Fröhlich und quirlig aktiv

Die Kinderbuchautorin Anne Junesch ist tot

Ausgabe Nr.2647

Anne Junesch bei ihrer letzten Buchvorstellung am 3. Juni 2019 im Erasmus-Büchercafé in Hermannstadt.            
Foto: Cynthia PINTER

Bei der Vorstellung ihres letzten Kinderbuches, ,,Das Amenchen/Mäuseleben“ sagte der Leiter des Honterus-Verlags, Benjamin Józsa, ,,Anne Junesch sprüht von Ideen“. Die beliebte Autorin ist am 28. Oktober d. J. plötzlich verstorben. Bei der Aussegnung im Dr. Carl Wolff-Altenheim am Dienstag hielt Diakonin Petra Stöckmann eine bewegende Abschiedspredigt, die wir auszugsweise abdrucken.

Annemarie Junesch wurde am 12. September 1948 als viertes Kind den Eltern Johann und Ilse Roth in Katzendorf geboren. Der Vater war Pfarrer, die Mutter schwer krank, trotzdem empfand Anne ihre Kindheit als glücklich, sie war gerne in Katzendorf.

Als Anne 10 Jahre alt war, übersiedelte die Familie nach Hermannstadt, die Mutter starb bald nach der Übersiedlung. Die Schwestern heirateten, auch der Vater fand eine neue Frau. Anne erlebte eine schöne Jugendzeit, fand auch hier viele Freunde. 1965 lernte sie ihren zukünftigen Mann, Georg Junesch aus Tartlau kennen, der in Hermannstadt Theologie studierte. Nachdem sie 1966 erfolgreich die Brukenthalschule mit Matura abschloss, machte sie die Ausbildung zur Krankenschwester. 1967 wurde in Tartlau Hochzeit gefeiert. Die erste Pfarrstelle war Lugosch, Anne fand eine Anstellung im dortigen Krankenhaus. 1970 wurde ihnen das erste Kind geschenkt, Hans Georg.

1971 ging es nach Girelsau, hier wurden die drei Töchter geboren: Ilse Katrin, Elke Maria und Andrea Kristel. Anne arbeitete im Dispensar als Krankenschwester und kümmerte sich liebevoll um jeden Kranken im Dorf. Oft nahm sie auch die Kinder mit, die so lernten, dass auch in der ärmlichsten Hütte Menschen mit Liebe und Hingabe ganz selbstverständlich betreut werden.

Daneben war sie auch ganz Pfarrfrau und unterstützte ihren Mann bei der Gemeindearbeit, spielte bald die Orgel in den Gottesdiensten, pflegte einen großen Garten zur Versorgung der Familie und durch die Nähe zu Hermannstadt gab es auch ein reges Kränzchenleben. Es war ein offenes, gastfreundliches Pfarrhaus, dem eine fröhliche Pfarrfrau das besondere Gesicht gab.

1983 wechselte die Familie nach Viktoriastadt, Anne fand eine Anstellung im Ambulatorium des Chemiekombinats, später als Arztgehilfin im Krankenhaus. Ihre Rolle als Pfarrfrau war wie auch in Girelsau, nur der Hof war wesentlich kleiner, trotzdem hat sie auch hier mit offenem Haus und großem Herzen viele Gäste empfangen und bewirtet. Als lustige Mama bescherte sie ihren Kindern eine fröhliche Kindheit und Jugendzeit. Sie blieb fröhlich und quirlig aktiv, auch als die ersten starken Beschwerden durch Rheuma und Gicht kamen.

Nach der Wende besuchte sie ihre Schwestern und Freunde in Deutschland, die älteste Tochter zog nach Österreich, bald auch die zweite, beide heiraten.

1993 übersiedelten Anne und Georg nach Mühlbach, wo Anne als Pfarramtssekretärin arbeitete. Sie feierten Silberhochzeit, das erste Enkelkind wurde geboren und bald wurde Georg Dechant und Anne war mit ihm in vielen Gemeinden unterwegs. Sie organisierte vieles auch über die Frauenarbeit der Landeskirche und als Gelegenheitsdichterin begann sie Geschichten zu schreiben. Der Fokus lag bei den Enkeln, daraus entstanden dann später die Kinderbücher. Am 28. Oktober 2003 überstand sie eine große Herzoperation, es wurde ihr zweiter Geburtstag. 2005 ging Georg in Rente und sie zogen in ein eigenes Haus in Mühlbach, 2007 erfolgte der Umzug nach Hermannstadt, um der einzigen in Rumänien lebenden Enkeltochter Maria näher zu sein. 2010 starb ihr Ehemann Georg und ihr wurde das Haus bald zu groß. Sie zog in eine kleine Wohnung neben dem Großen Ring. Ihre eigene Gesundheit wurde immer schlechter, es fiel ihr immer schwerer, für alles allein zurecht zu kommen, so zog sie nach Petersberg, wo ihre Tochter Elke mit ihrem Mann Peter lebte. Ende Juni  diesen Jahres zog Anne Junesch ins Carl Wolff Altenheim.

Sie war immer am Leben der Kinder und Enkel beteiligt, weil sie sich intensiv interessierte. Ein großes Geschenk war es auch für sie, dass sie sich gut mit den Schwiegerkindern und auch Schwieger-
enkeln verstand. Per Skype oder Telefon sprach sie täglich mit ihren Lieben und zeigte mir oft die Filmchen, die man ihr schickte, an denen sie sich erfreute. 7 Enkeln und 2 Urenkeln widmete sie 13 Kinderbücher, die sie mit Kindern und Enkeln illustrierte. Aber nicht nur Kinderbücher, sie hatte sich daran gemacht, das Leben ihres Großvaters zu veröffentlichen. Seine Tagebücher übersetzte sie aus der gotischen Handschrift. Diese Lebensgeschichte wollte sie am Montag vorstellen. Aber unser Vater im Himmel hatte es anders mit ihr vor. Nachdem sie vor einer Woche unglücklich fiel, war sie so schwach, dass sie kaum noch auf sein konnte.

Am Sonnabend, nach unserem Erntedankgottesdienst, durfte ich ihr das Heilige Abendmahl reichen und sie erzählte mir, dass die Töchter kommen wollten. Sie wusste, dass es nun Abschiednehmen heißen würde. Gott schenkte ihr, dass sie umgeben von allen ihren Kindern wieder am 28. Oktober Geburtstag feiern durfte, ihren ersten himmlischen, denn nun darf sie das schauen, was sie geglaubt und gelebt hat.

 

 

 

 

 

 

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