Ayda ist nicht mehr „üzüntülü”

Kinderbuch „Ayda, Bär und Hase” von Navid Kermani im Hanser Verlag erschienen
Ausgabe Nr. 2516
 Ayda

Ayda ist ein fünfjähriges Mädchen, das zwar recht klein von Statur ist, allerdings für ihr Alter jede Menge kann: bis 32 rechnen, Rad fahren ohne Stütze und sich morgens alleine anziehen. Sogar zwei Sprachen spricht sie, Persisch und Deutsch, denn sie lebt mit ihren iranischen Eltern in Deutschland, genauer gesagt in Köln-Eigelstein.

Doch eins gelingt ihr nicht so gut, und zwar ihre Freunde Paul und Lisa aus dem Kindergarten zu überzeugen, dass sie kein „Knirps” mehr ist. Behandelt wird sie nämlich von ihnen genauso und darf beim Mitspielen bestenfalls Kind oder Hund sein, oft wird sie allerdings alleine gelassen.

Diese Einsamkeit macht sie oft „üzüntülü”, also betrübt, wie sie von Frau Özturk aus der türkischen Konditorei gelernt hat, bis sie eines Tages einfach wegrennt. Da lernt sie zwei neue und außergewöhnliche Freunde kennen, einen großen jungen Bären und einen kleinen älteren Hasen. Das sind alles Kinder (in Menschenjahren, natürlich), doch es ist schon wichtig, wer hier der Älteste ist.

Diese Freundschaft, die bis zum Schulanfang des Mädchens verfolgt wird, macht, dass Ayda manchmal noch üzüntülü ist, aber sie lernt dabei, dass manchmal Traurigkeit und Freude Hand in Hand gehen, und dass man an das Gute, das kommen wird, sehr fest glauben muss.

Die im Buch angesprochenen Themen sind sehr wichtig: Freundschaft, Toleranz und Akzeptieren anderer Kulturen.

Sehr schön ist auch eine Einführung der persischen Wörter im Buch, die die Leser mit dem Autor immer wieder üben, denn Ayda liest man eigentlich Âydâ (dunkles persisches Â, fast wie Oydo).

Auch der Aufbau des Buches erinnert an Tausend und eine Nacht, denn die vier Teile beginnen mit einem persischen Satz. Angepasst ist das Buch allerdings auch an das Leben in Köln und in Deutschland, denn Aydas Vater ist ein großer Fan des 1. FC Köln – obwohl die Mannschaft öfter verliert als gewinnt.

„Ayda, Bär und Hase” ist für Kinder ab sechs Jahren empfohlen, kann allerdings die Kinder in diesem Alter überfordern, sowohl sprachlich, als auch von der Anzahl der Erfahrungen her. Und eine Frage bleibt offen: Wenn es sprechende Bären, Hasen und Esel gibt (ein Namen für jeden wäre nicht schlecht gewesen, zumal die Menschen auch Namen haben, inklusive die Konditoreibesitzerin), warum soll es keine fliegenden Teppiche geben?

Um „taarof” (höflich) zu sein: Lieber Autor, das nächste Kinderbuch wird bestimmt noch besser. Nein, nicht „interessanter”, sondern besser.

Das Buch „Ayda, Bär und Hase” von Navid Kermani mit Illustrationen ist erhältlich im Buchhandel vor Ort, z. B. im Erasmus-Büchercafé.

Ruxandra STĂNESCU

 

Navid Kermani: „Ayda, Bär und Hase”. Mit Illustrationen von Karsten Teich. Hanser Verlag, fester Einband, 152 Seiten, ISBN 978-3-446-25481-7, ePUB-Format: ISBN 978-3-446-25639-2.

Posted in Aktuelle Ausgabe, Bücher.