Diskussion über die Zukunft des Ursulinenklosters
Ausgabe Nr. 2977

Zum Gespräch zwischen Emil Hurezeanu (links) und Robert Hanea war ein zahlreiches interessiertes Publikum eingetroffen. Foto: der Verfasser
Welche Zukunftsperspektive hat das ehemalige Ursulinenkloster? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Dialogs, welcher im Rahmen des siebenten Festivals für zeitgenössische Kunst (SCAF) im Hof eben dieses historischen Gebäudes in der Sporergasse am 11. September stattgefunden hat. Der neue Eigentümer Robert Hanea erläuterte, gemeinsam mit dem renommierten Diplomaten und Publizisten Emil Hurezeanu, Perspektiven und Grundsätze der öffentlichen Nutzbarmachung von Kulturerbe.
Hanea, der aus Heltau stammende Chef der weltweit agierenden Therme-Gruppe, hatte den leerstehenden Gebäudekomplex des ehemaligen Ursulinenklosters, in welchem bis 2010 das Pädagogische Lyzeum beheimatet war, erst kürzlich vom Römisch-Katholischen Erzbistum Karlsburg für 6,25 Millionen Euro erworben. Nun nutzte Hanea die Gelegenheit, der Öffentlichkeit in diesem besonderen Rahmen seine Zukunftspläne für das ehrwürdige Gebäude darzulegen.
Entschieden stellte er klar: Ein Hotel oder ein Bad einzurichten sei ausgeschlossen, denn es gäbe keine destruktivere Nutzung, als eine, von der die Öffentlichkeit ausgeschlossen sei. Hanea führte weiter aus, dass gerade ein solcher Ort, der seit 1474 existiert und von Beginn an ein Raum für Kultur und Bildung gewesen sei, weiterhin ein der Kunst, dem Kulturerbe und der Bildung gewidmetes Zentrum bleiben müsse.
Er betonte dabei, solch ein Gebäude könne keinen „Eigentümer“ haben, daher verstehe er sich vielmehr als „Hüter einer Sache“, welcher die Identitätslinie des Gebäudes auch in Zukunft weiterführen werde. Die Geschichte des Ortes verpflichte, dass dieser weiterhin der Öffentlichkeit Hermannstadts offenzustehen habe und man daraus mehr machen müsse als bisher geschehen ist, liege doch in jedem aufgegebenen Monument ein Verlust für die Gesellschaft.
Im Einklang betonte Emil Hurezeanu, solch ein restauriertes Kulturdenkmal müsse wieder ein „Ort voller neuen Lebens“ werden und erläuterte ferner die Rolle von Bildung und Kunst in der Gesellschaft von damals und heute.
Diesen tiefgreifenden theoretischen Ausführungen schloss sich eine detaillierte konkrete Darlegung Haneas an, wie er sich die Zukunft des Ursulinenklosters und den Weg dorthin vorstellt:
Der erste Schritt soll sein, in den nächsten Monaten ein internationales Expertenteam aus 50-60 Personen zusammenzubringen, welche sich jeweils in verschiedenen „Boards“ um Teilgebiete der Restaurierung und Konzeptierung kümmern werden. Renommierte Experten, wie der Direktor der Kunstmesse „Art Basel“ Marc Spiegler oder der Entwickler des High Line Parks in New York Robert Hammond, werden Teil dieser Arbeitsgruppe sein, mit Hilfe derer die Restaurierung und strukturierte Nutzbarmachung des Ursulinenklosters peu à peu in Angriff genommen wird.
Da der aktuelle Zustand der Bausubstanz als schwierig gilt, werde es nötig sein, rund 40 Millionen Euro zu investieren. Hanea sieht die Investition und die spätere Nutzung als eine entscheidende Zusammenarbeit von privaten Unternehmern und der Öffentlichkeit, um das gemeinsame Ziel zu erreichen.
Das Ziel sei, am Ende ein Zentrum einzuweihen, in dem Kulturerbe, Kunst und Bildung Raum finden und welches der Öffentlichkeit offensteht.
Einen Vorgeschmack dieser Vision konnte man zum Abschluss jenes Abends bereits erleben: Die Kunstausstellung im Rahmen des SCAF vereinte sich mit den musikalischen Klängen eines Streichquartetts aus Mitgliedern der Hermannstädter Staatsphilharmonie – Raluca Sfiriac (Violine), Alexandru Timilie (Violine), Terez Mihaly (Viola) und Titus Tincu (Violoncello) – zu einer einzigartigen Symbiose lebendiger Kultur.
Fabian LUTSCH
Weitere Veranstaltungen im SCAF 2026
Hermannstadt. – Weitere Veranstaltungen SCAF 2026: Am 25. September, gibt es einen Dialog mit Kunstschülerinnen und Schülern zum Thema Denkmal, am 1. und am 8. Oktober, jeweils ab 20 Uhr bietet Kuratorin Alexandra Runcan, Führungen durch die Ausstellung im Ursulinenkloster an und am 3. Oktober, 16 Uhr, führt Kuratorin Iris Ordean durch die Ausstellung „The Unfathomable of Persistence“ im Museum für zeitgenössische Kunst des Brukenthalmuseums in der Quergasse/Tribunei 6. (BU)