„Patenschaften wieder mit Leben erfüllen”

NRW-Aussiedlerbeauftragter Heiko Hendriks zu Gast in Hermannstadt

Ausgabe Nr. 2623

 

Heiko Hendriks (links) mit Bürgermeisterin Astrid Fodor (Bildmitte) und Rainer Lehni im Rathaus in Hermannstadt.               
Foto: Werner FINK

Heiko Hendriks, Beauftragter der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen für die Belange von deutschen Heimatvertriebenen, Aussiedlern und Spätaussiedlern besuchte am Montag Hermannstadt, in Begleitung einiger Kollegen sowie Vertretern der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, darunter Rainer Lehni, Stellvertretender Bundesvorsitzender sowie Landesvorsitzender des Verbands der Siebenbürger Sachsen in Deutschland für Nordrhein-Westfalen. Empfangen wurde die Delegation im Bischofspalais von Bischof Reinhart Guib, im Forumshaus von Dr. Paul-Jürgen Porr, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR), Martin Bottesch, Vorsitzender des Siebenbürgenforums und Benjamin Józsa, DFDR-Geschäftsführer, im Rathaus von Bürgermeisterin Astrid Fodor und in der Brukenthalschule von Direktorin Monika Hay. Zum Abschluss ging es zum Friedrich Teutsch-Kultur- und Begegnungszentrum, wo Gerhild Rudolf und Heidrun König durch das Landeskirchliche Museum der Evangelischen Kirche führten und den Besuchern auch die Johanniskirche zeigten.

 

„Einer unserer beiden Patenlandsmannschaften neben den Oberschlesiern sind die Siebenbürger Sachsen in Nordrhein-Westfalen. Im Regierungsvertrag der Nordrhein-Westfälischen Landesregierung, die seit zwei Jahren im Amt ist, steht, dass wir diese Patenschaften wieder mit Leben erfüllen, also die Kontakte pflegen und ausbauen. Deshalb war es mir ein Anliegen nachdem ich die Einrichtung der Siebenbürger Sachsen in Nordrhein-Westfalen, Drabenderhöhe besucht habe, entsprechend ins Gespräch mit der deutschen Minderheit hier vor Ort zu kommen und das natürlich unter Einbindung der Vertreterinnen und Vertreter des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Nordrhein-Westfalen um gleich in einem zweiten Schritt nicht nur die Verbundenheit Nordrhein-Westfalens deutlich zu machen, sondern vielleicht auch Kontakte aufbauen zu können zwischen der Landesregierung und Siebenbürgen die entsprechend dann genutzt werden können”.

Im Forumshaus begrüßte u. a. der DFDR-Landesvorsitzende Dr. Paul-Jürgen Porr (rechts) den Aussiedlerbeauftragten Heiko Hendriks.
Foto: Werner FINK

Nordrhein-Westfalen ist nämlich seit 1957 Patenland der Siebenbürger Sachsen. Durch den Zweiten Weltkrieg und dessen Folgen kam es dazu, dass die Siebenbürger Sachsen nach Nordrhein-Westfalen auswandern. „Durch die Kohleaktion von 1953 kamen Siebenbürger Sachsen aus Österreich nach NRW und gründeten die drei siebenbürgischen Siedlungen in Herten-Langenbochum, Oberhausen-Osterfeld und Setterich. In den 1960er Jahren folgte die Errichung mehrerer kleiner Siedlungen im Raum Overath und 1966 die Siedlung Drabenderhöhe im Oberbergischen Land. Drabenderhöhe bildet mit heute rund 3.000 Siebenbürger Sachsen die größte geschlossene Siedlung von Siebebürger Sachsen weltweit“, ist in einem Beitrag von Rainer Lehni in dem Buch „Wir sind daheim – 60 Jahre Siebenbürger Sachsen in Nordrhein-Westfalen“ zu lesen. NRW soll somit das einzige Bundesland in Deutschland sein, in dem sich geschlossene siebenbürgische Siedlungen dieser Größenordnung gebildet haben.

Im Rahmen der in Hermannstadt geführten Gespräche konnten die Delegationsmitglieder Einblicke in die Situation der deutschen Minderheit in Rumänien erhalten, sei es auf kirchlicher, lokal- oder landespolitischer Ebene, auf der Bildungsebene, kultureller oder wirtschaftlicher Ebene. Besprochen wurde u.a.  auch die Möglichkeit Partnerschaften ins Leben zu rufen, beispielsweise zwischen Universitäten oder Schulen.  „Wenn uns zum Beispiel durch die Vermittlung des Demokratischen Forums der Deutschen gelingt, die Entstehung einer Hochschulpartnerschaft zum Beispiel zwischen einer Universität in Hermannstadt und einer Universität in Nordrhein-Westfalen zu flankieren, ist das dann ein sehr konkreter Schritt”.

Mehrfach wurde in den Gesprächen auch der Mangel an deutschsprachigen Lehrkräften erwähnt. Hendriks denkt  an die Möglichkeit mehr in der Lehrerausbildung für den deutschsprachigen Unterricht tun zu können durch Einbindung von nordrhein-westfälischen Unternehmen die sich hier engagieren, so dass Patenschaften und  Stipendien übernommen werden.  „Da viele Rumänen auch Deutsch lernen, betrifft das eben nicht nur die deutsche Minderheit, das schweißt uns letztendlich alle zusammen und das finde ich sehr positiv“, betonte Hendriks.

Angesprochen wurde auch das Image Rumäniens in Deutschland. Hendriks und seine Kollegen befanden sich schließlich zum ersten Mal in Rumänien „Das Image Rumäniens in Deutschland ist durchaus ambivalent“, sagte Hendriks.  „Die einen die keine Erfahrungen gemacht haben mit Rumänien, haben punktuell  ein Bild das nicht der Realitäten entspricht, andere die Erfahrungen gemacht haben und zum Beispiel alles um die Kulturhauptstadt Hermannstadt verfolgt haben, denen ist Rumänien besser ins Blickfeld gerückt worden, insbesondere diese Region Siebenbürgen. Wenn klar ist, dass die Deutschen die seit dem 12 Jahrhundert hier gesiedelt haben, immer noch eine anerkannte Minderheit sind, ist es dann vielleicht ein Stück leichter für Wirtschaftspersonen zu investieren oder im Rahmen vom Tourismus diese wunderschöne Region hier zu besuchen, Kontakte aufbauen. Das Bild versuchen nachhaltig zu ändern, das ist eine Aufgabe, das dauert. Das Bild ist aber in den letzten Jahrzehnten schon besser geworden“.

Hendriks hob die Wichtigkeit dessen hervor, dass der 2005, 2007 eingeschlagene Weg, dass sich hier NRW-Firmen weiterhin engagieren, dass weiterhin Kulturaustausch stattfindet, fortgesetzt wird, aber auch die Wichtigkeit der zweisprachigen Siebenbürger Sachsen als Mittler.

Die aus Tobsdorf stammende Heike Mai-Lehni, Landeskulturreferentin von der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen, freute sich vor allem auf die Sonderausstellung „Renovierung des Tobsdorfer Chorgestühls“ im Teutschhaus und Robert Sander, ehemaliger Brukenthalschüler auf den Besuch in der Brukenthalschule, wo alte Erinnerungen wach wurden. Weitere Mitglieder der Delegation waren Valeria Diewald, Geschäftsführerin des Landesbeirats für Vertriebenen-, Flüchtlings- und Spätaussiedlerfragen, Referentin Martina Rodrigues und Hans-Ulrich Baumgarten, Leiter der Gruppe Weiterbildung, Lehrerausbildung, Zukunft durch Innovation, Kulturpflege der Vertriebenen vom Ministerium für Kulur und Wissenschaft in Nordrhein-Westfalen.

Ein weiteres Vorhaben der Delegationsmitglieder war, während des  Aufenthalts in Rumänien auch Vertreter der Deutschen Minderheit in Zeiden, Kronstadt, Deutsch-Weißkirch und Schäßburg zu treffen.

Werner FINK

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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