„Zwischen Auftrag und Unabhängigkeit”

Tagung für deutschsprachige Medien der Deutschen Gesellschaft e. V.in Berlin

Ausgabe Nr. 2605

Björn Akstinat.
Foto: Deutsche Gesellschaft e. V.

Unter dem Titel „Zwischen Auftrag und Unabhängigkeit“ fand die Tagung für deutschsprachige Medien im Östlichen Europa Ende November in Berlin statt. Auf Einladung der Deutschen Gesellschaft e. V. trafen sich rund 25 Journalisten der deutschsprachigen Presse außerhalb Deutschlands, gefördert wurde das zweitägige Projekt vom Auswärtigen Amt.

 

Begrüßt wurden die Gäste von Dr. Evelyna Schmidt, Referentin für Kultur und Gesellschaft bei der Deutschen Gesellschaft. U. a. sprach Jürgen Engert, Gründungsdirektor des ARD-Hauptstadtstudios und Vorstand der Deutschen Gesellschaft e. V. bei der Eröffnung der Tagung über die Problematik der Medien weltweit. „Der Bürger bezieht sein Bild von der Gesellschaft und von der Welt, in der er lebt, durch mediale Nutzung und diese Informationen setzt er zusammen zu seinem Weltbild, ohne dass er permanent reflektiert, wie es zustande kommt, Aber es kommt zustande und er ist konfrontiert mit dem Resultat.” Auch in Berlin kann man die Problematik der Medien „ziemlich deutlich erkennen”: „Alphajournalisten und Gatekeeper, – auch selbsternannte – sind nicht mehr Kommentatoren und Analytiker, sondern machen mit oder wollen mitmachen, und kein Politiker ist in der Lage, das zu ignorieren.” Es geht den Politikern um Mandate und Einfluss, dann richten sie  sich oft nach den Alphajournalisten. Auch der Beruf des Journalisten ist durch die Globalisierung schwieriger geworden, unterstrich Jürgen Engert, auch die Anzahl der Journalisten, die am Existenzminimum leben, ist immer größer geworden. „Damit gebe ich Ihnen keinen besonders optimistischen Ausblick in Ihre Tagung, ich hoffe, diese Probleme können Ihnen weiterhelfen bei der Diskussion.”, beendete der Sprecher seine Rede.

Nea Matzen vom Nachrichtenportal tagesschau.de
Foto: Deutsche Gesellschaft e. V.

Die Moderation der Vorstellungsrunde übernahm Björn Akstinat, der den Verband der deutschsprachigen Auslandsmedien, die Arbeitsgemeinschaft Internationale Medienhilfe(IMH) aufgebaut hat. Akstinat ist u. a. Autor des ersten Verzeichnisses der deutschsprachigen Auslandspresse und bewies während der Vorstellungsrunde, dass er die Medien sehr gut kennt und die meisten Redaktionen auch persönlich besucht hat.  Für die Journalisten war die Vorstellungsrunde und die ganze Tagung eine gute Gelegenheit, sich kennenzulernen oder wiederzusehen und auch sich über die Probleme und Freuden auszutauschen, die viele Redaktionen teilen, trotz der unterschiedlichen Herkunftsländer. Nachwuchsjournalisten zu finden, die gut Deutsch sprechen, aber auch Leser zu finden, die ebenfalls Deutsch sprechen und auch bereit sind, für Qualitätsjournalismus zu zahlen, das sind nur einige der Probleme, die in den Redaktionen bewältigt werden müssen. Dabei setzen immer mehr Redaktionen – wie im Laufe der Tagung festgestellt wurde – auf die Online-Ausgaben ihrer Zeitungen.

Heinrich Wefing.                                    
Foto: Deutsche Gesellschaft e. V.

Den Impulsvortrag der Tagung, „Aktuelle Herausforderungen für den Journalismus in Deutschland”, hielt Heinrich Wefing, Co-Ressortleiter Politik bei DIE ZEIT.Der Journalist stellte erst sein Medium vor, das sich über zwei Millionen Leser und eine stabile Auflage erfreut. Auch wenn die Printausgabe noch die Hauptauflage ist und auch den Haupterlös bringt, beschäftigt es die Redakteure, eine gute Online-Ausgabe zu bringen, „die auch sehr erfolgreich ist”, genauso wie die App, die auch „wahnsinnig erfolgreich” ist, aber auch damit Erlöse zu machen. Die Journalisten müssen sich auch mit den „dramatisch verändernden Leser auseinandersetzen”, in die Untersuchung dieser wird sehr viel investiert. Der interessante Vortrag wurde mit einer Frage- und Antwortrunde beendet.

Der letzte Punkt des Tages war das Podiumsgespräch „Herausforderungen für den Journalismus im Östlichen Europa”, bei dem Heinrich Wefing weitere Fragen beantwortete, genauso wie Volker Weichsel, Redakteur  bei Osteuropaund Ulrike Gruska, Pressereferentin  von „Reporter ohne Grenzen“.

Mit einem Vortrag über „Trends und Entwicklungen im Online-Journalismus” eröffnete Nea Matzen, Redakteurin und Planerin beim Nachrichtenportal tagesschau.de den zweiten Tag des Treffens. Nicht nur die Leserschaft und ihre Lesegewohnheiten haben sich in den letzten Jahren geändert, sondern auch das Angebot der Journalisten. Matzen machte den Journalisten auch Mut, wieder im Netz längere Geschichten anzubieten, und nicht nur auf „Eine-Seite-Artikel” zu setzen, die in den  letzten Jahren besonders bei den Nutzern der sozialen Netzwerken beliebt war. Tatsächlich lebt Online-Journalismus auch von der Anzahl der Clicks, die die Seite hat, Qualitätsjournalismus kann man trotzdem anbieten.

Berichte aus den Redaktionen mit Schwerpunkt auf Online-Journalismus kamen von Dr. Rudolf Urban, Wochenblatt-Chefredakteur, Steffen Neumann, LandesEcho-Chefredakteur, Katrin Holtz, Budapester Zeitung-Redakteurin und Cornelius von Tiedemann, stellvertretender Chefredakteur der Onlineredaktion Der Nordschleswiger.

Tamina Kutscher stellte die  Nachrichtenplattform Dekoder  (https://www.dekoder.org) vor und sprach ebenfalls über  „Trends und Strategien im Online-Journalismus”. Der dekoderbringt „russische unabhängige Medien in hochwertiger deutscher Übersetzung” und veröffentlicht ausgewählte Analysen, Reportagen, Interviews und Kommentare. Kutscher stellte die Plattform seit der Gründung vor, das Zielpublikum, aber auch die Projekte der Mitarbeiter, durch die Dekoder finanziert wird oder auch langfristig werden soll.

Der letzte Abend der Tagung zog sich in die Länge, die Teilnehmer tauschten sich entspannt aus und versprachen zu versuchen, länderübergreifende Projekte  auf die Beine zu stellen, zugunsten der Leser.

Ruxandra STĂNESCU

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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