Hat sich den Humor bewahrt

Hermann Schmidt feiert heute seinen 90. Geburtstag
Ausgabe Nr. 2475
 
 

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Heute, am 8. April 2016 feiert Hermann Schmidt, langjähriger stellvertretender Generalschulinspektor des Kreises Hermannstadt, von 1980 bis 1998 Direktor der Brukenthalschule und Ehrenbürger von Hermannstadt, seinen 90. Geburtstag. Die Hermannstädter Zeitung schließt sich den Gratulanten an.

1926 in Schirkanyen geboren, besuchte Hermann Schmidt das Georg-Daniel-Teutsch-Gymnasium in Schäßburg, legte nach dem Zweiten Weltkrieg die Maturaprüfung am Brukenthalgymnasium ab, studierte dann Geschichte in Klausenburg, wo er nach Studienabschluss als jüngster Oberassistent tätig war. 1952 kam er nach Hermannstadt, wo er bis 1958 an verschiedenenen Lyzeen mit deutschen Klassenzügen stellvertretender Direktor war. Von 1958 bis 1962 war Schmidt Direktor des Pädagogischen Lyzeums, danach (bis 1971) stellvertretender Direktor des Gheorghe Lazăr-Lyzeums und von 1971 bis 1980 stellvertretender Generalschulinspektor. Ab Mai 1980 bis Abschluss des Schuljahres 1997/1998 war Schmidt Direktor der Brukenthalschule.

Als solcher schaffte er es, 1980, mitten in der Diktatur, ein beeindruckendes Fest zum 600. Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung der Schule zu organisieren. Nicht nur diese Leistung ist in der Erinnerung der damaligen Schüler und Lehrer wach geblieben. Wach geblieben ist auch die Erinnerung an einen Schulmann, der streng sein konnte und zuweilen stur aber der auch Humor hatte und davon mehr als genug. Und der sich diesen Humor bewahrt hat. Dies können zahlreiche ehemalige Schülerinnen und Schüler bezeugen, die ihn in den letzten Jahren bei in Hermannstadt organisierten Klassentreffen erleben durften.

Stellvertretend für alle Gratulanten sollen zwei seiner Weggefährten zu Wort kommen. Es handelt sich zunächst um den verstorbenen Pädagogen und siebenbürgischen Schulhistoriker Prof. Dr. h. c. Walter König (1925-2015), der bei der Verabschiedung Schmidts in den Ruhestand am 12. Juni 1998 in der Aula der Brukenthalschule u. a. sagte: „Verdienste und Leistungen eines Menschen, auch die eines Lehrers, können immer nur gewürdigt und beurteilt werden im Verhältnis zu den Bedingungen und Möglichkeiten der Zeit – und es waren schwierige Zeiten, in denen Sie gearbeitet haben: Zeiten, in denen Gratwanderungen nötig waren, in denen es auch Demütigungen gab, die bei vielen Verwundungen und Narben hinterlassen haben. Ich habe in meinen Veröffentlichungen immer betont: Wir müssen zwischen einem System unterscheiden und dem, was Menschen trotz dieses Systems leisten. Und: Wir dürfen vom Ende der Ceaușescu-Ära rückblickend nicht alles einebnen. Es hat in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg auch Phasen eines (relativ) blühenden kulturellen Lebens gegeben, in dem die Schulen Zentren waren. Der Druck von außen und die ideologischen Zumutungen führten zu einem engen Zusammenhalt und zu einer intensiven pädagogischen Wirkung nach innen. Das wird in den Klassen- und Jahrgangstreffen deutlich. Die Schule hat wesentlich dazu beigetragen, dass die deutschen Schülerinnen und Schüler – auch in Zeiten, in denen ihre eigene Kultur und Geschichte im Lehrplan und in den Schulbüchern fast völlig unterschlagen wurde – ihre sprachliche und kulturelle Identität bewahren konnten. Und sie hat in Zeiten großer gesellschaftlicher Veränderungen ihren Schülerinnen und Schülern solide Grundlagen und Orientierungen für das Studium, den Beruf und das persönliche Leben vermittelt“.

Auch was der damalige Bischof D. Dr. Christoph Klein zum 80. Geburtstag des Jubilars am 8. April 2006 in seinem Brief geschrieben hat, ist heute noch gültig: „Es war besonders die Brukenthalschule, der Sie die längste Zeit Ihres Lebens gewidmet und die Sie zu einer Höhe geführt haben, von der sie heute noch lebt. Diese Verdienste hat man auch von anderer Seite vielfach und berechtigterweise gewürdigt, nicht zuletzt bei den Feierlichkeiten aus Anlass des 600-jährigen (1980) und auch des 625-jährigen (2005) Bestehens der Schule.

Wofür ich Ihnen in besonderer Weise danken möchte, ist die Tatsache, dass Sie in der schweren Zeit der atheistischen Ideologie während der kommunistischen Herrschaft in unserem Land die traditionelle Verbindung zwischen Kirche und Schule aufrecht erhalten haben, so gut das in jenen Jahren möglich war. Sie haben schon mit meinem verehrten Vorgänger Bischof D. Albert Klein und dann auch mit mir viele Fragen besprochen und uns damit die Möglichkeit geboten, am Geschick dieser Schule Anteil zu nehmen. Auch in Ihrem Ruhestand liegt Ihnen das Anliegen des Unterrichtswesens in den deutschen Schulen des Landes am Herzen, und Sie bringen Ihre langjährigen Erfahrungen weiterhin ein und bleiben damit eine der Persönlichkeiten, deren Namen unzertrennlich mit der Geschichte dieser Schule verbunden ist.“

Der Jubilar selbst arbeitet derzeit daran, was Prof. König ihm 1998 mit auf den Weg in den Ruhestand aufgetragen hatte: Er hatte Schmidt gewünscht, er möge auch Zeit haben, seine Erinnerungen aufzuschreiben, „subjektive Quellen, auf die die Schulgeschichte angewiesen ist.“ Die Redaktion der Hermannstädter Zeitung wünscht dem Jubilar das Gleiche und ist darauf gespannt.

Beatrice UNGAR

Hermann Schmidt in dem Direktorenzimmer der Brukenthalschule an seinem 70. Geburtstag im Jahr 1996.                                  

Foto: Fred NUSS

 

 

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