„12 Apfelbäumchen für ein klares Wort“

Auftaktveranstaltung zum 500. Jubiläum der Reformation in Thorenburg
Ausgabe Nr. 2504
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Die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien war am 15. Oktober 2016 Gastgeberin der Veranstaltung „12 Apfelbäumchen für ein klares Wort“ in Thorenburg/Turda. Im Rahmen der geplanten Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum wollte man sich dabei an das Toleranzedikt, das am 13. Januar 1568 in Thorenburg beschlossen und erlassen wurde, erinnern. Wie man auch im Internet erfahren kann, fand der Siebenbürgische Landtag in Thorenburg mitten in einem konfessionell verfeindeten Europa statt. Es ging damals um die Schlichtung der bestehenden Streitigkeiten zwischen den Konfessionen. Wie oft bei solchen Landtagen, fanden harte theologische Auseinandersetzungen statt, doch zum Schluss kam man zu einem gemeinsamen Beschluss. Die drei Stände Siebenbürgens (die Adligen, die Szekler und die Sachsen) erreichten für das damalige Europa etwas Undenkbares: ein Toleranzedikt!

 

Begonnen hat die Festveranstaltung am 15. Oktober (auch als „nationaler Auftakt des Reformationsjubiläums“ ausgelobt) in der römisch-katholischen Kirche, Schauplatz des Ereignisses im 16. Jahrhundert. Aus Mediasch waren 8 interessierte Gemeindemitglieder dabei, in Begleitung des Pfarrerehepaars Hildegard und Gerhard Servatius-Depner. Schon bei der Ankunft waren wir von der reichen Anwesenheit der Ökumene sehr beeindruckt! Außer dem Gastgeber der Veranstaltung, Bischof Reinhart Guib, waren dabei und sprachen je ein geistliches Grußwort der Bischof der Reformierten Kirche Kato Béla, der Bischof der ungarischsprachigen Lutherischen Kirche Dezsö Adorjáni, der griechisch-katholische Bischof Florentin Crihălmeanu, der orthodoxe Bischofsvikar Iustin Tira, der unitarische Bischofsvikar Gyerö David, nicht zuletzt der Gastgeber der römisch-katholischen Ortskirche und -gemeinde György Ferenc. Wir Mediascher hatten den Eindruck einer historischen Einmaligkeit beizuwohnen – man höre und staune: in einer römisch-katholischen Kirche der Reformation gedenken! Dazu das Lied „Ein´ feste Burg ist unser Gott“ singen und das gleich in 3 Sprachen und von mehreren Konfessionen gemeinsam!

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Nach dem Schlusssegen gingen wir geschlossen durch die Altstadt zur reformierten Kirche. Auf einem kleinen doch geeigneten Platz vor dem Kircheingang wurde das 2. Apfelbäumchen gepflanzt (das 1. Apfelbäumchen wurde eine Woche davor in Ljubljana/Slowenien gepflanzt). Alle anwesenden Geistlichen, dazu der Präfekt des Kreises Cluj Gheorghe Vușcan legten Hand an und schaufelten mit, um das zarte Apfelbäumchen zu festigen. Von Martin Luther wird berichtet, wenn auch nicht historisch belegt, dass er einmal ausgerufen hätte: „Wenn ich auch wüsste, dass morgen die Welt untergeht, ich würde heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen!“ Nach der gemeinsamen Aktion wurden alle zu einem wärmenden Kaffee oder Tee mit Kuchen in den Gemeinderaum der reformierten Ortsgemeinde eingeladen. Anschließend fanden in der Kirche 4 Vorträge zum Thema „Toleranz“ statt, die von Pfr. Prof. Liviu Jiteanu (Römisch-Katholische Kirche), Prof. Dr. Sandor Kovacs (Unitarische Kirche, Pfr. Prof. Ioan-Vasile Leb (Rumänisch-Orthodoxe Kirche) und Pfr. Dr. Wolfgang Wünsch (Evangelische Kirche A. B. gehalten wurden.

Die Mediascher Delegation ist dankbar für dieses einmalige Erlebnis in Thorenburg und bewegt weiterhin in ihren Herzen die ausgesprochenen Gedanken und Wünsche. So denken wir dabei an die Worte des Karlsburger Pfarrers Gerhard Wagner, zugleich Seelsorger der kleinen Thorenburger evangelischen Gemeinde, der auf die Worte Martin Luthers Bezug genommen und in einer knappen und beeindruckenden Rede über das Sinnvolle unseres Handelns gesprochen hat, wenn Gott dabei im Auge behalten wird. So lohnt sich auf jeden Fall, immer zu Gott zurückzukehren („Es ist nie zu spät!“). Auch lohnt sich, immer zu vergeben, auch dafür ist es nie zu spät. Drittens: Gutes tun; es lohnt sich immer und es ist nie zu spät dafür! Auch die bewegten Worte des Präfektes Vușcan im Hof der reformierten Kirche haben uns gerührt, denn weder den Thorenburger selbst, noch den Bewohnern im Kreis Klausenburg noch darüber hinaus wird genug bewusst gemacht, was für einen großen Schatz wir besitzen: der gegenseitige Respekt zwischen unterschiedlichen Menschen eines Landes, die heilige Pflicht der Gottes- und Nächstenliebe.

Verbunden mit dem Thema „Gemeinschaft“ wird das 5. Apfelbäumchen in Mediasch im Rahmen des Großen Mediascher Treffens (11.-14. August 2017) gepflanzt werden. Schon hat das zarte Bäumchen aber Wurzel geschlagen, denn wir konnten in Thorenburg nochmals erleben, dass Gemeinschaft möglich ist, trotz bestehenden Unterschiede, die jedoch der Einheit nicht schaden, sondern sie gar verschönern und eben einmalig machen! Mehr Informationen zu diesem Ereignis und zu allen 12 Apfelbäumchen kann man auf der Internetseite unserer Kirche erfahren: http://www.12apfelbaeumchen.com.

Pfarrer Gerhard SERVATIUS-DEPNER, Mediasch

 

Foto 1: Die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien war am 15. Oktober d. J. Gastgeberin der Veranstaltung „12 Apfelbäumchen für ein klares Wort“ in Thorenburg/Turda. Unser Bild: Auf einem kleinen Platz vor dem Eingang der reformierten Kirche pflanzte Bischof Reinhart Guib (1. v. r.) gemeinsam mit Geistlichen anderer Konfessionen das zweite Apfelbäumchen.                        

Foto: Stefan BICHLER

 

Foto 2: Mit der Vernissage der vom deutschen Kulturforum östliches Europa zusammengestellten Ausstellung Reformation im östlichen Europa – Siebenbürgen“ begann am Donnerstag der Vorwoche die Tagung Siebenbürgische Akzente der Reformation in Geschichte, Kultur und Kunst“ im Teutsch-Haus in Hermannstadt. Mehr dazu in unserer nächsten Ausgabe. Unser Bild: Gastgeberin Gerhild Rudolf begrüßt die Anwesenden.

Foto: Fred NUSS

 

 

 

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