Zum 15-jährigen Bestehen der Deutsch-Rumänischen Theologischen Bibliothek
Ausgabe Nr. 2967

Dr. Jürgen Henkel, Protosingel Dr. Ioan Popoiu und Dr. Dieter Brandes bei der Buchvorstellung im Erasmus-Büchercafé (v. l. n. r.). Foto: Beatrice UNGAR
Seit 2011 gibt es nun die Deutsch-Rumänische Theologische Bibliothek (DRThB), die im Hermannstädter Schiller Verlag erscheint und von dem bayerischen Pfarrer und früheren Leiter der Evangelischen Akademie Siebenbürgen (EAS) Dr. Jürgen Henkel ins Leben gerufen wurde. Seit 2016 erscheint die „Bibliothek“ als Buchreihe der ökumenischen Gesellschaft „Ex fide lux – Deutsch-Rumänisches Institut für Theologie, Wissenschaft, Kultur und Dialog“ aus Nürnberg, die ebenfalls von Henkel initiiert wurde. Die Buchreihe und das Institut wollen dem ökumenischen Dialog und theologischen Austausch zwischen Rumänien und dem deutschsprachigen Raum dienen.
Jüngst startete nun eine vom Institut „Ex fide lux“ in Kooperation mit verschiedenen Partnern organisierte Lesereise durch Rumänien zur Buchpremiere gleich zwei neuer Werke aus der Buchreihe im Hermannstädter Büchercafé Erasmus. Pünktlich zum Jubiläumsjahr erschienen gleich zwei Bände aus der Feder von Dieter Brandes und Protosingel Ioan Popoiu, die selbst Mitglieder des Instituts „Ex fide lux“ sind. Zudem präsentierte Jürgen Henkel die dritte Auflage der rumänischen Übersetzung seiner Doktorarbeit über Dumitru Stăniloae, die 2025 im Hermannstädter Verlag Deisis erschienen ist.
Der evangelische Theologe Dr. Dieter Brandes aus Villingen-Schwenningen ist Pfarrer der Württembergischen Landeskirche. Er leitete von 2004 bis 2010 das Projekt „Healing of Memories“ der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) und des Weltkirchenrats (ÖRK) in Rumänien und stellte sein daraus entstandenes Buch „Nationen, Kulturen und Religionen in Rumänien“ vor. Dabei handelt es sich um die von der Lucian-Blaga-Universität Hermannstadt 2022 angenommene Doktorarbeit zum Thema. Der Untertitel macht bereits deutlich, worum es dabei geht: „Ein Jahrtausend Verschiedenheit und Gemeinsamkeiten der Kulturen in der Trias Walachei-Moldau-Transsylvanien und Prozesse der Versöhnung zwischen Kulturen und Religionen“.
Brandes erklärte zu den Hintergründen seines Buches: „Bei dem Projekt, das in den historischen Regionen Rumäniens mit Seminaren, Workshops und Konferenzen durchgeführt wurde, präsentierten die verschiedenen Volksgruppen, Kirchen und Religionen ihre oft sehr unterschiedlichen bis gegensätzlichen Sichtweisen auf die eigene, die regionale und die landesweite Geschichte. Diese ist bis heute belastet durch Kriege, Konflikte und Spannungen zwischen Volksgruppen und Kirchen. Wobei es in Rumänien abgesehen vom militärischen Einsatz der Habsburger Truppen gegen orthodoxe Klöster und Kirchen im Rahmen der griechisch-katholischen Unionsbestrebungen keinen echten Religionskrieg gab.“
Die Idee zu „Healing of Memories“ in Rumänien nach dem Vorbild von Südafrika zur Aufarbeitung der Geschichte sei bei einer Versammlung der KEK in Trondheim 2003 entstanden, an der auch orthodoxe Theologen aus Rumänien teilnahmen. Führende Kirchenvertreter und Historiker aus allen historischen Kirchen Rumäniens und auch des Muftiats sowie der Jüdischen Kultusgemeinde seien bei „Healing of Memories“ in Rumänien beteiligt gewesen.
Zweiter im Bunde war der orthodoxe Priestermönch Protosingel Dr. Ioan Popoiu. Er wirkt seit vielen Jahren als Erzbischöflicher Kirchenrat an der Rumänischen Orthodoxen Metropolie für Deutschland, Zentral- und Nordeuropa in Nürnberg. Sein Buch „Heilige der rumänischen Lande“ porträtiert auf 403 Seiten in Kurzdarstellungen alle Heiligen, die in der Rumänischen Orthodoxen Kirche verehrt werden. Protosingel Ioan stellte Aufbau, Inhalt und Ziele des Buches vor, das Heilige von Märtyrern der Christenverfolgungen der Antike bis zu Bekennern und Märtyrern des Glaubens aus der Zeit des kommunistischen Diktatur porträtiert. Auch die 2025 heiliggesprochenen Männer und Frauen sind einbezogen.
Popoiu machte deutlich: „Das Buch trägt bewusst diesen Titel und nicht etwa „Die Heiligen Rumäniens“, weil diese Heiligen nicht alle Rumänen waren oder aus den Gebieten Rumäniens stammten.“ Paradebeispiel dafür ist die hoch verehrte Heilige Paraskeva, die in der Nähe von Konstantinopel geboren wurde. Er erläuterte die Unterschiede zum katholischen Heiligenverständnis, bei dem zur Heiligsprechung auch Wunder vorausgesetzt werden.
Das Buch hat eine spannende Vorgeschichte, erschienen doch viele der Porträts zuerst einzeln auf Englisch und wurden dann auf Spanisch gebündelt in Buchform veröffentlicht. Dieses Buch wurde dann ins Deutsche übersetzt und um Porträts aller bis 2025 kanonisierten Heiligen ergänzt. „Das Buch will in dieser Zusammenstellung dem deutschsprachigen Publikum die Heiligen der Rumänischen Orthodoxen Kirche und damit einen Schatz der Spiritualität unserer Kirche vorzustellen“, so der Priestermönch.
Pfarrer Dr. Jürgen Henkel wiederum zeigte sich erfreut, dass die rumänische Ausgabe seiner Doktorarbeit von 2002 über Dumitru Stăniloae in einer dritten Auflage vom Deisis Verlag neu herausgegeben wurde. „Meine Forschungsarbeit zu dem großen rumänischen Theologen erschien 2025 aus Anlass der Heiligsprechung Stăniloaes unter dem Titel „Îndumnezeire şi etica iubirii în ‚Spiritualitatea ortodoxă. Ascetica şi mistica‘ a părintelui Dumitru Stăniloae“ in einer sehr schön gestalteten Neuausgabe. Das zeigt, dass das Interesse daran immer noch groß ist. Das ist nach so vielen Jahren höchst erfreulich.“
Henkel dankte dem orthodoxen Theologen Professor Dr. Ioan I. Ică jun., der seine Dissertation 2002 ins Rumänische übersetzt hat. „Dumitru Stăniloae ist theologisch und geistlich ein Gigant der orthodoxen Theologie, gleichzeitig ist er als Bekenner in der Zeit des Kommunismus ein großer Zeuge des Glaubens, der uns bis heute viel zu sagen hat. Er steht für eine europäische Orthodoxie.“
Der frühere Leiter der Evangelischen Akademie Siebenbürgen zeigt sich bis heute begeistert von Theologie und der Methode des rumänischen Theologen: „Stăniloae zitiert in seinen Werken die Kirchenväter nicht nur als Beleg für seine eigenen Meinungen, sondern er tritt mit den Kirchenvätern in einen lebendigen Dialog, als wären sie Zeitgenossen. Er bezieht sich in seiner Argumentation außerdem immer wieder auf große Denker wie Maurice Blondel, Martin Heidegger oder Jürgen Moltmann und sogar den Schweizer Psychotherapeuten Ludwig Binswanger.“
Verleger Jens Kielhorn vom Schiller Verlag freute sich über die Buchpräsentation in seinem Büchercafé: „Es ist eine Premiere für uns. Eine dreifache Buchvorstellung hatten wir noch nie.“ Die weiteren Stationen der Lesereise bis zum 10. Juni fanden an den Orthodoxen Fakultäten der Lucian-Blaga-Universität Hermannstadt und der Ovidius-Universität Konstanza, im Museum der Metropolie Klausenburg sowie im deutschen Kulturzentrum Friedrich Schiller/Casa Schiller in Bukarest statt.
In Klausenburg würdigte Metropolit Andrei die Buchveröffentlichungen, in Konstanza nahm Erzbischof Teodosie von Tomis teil und begrüßte den theologischen Austausch. Die beiden orthodoxen Erzbischöfe betonten die jahrzehntelangen freundschaftlichen Beziehungen zu den deutschen Gästen, die Rolle der Metropolie für Deutschland, Zentral- und Nordeuropa als Brücke und Verbindung zwischen Heimatkirche und Diasporachristen sowie den Dialog zwischen den Kirchen.
Für die Buchreihe konnte Pfarrer Henkel namhafte evangelische, katholische und orthodoxe Theologen aus mehreren Ländern wie Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Metropolit Serafim von Deutschland, Zentral- und Nordeuropa, Bischofsvikar Dr. Daniel Zikeli von der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien. Zu den Gründungsherausgebern zählte auch der 2023 verstorbene Kirchenhistoriker Hermann Pitters aus Hermannstadt.
Smarand LIEBERFELD