhalten hatten und versprochen hatten, die Mall noch vor Weihnachten 20019 zu eröffnen. „Für die Wirtschaft ist die Mall eine angebrachte Investition, für die Hermannstädter eine Notwendigkeit. Die Mall ist leicht zu erreichen, da sie im Herzen Hermannstadts liegt, man kann sie leicht aus jeder Gegend erreichen. Ich muss mich bei den Hermannstädtern aus der Gegend und bei denjenigen, die diese Gegend durchfahren haben, für ihre Toleranz, ihre Geduld und ihr Verständnis bedanken.“

Kaufland hat zum ersten Mal auch einen eigenen Hypermarket in einer Mall eröffnet, bei der Eröffnung dabei war auch einer der Manager, Valer Hancaș. „Das wird nicht der erste Kaufland-Laden sein, der in einer Mall eröffnet sein wird, versprach dieser, „da unsere Gesellschaft sehr anpassungsfähig ist.“ In Rumänien ist das der 127 Laden der Kette, hat eine Gesamtfläche von 4.000 Quadratmeter, davon 2.500 Quadratmeter Handelsfläche. Es ist ein sehr modernes Konzept, so der Manager, hat inklusive Self-Check-Kassa.

Zu Wort kam auch Nicolae Constantin, einer der Cinegold-Manager, der in die Mall den ersten Multiplex in Hermannstadt im Wert von vier Millionen Euro eingerichtet hat, mit neun Kinosälen und insgesamt 1.400 Plätzen – inklusive je zwei Plätze pro Saal für Rollstuhlfahrer. „Wir sind offen für viele andere Events, denn fünf Säle haben eine Bühne, für Festivals, Konferenzen und Produkte-Vorstellungen und  möchten auch Kulturpartnerschaften schließen.“

Die Mall bringt nicht nur Freude und Einkaufslust, sondern auch viel Ärger, denn der Verkehr ist zu Stoßzeiten sehr schwierig, im Schneckentempo kommt man auf allen Straßen rund um die Mall voran. „Für den Verkehr gibt es eine Lösung.“, erklärte Bürgermeisterin Astrid Fodor, „Es ist ein bekanntes Wort, dass alle Straßen nach Rom führen. Zur Zeit führen die meisten Busse Hermannstadts in Richtung dieses Einkaufszentrums. Zweitens liegt die Mall im Herzen Hermannstadts, man kann fast von überall zu Fuß kommen, man muss nicht mit dem Auto kommen. Was den Verkehr betrifft, weiß ich, dass er in den letzten Wochen höllisch war, auch weil die Nebenstraßen rings um die Mall noch blockiert sind. In dem Moment, in dem diese Straßen befreit werden, wird der Verkehr in eine normale Phase zurück kehren. Ich muss die Hermannstädter bitten, noch etwa eine Woche mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren oder zu Fuß in die Mall zu kommen.“

Im Stau sitzen zur Zeit aber auch diejenigen, die eigentlich gar nicht in die Mall wollen, sondern einfach an der Mall vorbeifahren müssen. Die Nerven liegen hier oft blank und es wird laut, Hupkonzerte sind trotz Hupverbot keine Seltenheit mehr. Die Ärzte im Kreiskrankenhaus beschweren sich, dass besonders die Kranken und Neugeborenen belastet sind.

Zur Zeit beschweren sich auch die Rettungswagenbesatzungen, denn einerseits haben sie wegen des gesteigerten Verkehrs Probleme mit der Ausfahrt aus ihrem Gebäude, andererseits liegt die Notaufnahmestation in der Nähe der Mall, so dass ihre Arbeit erschwert wird.

Eine Auswirkung hatte die neue Mall auch auf die Innenstadt, die viele Hermannstädter überraschte: Einige Läden der bekannten Firmen in der Heltauergasse sind in die Mall umgezogen und mehrere Geschäfte stehen zur Zeit leer. Dafür ist es umso voller in der Mall und auch auf dem Weihnachtsmarkt, der zeitgleich seine Tore geöffnet hat.

Ruxandra STĂNESCU

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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