Finissage der Infrarot-Ausstellung in der Hermannstädter Synagoge
Ausgabe Nr. 2977

Bei der Finissage in der Synagoge sprachen Tiberiu Baruch, Beatrice Ungar, Daniel Cautnic und Luminita Mihai-Cioabă (v. l. n. r.).
Foto: Laurențiu PISTOL
Die Finissage der Wanderausstellung „Infrarot: Kommunismus aus der Perspektive der nationalen Minderheiten in Rumänien“ hat am Freitagabend, dem 18. September, in der Hermannstädter Synagoge stattgefunden. Die Veranstaltung wurde in Partnerschaft zwischen der Bonner Fachschaftsredaktion „Das Politicum“, der Hermannstädter Zeitung und der Jüdischen Gemeinde Hermannstadt organisiert. Eröffnet worden war die Ausstellung am 9. Juli d. J. im Spiegelsaal des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt und kam dann in die Synagoge. Die erste Station war ab 25. Juni in Bonn, nun wird die Ausstellung weiter wandern, u. a. nach Temeswar, wo sie am 13. Dezember im Beisein von Pfarrer László Tökes, der zu den Interviewpartnern gehört, eröffnet werden wird.
Den Auftakt bildete eine Podiumsdiskussion über die Erfahrungen der nationalen Minderheiten im Kommunismus. Drei unterschiedliche Perspektiven kamen dabei zu Wort. Tiberiu Baruch, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Hermannstadt und Gastgeber des Abends, sprach für die jüdische Minderheit und im Namen der Projektteilnehmerin Eva-Maria Carașcă, die aus gesundheitlichen Gründen fehlte. Luminița Mihai-Cioabă, Schriftstellerin und Vertreterin der Roma-Minderheit, sowie Beatrice Ungar, Chefredakteurin der Hermannstädter Zeitung und Vertreterin der deutschen Minderheit, vervollständigten die Runde.
„Wenn es um Gleichberechtigung ging, wurden wir als Minderheiten gleichermaßen behandelt. Wenn die Rechte der Ungarn oder Deutschen eingeschränkt wurden, wurden auch die Rechte der anderen Minderheiten eingeschränkt“, erklärte Ungar zu Beginn der Diskussion.
Im weiteren Gespräch ging es unter anderem um die persönliche Verfolgung von Luminița Mihai-Cioabă durch die Securitate, den Verkauf von Angehörigen der jüdischen Minderheit an den Staat Israel und die fehlende Pressefreiheit. Dabei wurde deutlich, dass die persönliche Erinnerung an den Kommunismus über Erfahrungen von Repression hinausgeht. „Am schönsten war es, dass meine Eltern am Leben waren“, sagte Cioabă.
Im Anschluss hatten die Gäste die Möglichkeit, den Rednern Fragen zu stellen und im Gemeinderaum die Gespräche in einer informellen Atmosphäre fortzusetzen.
Mit der Hermannstädter Station der Wanderausstellung wurde ein weiterer Schritt zur Verwirklichung des Projektziels „das Unsichtbare sichtbar zu machen“ getan. Dabei ging es nicht nur darum, wenig bekannte Erfahrungen der nationalen Minderheiten während des Kommunismus in Rumänien sichtbar zu machen, sondern auch darum, sich der eigenen Sichtweise bewusst zu werden und dadurch andere Perspektiven wahrnehmen und verstehen zu können.
Der Student Daniel Cautnic, der für das Projekt mit dem Initiativpreis der Universitätsgesellschaft Bonn ausgezeichnet wurde, wiederholte bei der Finissage, was er schon bei der Vernissage am 9. Juli gesagt hatte: „Ich lade Sie alle herzlich ein, mithilfe des Infrarots das Unsichtbare sichtbar zu machen – beginnend bei uns selbst.“
Anna DIETRICH