Wenig Schnee und viele Unfälle

Die Hermannstädter Bergretter waren seit Anfang des Jahres sehr oft im Einsatz
Ausgabe Nr. 2478
 
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Die steigende Anzahl von Touristen auf den Hermannstädter Skipisten führte seit Anfang des Jahres auch zu einer recht großen Unfallanzahl. Der wenige Schnee in den letzten Monaten war auch Schuld, dass die Anzahl um 22 Prozent gestiegen ist im Vergleich zu der gleichen Zeitspanne des Vorjahres, so Adrian David, der Chef des Hermannstädter Bergrettungsdienstes, der auch einige Tipps präsentierte für Touristen, die Ausflüge in der nächsten Zeitspanne planen.

108 Unfälle wurden in der Zeitspanne 1. Januar bis 18. April in den Bergen um Hermannstadt herum registriert, zwei Menschen sind ums Leben gekommen, erklärte Adrian David (unser Bild), Tendenz von Jahr zu Jahr steigend. Die meisten davon, 86 genauer gesagt, fanden auf Skipisten statt, besonders betroffen wurden sowohl Minderjährige, als auch Menschen über 30 Jahren.

Die große Anzahl der Skiunfälle ist nicht auf den Zustand der Pisten zurückzuführen, so David, auch wenn der wenige Schnee ein Problem war, weil dadurch die Skipisten schmaler waren, sondern auf die Urlauber selber: Vom unpassenden Equipment, fehlender Kondition, keine Skierfahrung und bis zu Alkohol war alles da. „In mehr als ein Drittel der Unfälle hatten die Touristen unpassendes Equipment, auch wenn es im Sportladen gekauft wurde, denn die Bergschuhe für den Sommer sollte man nicht im Winter benutzen. Da fehlt einfach eine Bergkultur, die dann zusammen mit Unerfahrenheit und fehlender Kondition zu Unfällen führen kann. Ein weiteres Problem ist der Alkohol: Die Touristen trinken in der Bar oder in den Hütten und wollen dann Sport treiben – besonders beliebt ist da der Snowboard.”

Apropos Snowboard, in einem der zwei Unfälle mit Todesfolgen kam ein ausländischer Extrem-Abfahrtsläufer ums Leben, als er aus dem Helikopter sprang. Im zweiten Unfall kam ein rumänischer Bergsteiger ums Leben, der gestolpert und in die Tiefe gestürzt ist. Auch da ist die Tendenz steigend, denn im Vorjahr ist in der gleichen Zeitspanne nur eine Person gestorben.

Dafür gab es in den Bergen keine Lawinenunfälle, im Vorjahr waren es noch sieben. Auch jetzt herrscht wenig Lawinengefahr am Bulea-See, Stufe zwei auf der europäischen Gefahrenskala für Lawinen. „Gerade jetzt sollte am Bulea-See der meiste Schnee liegen, irgendwo bei zwei Metern. Wir haben jetzt um die 80 Zentimeter Schnee, der größtenteils schon bis unten feucht ist, so dass die Gefahr nicht sehr hoch ist. Wir haben vor wenigen Tagen eine Lawine registriert, ohne Opfer, die Schneedecke ist bis zur Erde gebrochen – diese Art kann leider nicht vorhergesehen werden. Der Schnee schwindet hier aber auch ganz schnell, was eigentlich typisch für den Monat Mai ist.”

Der wenige Schnee bereitete nicht nur den rumänischen Pistenverwaltern Probleme: „Ich habe mit Kollegen aus Italien gesprochen, dort ist die Anzahl der Unfälle zum Teil bis zu 50 Prozent gestiegen, eben weil die Pisten schmaler waren und die Anzahl der Touristen gleich groß oder sogar größer.”

Richtig verärgert war der Chef der Bergretter allerdings nicht über die Touristen, sondern über die Profis, die den Boden der frisch gebauten Hütte vom Călțun zerstört haben: „Bis dort oben kommen im Winter eigentlich nur die Profis, und ich hätte von ihnen erwartet, dass sie einen minimalen Anstand haben und ihre Steigeisen ausziehen, bevor sie den ganzen Boden durchlöchern.” 150.000 Lei haben die Arbeiten an der Hütte gekostet, finanziell unterstützt durch den Hermannstädter Kreisrat und vom Innenministerium, denn die großen Bauteile mussten per Helikopter hinauf transportiert werden. „Wir müssen einfach leider per Video die Hütte beobachten”, machte Adrian David dem Ärger über seine Kollegen Luft. Dabei ist diese Notunterkunft genau für die Profis sehr wichtig und die Übernachtung ist für alle hier kostenlos.

Bis der Boden repariert wird, stehen den Bergrettern auch weitere Arbeiten bevor: „Unsere Patrouillen haben bereits eine lange Liste mit Arbeiten zusammengestellt, die wir in eigener Regie durchführen werden, damit die Trassen so sicher wie möglich sind und bleiben. Da haben wir aber auch einige Empfehlungen für Touristen, die in der nächsten Zeit einen Ausflug in den Bergen planen: In erster Linie sollten sie wissen, dass die Notrufnummer 112 ist, und sie sollten dabei ein Handy mit aufgeladener Batterie haben. Weil in den nächsten Wochen Regen und Nebel sehr wahrscheinlich sind, sollten sie auch Karte und GPS oder Kompass dabei haben. Es wäre gut, wenn die Touristen ihre eigenen Grenzen kennen und entsprechende Routen wählen. Man kann sich bei unserem Dienst über den Zustand der Wege und über das Wetter informieren, und man sollte sich immer Zeit genug lassen, so dass man nicht in der Nacht wandern muss. Außerdem sollte man passend für kaltes Wetter gekleidet sein, denn in der Nacht sind Minustemperaturen nicht ausgeschlossen und auch tagsüber haben wir selten mehr als 10 Grad Celsius.”

Nicht nur im Frühjahr, sondern auch im Sommer ist allerdings Vorsicht geboten, auch wenn die Salvamont-Patrouillen unterwegs sind. „Ich möchte mich bei den 16 Kollegen und sechs Volontären für ihre Arbeit bedanken”, erklärte Adrian David am Ende der Konferenz und wünschte auch dem neuesten Kollegen Erfolg.

Ruxandra STĂNESCU

 

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Tourismus.