„Eine andere Welt“

2452

Gespräch mit dem Journalisten Thomas Wagner

 

Thomas Wagner war schon während seiner ganzen Laufbahn Journalist. Gegenwärtig ist er Korrespondent unter anderem für den Deutschlandfunk wo er bereits seit 1987 aktiv ist, Deutschlandradio oder Südwestrundfunk. Als Korrespondent war er auch schon in Russland, auf Haiti oder in China unterwegs, nirgends aber so regelmäßig wie in Rumänien. Thomas Wagner ist nämlich seit Dezember 1994 regelmäßig als Korrespondent in Temeswar tätig. Im Funkforum, dem Medienforum deutschsprachiger Redaktionen in Rumänien, Ungarn, Serbien und Kroatien ist er als Mitglied seit der Gründung 2001 dabei. Beim letzten Funkforum-Treffen in Szegedin Ende September sprach HZ-Redakteur Werner F i n k mit Thomas Wagner.

 Wann hatten Sie den ersten Kontakt zu Rumänien?

Im Dezember 1994 war ich das erste Mal da, um mich mit dem Thema „5 Jahre nach der Revolution” zu befassen. Ich fand es damals sehr interessant und seit dem komme ich regelmäßig wieder zurück.

Welches waren die spannendsten Themen, mit denen Sie sich in Rumänien befasst haben?

Spannende Themen gab es relativ viele. Das spannendste war letztes Jahr die Wahl von Klaus Johannis zum Staatspräsidenten. Wir haben ihn einen Tag lang begleitet als er in Temeswar war und haben mit ihm auch sprechen können. Es war schon spannend, weil ich ihn seit 14 Jahren kenne. Ich habe ihn 2000 als einer der ersten deutschen Journalisten befragt, als er in Hermannstadt Bürgermeister geworden war und dann war es interessant, wieder mit ihm zu sprechen, kurz bevor er Präsident wurde.

Dann haben wir aber auch sehr lustige Sachen gemacht. Zum Beispiel waren wir auf Spurensuche von Johnny Weiss-
müller, dem ersten Tarzan-Darsteller, und es war sehr lustig überhaupt mal das Haus zu finden. Dann haben wir völlig irre Geschichten gemacht: Vampire in Rumänien, also es ging um diesen Aberglauben. Wir waren zum Beispiel in Bocșa bei Reschitza. Leichen werden das Herz hier immer noch mit einer Nadel durchstochen. Es sind also sehr abwechslungsreiche, sehr vielfältige Themen, die wir da bearbeitet haben.

Hegen Sie eine gewisse Vorliebe für Rumänien?

Ich komme her, weil es Spaß macht. Ich müsste das ja nicht. Ich könnte genauso gut die Zeit in Deutschland verbringen und dort meine Berichte machen, was ich sowieso tue. Es ist aber immer ein bisschen Abwechslung, es sind immer andere Themen, es ist eine andere Welt hier,  es ist natürlich auch spannend zu sehen, wie sich das Land hier in den letzten 20-25 Jahren entwickelt hat. Es hat sich wahnsinnig viel getan. Nehmen wir beispielsweise Hermannstadt. Die Stadt habe ich zum ersten Mal im Frühjahr 1995 gesehen. Da war auf dem Großen Ring zwar alles sehr interessant und schön, aber alles ziemlich runtergekommen. Die Häuser sahen aus, als ob sie kurz vor dem Zusammenbrechen stünden. Wie es heute dort aussieht, wissen wir ja…

Also dieser Wandel, der relativ schnell von statten gegangen ist, der war für mich sehr beeindruckend und es macht natürlich auch Freude, über die einzelnen Stufen zu berichten und über die Auswirkung dieser Entwicklung auf die Menschen.

Welches ist Ihr aktuelles Thema?

Ich habe vor, nächste Woche eine Reportage darüber zu machen, was Rumänien über die Flüchtligsproblematik denkt. Wir wollen das nicht nur an Politikern festmachen, sondern an den Menschen, die hier leben, die hier in den Grenzregionen leben. Was passiert hier? Wir werden die Zeltlager, die es schon gibt, in Moravița besuchen. Wir wollen einfach Leute fragen in der Stadt, wie steht ihr dazu, wie nehmt ihr das wahr, was auch in Deutschland stattfindet. Das ist das Hauptthema, nächste Woche.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Anmerkung der Redaktion: Diese Woche arbeitete Thomas Wagner an dem Flüchtlingsthema in Deutschland weiter. Montag Nachmittag interviewte er eine junge Iranerin, die nach Deutschland geflohen ist und jetzt an der Universität Konstanz ein Biologiestudium beginnt. Am Mittwoch soll er die Einsatzzentrale „Lenkungskreis Flüchtlinge“ in Stuttgart besucht haben. „Das Thema lässt uns im Moment nicht mehr los“, schrieb Thomas Wagner nachträglich in einer E-Mail.

 

Thomas Wagner im SWR-Studio.                                                

Foto: SWR