Frauenhaus eröffnet

20 Plätze für Frauen und Kinder in Not in Sf. Ana
Ausgabe Nr. 2515
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Im Rahmen des Projektes „Nu violenţei domestice” (Nein zu häuslicher Gewalt) hat das Hermannstädter Amt für Sozialassistenz und Kinderschutz (DGASPC) das Frauenhaus Sf. Ana in einer Ortschaft neben Hermannstadt eröffnet. Die Renovierungsarbeiten des Hauses mit 20 Plätzen hat knapp 306.000 Euro gekostet, die Finanzierung wurde von Norway Grants übernommen.

 

Das Frauenhaus verfügt über sechs Zimmer mit eigenem Bad, ein Wohnzimmer, ein administratives Büro mit Bad für die Angestellten. Bis zu 60 Tage kann eine Frau, die wegen häuslicher Gewalt aus der eigenen Wohnung geflüchtet ist, hier bleiben, die Zeit kann man verlängern, erklärte der Leiter des Hauses, Radu Faloba. „Es hat sich so ergeben, dass ein Mann dieses Frauenhaus leitet”, erklärte Laura Vîlsan, Direktorin des Amtes, und Radu Faloba sagte, er werde allerdings nicht die Frauen bei der Aufnahme ins Haus begleiten. Das werden die Angestellten des Hauses machen, beziehungsweise Psychologe und Sozialarbeiter, das Haus verfügt auch über einen Juristen und einen Fahrer.

Die weiteren Kosten nach Abschluss des Projektes im März d. J. werde der Hermannstädter Kreisrat übernehmen, erklärte der stellvertretende Kreisratsvorsitzende, Wiegand-Helmut Fleischer.

Häusliche Gewalt ist in Rumänien weiterhin ein großes Problem, aber auch ein Kavaliersdelikt, denn sobald das Opfer die Anklage zurückzieht, werden die polizeilichen Untersuchungen gegen den Angreifer eingestellt. 28 Frauen haben im Vorjahr Schutz beim Hermannstädter Amt gesucht, 62 Kinder sind auch zusammen mit ihren Müttern den Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen, 2015 waren es ein bisschen weniger, also 24 Frauen und 51 Kinder haben offiziell Hilfe verlangt.

In Hermannstadt kann man kostenlose Beratung im Fall von häuslicher Gewalt beim Amt für Sozialassistenz und Kinderschutz (Direcţia Generală de Asistenţă Socială şi protecţia copilului) telefonisch unter 0269-983 oder 0269-21.51.77 finden, aber auch bei den Sozialdiensten der Bürgermeisterämter im Kreis (Hermannstadt 0269-20.89.27, Mediasch 0269-84.65.17, 0269-44.82.52, 0269-44.82.54).

Im Fall von Gewalttaten soll man aber auch die Polizei einschalten, unter der Nummer 112, so kann man nämlich im Eilverfahren – das heißt in 24 Stunden – eine einstweilige Verfügung für Schutz vor häuslicher Gewalt erhalten. Seit neun Monaten wurde nämlich auch in Rumänien die Möglichkeit eingeführt, diese Verfügung zu erhalten, bei der der Gefährder sich der Frau und den Kinder nicht nähern darf, die gemeinsame Wohnung für maximal 6 Monate verlassen, seine Waffen abgeben und in Therapie gehen muss.

Vertreter der Frauenschutzorganisationen haben allerdings oft die Erfahrung gemacht, dass viele Männer diese Verfügung nicht einhalten, obwohl das eine Straftat ist. Deswegen reicht es nicht immer, dass der Mann die Wohnung verlässt, sondern die Frau muss samt Kindern eine andere Unterkunft finden.

Im Kreis Hermannstadt gibt es auch zwei private Frauenhäuser, das Frauenhaus des Frauenvereins in Hermannstadt, telefonisch erreichbar unter 0269-21.65.80 oder 0369-59.10.82, mit sieben Plätzen, und das Frauenhaus Estera mit 22 Plätzen in Mediasch, telefonisch erreichbar unter 0721-16.20.93.

Guten Rat, Unterstützung in den verschiedenen Verfahren und psychologische Assistenz für Frau und Kinder erhält man in Hermannstadt aber auch bei dem Verein für Freiheit und Geschlechtergleichheit A.L.E.G. (0369-80.18.08, 0753-89.35.31) und bei der Stiftung Edelweiss (0730-99.98.10).

Rumänien ist eines der Länder, das die Istanbul-Konvention unterzeichnet hat und sich somit verpflichtet hat, Maßnahmen für den Schutz von Frauen vor Gewalt anzubieten, wie Beratung, Information und das Bereitstellen von Schutzunterkünften in ausreichender Zahl (ein Frauenhausplatz pro 10.000 Einwohner).

Ruxandra STĂNESCU

Bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Frauenhauses.

 

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