Meschen – eine Dorfidylle

Ausgabe Nr. 2461
 

Autobiografisches Buch der Siebenbürgerin Maria Schotsch erschienen

 

„Nirgendwo auf der Welt scheint die Sonne so schön wie zu Hause!“. Mit diesem Satz eröffnet Maria Schotsch ihr Vorwort zu dem autobiografischen Buch „Wie lieb ich dich, mein Dörflein klein“, das dieses Jahr im Schiller Verlag Bonn-Hermannstadt erschienen ist. In dem Buch schildert die Autorin ihre Kindheit und Jugend, die sie in Meschen/Moșna verbracht hat.

 Das Buch liest sich leicht ohne Unterbrechung. Die Sprache ist einfach gehalten, als würde Maria Schotsch, geborene Henning, vor dem Leser stehen und erzählen. Oft spürt man beim Lesen die Nostalgie. Die Autorin flüchtet sich in Erinnerungen und beschreibt das Dorfleben, wie sie es in den 1930-er, 1940-er und 1950-er Jahren in Siebenbürgen erlebt hat. Die ganze Handlung spielt sich im sächsischen Dorf Meschen und dessen Umgebung ab. „Unsere Gegend war Hügelland mit dunklen Wäldern, an den Berghängen wuchsen Weinreben. Es war ein Gebiet, das von Weinbau, Ackerbau und Viehzucht bestimmt war“, heißt es im Buch gleich zu Anfang. Geschildert werden Traditionen und Bräuche der sächsischen Bauern, die schwere Arbeit auf dem Feld und auf dem Bauernhof. „Der Jahresablauf gleicht einem Zahnrad. Eine Arbeit greift in die andere und will rechtzeitig getan werden, um den lebensnotwendigen Ertrag zu erzielen; also ist der Bauer durch alle Jahreszeiten hindurch gefordert.“ Dazu beschreibt Schotsch die Landschaft und die Natur je nach Jahreszeit ziemlich genau.

Doch die glückliche, unbeschwerte Kindheit im idyllischen Meschen wird durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen, der nicht unbemerkt durch das sächsische Dorf zieht. Der Vater muss an die Front, überlebt den Krieg, wird jedoch gefangen genommen und nach Russland in ein Arbeitslager deportiert, wo er später seine letzte Ruhestätte findet. Es folgen die Enteignung und das Leben in den Nachkriegsjahren, „in denen die Kinder auf abgeernteten Feldern Ähren sammelten und auf den Äckern nach verstreuten Kartoffeln suchten, wenn es auch ein spärliches Ergebnis war, für Schweinefutter reichte es allemal“.

Den Bauernregeln widmet die Autorin ein ganzes Kapitel, denn „wenn man sie auch belächelte, war doch etwas Wahres daran, denn sie resultierten aus den Erfahrungen, die unsere Ahnen in Jahrhunderten gesammelt haben.“ Oft kommt es vor, dass die Autorin vom eigentlichen Thema ihrer Erzählung abkommt, um einem anderen Gedankengang zu folgen. Trotzdem verliert sie den roten Faden dabei nicht.

Das Buch endet mit einem kurzen Gedicht, das die Autorin selbst geschrieben hat und aus dem der Titel des Buches entstanden ist: „Friedlich liegt im Abendschein/das Tal zu meinen Füßen,/wie lieb ich dich, mein Dörflein klein,/mein Herz, es lässt dich grüßen.“

Die letzten elf Seiten sind mit Fotos und Skizzen von Meschen bebildert worden und helfen dem Leser, sich ein Bild von dem Dorf zu machen, ohne es je besucht zu haben.                           

Cynthia PINTER

 

Maria Schotsch: Wie lieb ich dich, mein Dörflein klein. Meine Jugend in Meschen im siebenbürgischen Weinland. Schiller Verlag Bonn-Hermannstadt, 2015, 274 Seiten. ISBN 978-3-944529-51-6

 

 

 

 

 

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