Lesereise als Geschenk

Die Autorin Iris Wolff las im Erasmus-Büchercafé

Ausgabe Nr. 2570

 

Iris Wolff bei ihrer Lesung im Erasmus-Büchercafé.
Foto: Beatrice UNGAR

Auf ihrer zehntägigen Lesereise durch Rumänien las die gebürtige Hermannstädter Autorin Iris Wolff im Erasmus-Büchercafé aus ihren Büchern „Halber Stein“ und „So tun, als ob es regnet“ am Dienstag der Vorwoche. Begleitet wurde sie auf ihrer auf Einladung des Österreichischen Kulturforums erfolgten Reise von ihrem Vater Helmut Wolff, einem ehemaligen Pfarrer aus Siebenbürgen, der die Facebook-Gruppe „Klatsch und Tratsch im Karpatenbogen“ betreut. In Hermannstadt dabei waren auch ihr Verleger und dessen Gattin vom Otto Müller Verlag Salzburg-Wien/Österreich.

 

Moderiert wurde die Lesung von der österreichischen Musikerin und Künstlerin Teresa Leonhard. Zu Beginn las sie aus Büchern von Herta Müller und Iris Wolff jeweils eine Szene vor, welche die siebenbürgische Landschaft beschreibt. Iris Wolff erzählte im Anschluss über ihre bisherigen Reiseerlebnisse. Das Geschenk dieser Lesereise seien die vielen Begegnungen mit fremden Menschen, welche selbst sehr spannende und interessante Geschichten zu erzählen haben, schwärmte sie. Eine Begegnung des Tages aus einem Hermannstädter Café sei auch zur Buchlesung gekommen, was sie sehr gefreut habe.

Sie begann mit ihrem ersten Buch „Halber Stein“, wofür sie sechs Jahre gebraucht hatte es zu schreiben, gestand sie. Gespannt hörten die Anwesenden Iris Wolff zu, als sie mit klarer und sanfter Stimme die Eindrücke der Protagonistin Sine über einen mit Silberadern durchzogenen Stein, den Silberbach in Michelsberg und einen großen halben Stein am Bachufer berichtete. Viel zu schnell endete die Szene und hinterließ den Drang noch mehr über Sine zu erfahren.

Leonhard fragte nun, welche Rolle Wolffs Umzug nach Deutschland in ihrem Schreiben spiele. Nach ihrem Studium hatte Iris Wolff angefangen, sich mit ihrer Herkunft auseinanderzusetzen. Im Alter von acht Jahren war sie mit ihrer Familie nach Deutschland ausgewandert, die Wehmut, welche, sie im ersten Buch niedergeschrieben hat, sei auch ein Teil von ihr selbst gewesen. Sie stellte für sich fest, was die Begriffe Heimat und Zuhause bedeuten. Zuhause können verschiedene Sachen sein, eine Person, ein Haus, finden jedoch sollte man es immer in sich selbst. Während die Landschaft, ein Geruch und sogar der Lichteinfall Heimat bedeuten kann, so Wolff. Diese Bilder und Eindrücke gab Iris Wolff auch diesen Abend an die Leser durch ihre Lesung weiter.

Iris Wolff: So tun, als ob es regnet. Roman in vier Erzählungen. Illustration: Mehrdad Zaeri. Otto Müller Verlag Salzburg-Wien, 2017. 166 Seiten, fester Einband. ISBN 978-3-7013-1250-4

Aus ihrem neuesten Buch, „So tun, als ob es regnet – Roman in vier Erzählungen“, las Iris Wolff drei Passagen vor. Das Buch ist in vier Geschichten gegliedert, welche eine Zeitspanne von 100 Jahren erfasst, vier Generationen einer Familie. Die erste Passage – für die Hans Carossas Rumänische Tagebuch“ den Impuls gegeben habe – spielt 1916 zur Zeit des Ersten Weltkrieges und handelt von einem Soldaten namens Jacob, die zweite Passage 1933 über Elemér und die dritte, die sie vorlas, über Vicco, einen Motorradfahrer um 1969.

Teresa Leonhard fragte dazu, was denn zuerst da gewesen ist, der Titel oder die Geschichte. „Es stand zuerst der Titel fest“, so Iris Wolff. Es sei noch nicht klar gewesen, was im Buch vorkäme. Am Anfang half eine Szene aus dem echten Leben, eine Person, an die man sich festhalten konnte und um die sie alles erfand. Planen könne man nicht, Iris Wolff orientiert sich beim Schreiben nach eigener Aussage an dem Unbewussten, der Inspiration und dem Zufall, bei dem die Worte einem in den Kopf kommen“ und an dem Bewussten, Entscheidungen zu treffen, die einem der „innere Kritiker“ vorgibt. Schreiben mache ihr viel Freude und sie finde interessant, wie aus dem Nichts eine schöne Geschichte entsteht. Sie schreibe über Vergangenheit und Gegenwart in ihren Büchern, versuche, nichts zu beschönigen, sondern darzustellen, wie es ist.

Iris Wolff überzeugte das zahlreiche und interessierte Publikum mit ruhiger, sanfter Stimme und ihren eigenen Eindrücken und erfreute ihre Leser an diesem Abend mit der Botschaft, dass sie bereits an ihrem vierten Buch arbeite, das wieder ins Banat führen werde.

Rebecca KOLBE

 

 

 

 

 

 

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