Einfach eine helfende Hand reichen

Ausgabe Nr. 2471
 

Die Autorin Karin Gündisch erhielt den diesjährigen Walburgapreis

 

„Von solchem Engagement lebt auch heute unsere Kirche", sagte Stadtpfarrer Zoran Kézdi in seinem Grußwort zum Kirchweihfest in der evangelischen Kirche in Heltau am Sonntag Lätare. Gemeint war das Engagement der 877 heiliggesprochenen Walburga (710-779/780), der die Einwanderer vor ca. 800 Jahren ihre Kirche geweiht hatten. In diesem Jahr gab es auch eine Preisträgerin. Den Walburga-Preis überreicht bekam die in Heltau geborene Schriftstellerin Karin Gündisch. Sie zog gemeinsam mit Stadtpfarrer, Bischof, Presbytern und Ehrengästen, allen voran Kirchenvater Ortwin Herbert mit dem vermutlich aus dem 12. Jahrhundert stammenden Vortragekreuz in die Kirche ein, in der herrliche Trompetenklänge eine feierliche Stimmung schufen.

 Nicht zum ersten Mal bei diesem Fest predigte Bischof Reinhart Guib. Diesmal hatte er laut eigener Aussage „einen Brief mitgebracht, der uns mit der ganzen Christenheit in der Welt verbindet und den Paulus an die Korinther geschrieben hat". Bischof Guib stellte fest: „Alle sind wir auf Trost und Ermutigung angewiesen. Auch unsere Kirche, die nach zwei gebrochenen Türmen vor schier unermesslichen Aufgaben steht." Walburga sei eine „tröstende Zeugin" gewesen, sagte Guib, so wie auch Karin Gündisch, „deren Kinderbücher uns in die Seele und das Leiden eines Kindes hineinversetzen und so manchen Kindern und Erwachsenen Trost und Ermutigung bieten. Es tut gut, solche Freunde zu haben, die treu mitfühlen, treu mitgehen und uns zeigen: Gott läuft nicht weg. Er sendet uns gute Freunde, die mit uns gehen. Er selbst steht und bei. Durch Trauer zur Freude."

Die Laudatio auf die am 5. April 1948 in Heltau geborene Karin Gündisch (damals Vulcănescu) hielt Stadtpfarrer Zoran Kézdi. Er schickte voraus, dass er wohl jemanden kenne, der viel geeigneter wäre, diese Laudatio zu halten: Seine Tochter Johanna, die einige Bücher der Autorin mit viel Freude gelesen habe.

Die Lebensbahn der Geehrten führte sie bald zum Studium der Germanistik und Romanistik zunächst nach Klausenburg und dann nach Bukarest. Hier arbeitete sie nach Abschluss des Studiums als Deutschlehrerin und auch bei den Publikationen Neuer Weg und Neue Literatur. Aus jener Zeit rühre die Freundschaft mit Rohtraut Wittstock her, die übrigens am Sonntag bei dem Walburgafest dabei war. 1980 debütierte sie mit dem Band „Didel und Düdel und andere Dingsgeschichten" und wurde 1984 für ihr Kinderbuch „Lügengeschichten" mit dem Rumänischen Kinderbuchpreis ausgezeichnet. Im gleichen Jahr wanderte sie mit ihrem Mann und den zwei Kindern nach Deutschland aus, wo sie für „Geschichten über Astrid" den Peter Härtling-Preis erhielt. Ihr Buch „Im Land der Schokolade und Bananen" (1987) wurde sie 1992 mit dem Kinderbuchpreis der Ausländerbeauftragten des Berliner Senats geehrt. 2002 erhielt sie den Mildred L. Batchelder Award für „How I Became an American" („Das Paradies liegt in Amerika. Eine Auswanderergeschichte", 2000), 2005 den LesePeter für „Cosmin". 2013 wurde sie zur Ehrenbürgerin ihrer Heimatstadt gekürt. Der am Sonntag verliehene Walburgapreis sei, so Stadtpfarrer Kézdi, „ein Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung für ihr literarisches Werk, durch das sie Heltau und Michelsberg über alle Grenzen hinweg bekannt gemacht" habe. Erstmals bei einer Preisverleihung habe sie ihre gesamte Familie begleitet, stellte Kézdi fest.

Die Ehrung sei für sie mit vielen Emotionen verbunden, sagte Karin Gündisch in ihrer Dankesrede, schließlich sei sie in der Heltauer Kirche getauft, konfirmiert und getraut worden. Andererseits habe sie auch die Distanz zu Heltau gebraucht, um zu schreiben. Aber nun „seit ich meine Sommer in Michelsberg verbringe, ist die Vergangenheit wieder Gegenwart geworden".  Karin Gündisch fragte auch, ob die tatkräftige Walburga auch heute ein Vorbild sein könne und gab zugleich zur Antwort: „Heute suchen viele Menschen in Europa ein rettendes Ufer. Walburga würde einfach mithelfen, als Lehrerin vielleicht".

Das von der Kirchengemeinde überreichte Preisgeld spendete die Geehrte der Kindertagesstätte Arche Noah in Heltau, die, so Gündisch, von Menschen betrieben werde, „die einfach eine helfende Hand reichen". Im Namen der Betreiber dankte Wieland Köber, der Geschäftsführer des Diakonischen Werks e. V.

Zum Abschluss des Festgottesdienstes richteten auch die Deutsche Konsulin Judith Urban und der Österreichische Honorarkonsul Andreas Huber Glückwünsche an die Geehrte. Alle Anwesenden konnten danach im Burghof bei Kaffee und Kuchen Karin Gündisch gratulieren.

Die Redaktion der Hermannstädter Zeitung schließt sich hiermit den Gratulanten an.

Beatrice UNGAR

 

Foto 1: Drei Walburgapreisträgerinnen unter sich (v. l. n. r.): Ingrid Buertmes (2014), Karin Gündisch (2016) und Ortrun Binder (2010).

 

Foto 2: Kurator und Vizebürgermeister Johann Krech, Karin Gündisch und Stadtpfarrer Zoran Kézdi bei der Preisübergabe (v. l. n. r.).                  

Fotos: die Verfasserin

 

 

 

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