Streiflichter von musikalischen Angeboten im Sommer des Jahres 2026
Ausgabe Nr. 2973

Der Bukarester Organist Vlad Năstase bestritt das zweite Konzert des Orgelsommers an der Hahn-Orgel in der evangelischen Kirche Großau mit Werken von Dietrich Buxtehude, Johann Sebastian Bach und Georg Böhm.
Einmal als Musikliebhaber einen Sommer in Siebenbürgen zu verbringen ist kein Traum, sondern eine Empfehlung. Von Kronstadt bis Hermannstadt, von Bistritz bis Schäßburg, von Mediasch bis Großau und Michelsberg, in Deutsch-Weißkirch oder in Tartlau im Burzenland, allüberall gab es von Juni bis August in den evangelischen Kirchen bzw. Kirchenburgen Konzerte vom Feinsten. In einigen Orten wird noch bis in den September hinein musiziert. Durchgehend Konzerte gibt es z. B. in der Hermannstädter evangelischen Stadtpfarrkirche: jeden Freitag um 12 Uhr bei der musikalischen Andacht und am Samstag um 19 Uhr bei der Abendmusik. Im Folgenden bietet die HZ einen Versuch, in diese Klangwelten in Stadt und Land im Kreis Hermannstadt einzutauchen:
Schon zum dritten aufeinander folgenden Mal wird ein Orgelsommer in der evangelischen Kirche in Großau angeboten. Zum Auftakt konzertierte am 2. Juli das Collegium Musicum Brukenthal mit den Solisten Alex Potter (Countertenor) und Sophia Potter (Sopran), Felicia Graf (Barockvioline) und Thomas Friedländer (Zinkspieler). Das Repertoire enthielt neben Musik des Frühbarocks aus Italien und Deutschland auch lokale Musik aus Großau.

Das Berliner Vokalensemble „NE.o.N“ bei seinem Konzert in der Ferula der Hermannstädter evangelischen Stadtpfarrkirche zum Mittagsgebet.
Weitere vier Konzerte fanden im Zweiwochen-Abstand statt: Am 16. Juli hatte Vlad Năstase (Orgel, Bukarest) große Freude an dem Instrument, die sich auf das Publikum übertrug. Am 30. Juli waren es die Berliner Musiker Volker Jäkel & Gert Anklam (Orgel & Saxofon), am 13. August der Zeidner Organist Klaus Dieter Untch und gestern, Ekaterina Kofanova (Orgel, Bern). Das fünfte und letzte Konzert bestreiten am 10. September Brita Falch Leutert & Jürg Leutert (Orgel, Hermannstadt).
Im Anschluss zu den Konzerten boten die Organisatoren im Speckturm eine kleine Verköstigung mit geselligem Beieinander.

Irene Halter-Roth an der Martinsberger Orgel von Samuel Maetz in Hermannstadt/Ferula.
Die Konzertreihe wird vom Bezirkskonsistorium Hermannstadt der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, dem Gemeindeverband Neppendorf und der HOG Großau e. V. organisiert und vom Hermannstädter Kreisrat finanziell unterstützt.
Zehn Tage nach dem Start des Orgelsommers in Großau fand am 12. Juli das erste der insgesamt vier Konzerte im Rahmen der Reihe „Michelsberger Spaziergänge“ in der evangelischen Dorfkirche in Michelsberg statt. Das bekannte Klausenburger „Baroque Ensemble Transylvania“ machte seinem Namen Ehre. Das Ensemble besteht seit 1995 und wurde mit dem Ziel gegründet, Siebenbürgens Musik dem breiten Publikum nahezubringen. Seit 1999 widmen sich dessen vier Mitglieder – Zoltán Majó (Blockflöte), Mátyás Bartha (Violine), Ciprian Câmpean (Violoncello) und Erich Türk (Cembalo) – der historischen Aufführungspraxis mit Kopien historischer Instrumente. Des weiteren setzen sie sich auch für die Aufführung zeitgenössischer Kompositionen ein.

Die Berliner Musiker Volker Jaekel (links) und Gert Anklam traten zweimal in der evangelischen Stadtpfarrkirche in Hermannstadt auf.
Das zweite Konzert bestritt am 19. Juli das ebenfalls in Klausenburg ansässige „Quadrivium Quartett“ – Alexandru-Sebastian Erhan und Sára Tompa (beide Violine), Matei Petruș (Viola) und Dávid Szenkovics (Violoncello) – mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart und Claude Debussy.
Der Hermannstädter Gitarrenspieler und Musiklehrer Raul Răzvan Guțu entführte am 26. Juli das Publikum in die Welt der Solostücke für klassische Gitarre (die Hermannstädter Zeitung berichtete in der Ausgabe Nr. 2969/31. Juli 2026).
Im Anschluss fand die Vernissage der Ausstellung „Es war einmal… und ist noch immer. Eine Hommage an die Michelsberger Burg“ mit Fotografien von Barbara Niedermaier und Zweizeilern von Hans-Jürgen Moritz in der Alten Schule statt und dort gab es auch Kaffee und Hanklich, nicht wie sonst auf dem Pfarrhof.

Der Organist Wilhelm Schmidts und seine Assistentin, die Heltauer Stadtkantorin Cosmina Barna, an der Sauer-Orgel in Hermannstadt.
Das letzte Konzert in Michelsberg boten am 2. August Volker Jaeckel (Orgel) und Gert Anklam (Sopransaxophon) aus Berlin. Die beiden Musiker hatten im Vorfeld auf ihrer Siebenbürgentournee „Mit Orgel & Saxophon um die Welt“ in Klausenburg, Großau, Bistritz und Hermannstadt das Publikum begeistert. In Hermannstadt sogar zweimal. Zunächst im Rahmen der musikalischen Andacht am Freitagmittag, dem 31. Juli, und dann am darauffolgenden Samstagabend. Zu Gehör brachten sie eigene Kompositionen und für Orgel und Saxophon bearbeitete Werke von Astor Piazolla, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Edvard Grieg und Martin Luther.
Eine Ausnahme von der Regel der musikalischen Veranstaltungen in der Hermannstädter evangelischen Stadtpfarrkirche stellte der spontane Auftritt des semi-professionellen Berliner Vokalensembles „NE.o.N“ unter der Leitung von Anton Berron im Rahmen des Mittagsgebetes am Mittwoch, den 15. Juli, in der Ferula, dar. Der Auftritt war sozusagen eine Generalprobe für das Konzert des Ensembles am 16. Juli in der Kirchenburg Heltau. Auf der Facebook-Seite der Heltauer evangelishen Kirchengemeinde ist dazu Folgendes zu lesen: ,,Der Abend war schlicht mitreißend. Unter der Leitung von Anton Berron durchmaßen die zwölf Sängerinnen und Sänger fünf Jahrhunderte Chormusik, von der Polyphonie der Renaissance bis zu zeitgenössischen Klängen, mit einer Präzision und Wärme, die die ganze Kirche füllte. Die Stimmen fügten sich mühelos ineinander, und die Akustik der Kirche gab jedem Stück einen eigenen Klang“. Mit TERTIUM waren sie auf Tour von Berlin über Hermannstadt und Heltau bis nach Petersdorf bei Mühlbach, wo sie in der evangelischen Kirche am 18. Juli ein Konzert und am 19. Juli den musikalischen Teil des Gottesdienstes bestritten haben.

Dr. Gerald Fink an der Sauerorgel in der evangelischen Stadtpfarrkirche in Hermannstadt. Fotos: die Verfasserin
Die drei letzten der regelmäßigen Konzerte am Samstagabend in der Hermannstädter evangelischen Stadtpfarrkirche boten in chronologischer Reihenfolge die Schweizer Organistin Irene Roth-Halter an der Martinsberger Orgel mit Werken des Barock, der Bamberger Organist Wilhelm Schmidts an der Sauer-Orgel mit Werken u. a. von Hans Peter Türk, und der Herzogenauracher Organist und Komponist Dr. Gerald Fink mit Werken von Moritz Brosig und Josef Gabriel Rheinberger.
Beatrice UNGAR