Von außergewöhnlicher Strahlkraft

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,,Bukowina. Eine europäische Vielvölkerregion” von Mariana Hausleitner

Ausgabe Nr. 2963

Mariana Hausleitner: Bukowina. Eine europäische Vielvölkerregion. Deutsches Kulturforum östliches Europa 2026, 331 Seiten, ISBN 978-3-936168-96-9, 22 Euro.

Die Bukowina galt lange als eines der vielfältigsten kulturellen Zentren Osteuropas. In ihrem neuen Buch zeichnet die Historikerin Mariana Hausleitner die wechselvolle Geschichte dieser heute zwischen Rumänien und der Ukraine geteilten Region nach: Von ihrer Blütezeit als pluriethnischer Raum bis zu den Verwerfungen von Nationalismus, Krieg und Vertreibung im 20. Jahrhundert. Nach einer ersten Präsentation Ende April in Bukarest wurde der Band am 5. Juni auch in der Rumänischen Botschaft in Berlin vorgestellt.

Mit „Bukowina. Eine europäische Vielvölkerregion“ legt die deutsche Historikerin Mariana Hausleitner, geboren in Bukarest, eine ebenso kompakte wie eindrucksvolle Darstellung jener Region vor, die lange Zeit als „Europa im Kleinen“ galt. Die Bukowina, heute zwischen Rumänien und der Ukraine aufgeteilt, war seit dem späten 18. Jahrhundert Teil der Habsburgermonarchie und entwickelte sich über Jahrzehnte zu einem vielsprachigen und multiethnischen Raum, in dem Rumänen, Deutsche, Juden, Ukrainer, Polen und andere Bevölkerungsgruppen zusammenlebten.

Hausleitner, die seit Jahrzehnten zur Geschichte der Bukowina forscht, zeichnet die Entwicklung dieser Region vom Mittelalter, über den Eintritt in das Habsburgerreich bis zu den tiefgreifenden Umbrüchen des 20. Jahrhunderts nach. Besonders im Mittelpunkt stehen dabei die deutsche und jüdische Bevölkerung der Bukowina. Die Autorin beschreibt nicht nur politische Entwicklungen, sondern zeigt auch, wie eng Kultur, Sprache und Identität in dieser Region miteinander verflochten waren.

Immer wieder verweist das Buch auf die außergewöhnliche kulturelle Strahlkraft der Bukowina. Namen wie Paul Celan, Rose Ausländer oder Karl Emil Franzos stehen bis heute für die literarische Bedeutung von Czernowitz/Tscherniwzi, dem geistigen Zentrum der Region. Gerade diese Vielsprachigkeit und kulturelle Offenheit machen einen großen Reiz des Buches aus.

Gleichzeitig spart Mariana Hausleitner die dunklen Kapitel der Geschichte nicht aus. Mit dem Ende der Habsburgermonarchie, dem Übergang der Bukowina an Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg und dem Erstarken nationalistischer Bewegungen veränderte sich auch das Zusammenleben der Bevölkerungsgruppen grundlegend. Die Autorin schildert eindringlich, wie unterschiedliche Formen des Nationalismus zunehmend Spannungen erzeugten, vom rumänischen Nationalismus über den Zionismus bis hin zum aufkommenden deutschen Nationalismus des späten 19. Jahrhunderts, der schließlich im Nationalsozialismus und den größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte gipfelte.

Gerade darin liegt eine besondere Stärke des Buches: Der Historikerin gelingt es, die Geschichte der Bukowina nicht nur als regionale Geschichte zu erzählen, sondern als Beispiel dafür, wie fragil multiethnische Gesellschaften werden können, wenn Nationalismus und Ausgrenzung an Einfluss gewinnen. Gleichzeitig zeigt sie aber auch, welches kulturelle Potential in solchen vielfältigen Regionen steckt.

Die Autorin verbindet dabei wissenschaftliche Präzision mit einer gut lesbaren Darstellung. Das Buch richtet sich nicht ausschließlich an Fachhistoriker, sondern auch an Leserinnen und Leser, die sich allgemein für die Geschichte Ostmittel- und Südosteuropas interessieren.

Vorgestellt wurde der Band bereits am 29. April im Kulturhaus Friedrich Schiller in Bukarest. Gemeinsam mit der Germanistin Ileana-Maria Ratcu sprach Mariana Hausleitner dort über die Geschichte und kulturelle Bedeutung der Bukowina. Eine weitere Buchvorstellung fand am 5. Juni in der Botschaft von Rumänien in Berlin statt. Dort diskutierte Hausleitner gemeinsam mit den Historikern Sergij Osatschuk und Markus Winkler über die Geschichte der Bukowina und ihre Bedeutung für das heutige Europa.

Besonders eindrucksvoll bleibt nach der Lektüre eine Botschaft im Kopf: Die Geschichte der Bukowina zeigt, wie bereichernd kulturelle Vielfalt sein kann, aber auch, wie zerstörerisch Nationalismus wirkt. Gerade heute, in einer Zeit, in der nationalistische und rechtsradikale Narrative in der breiten Masse Anklang finden, liest sich Hausleitners Buch nicht nur als historische Darstellung, sondern auch als aktuelle Mahnung.

Das Buch kann in Hermannstadt in der Schiller-Buchhandlung und im Erasmus-Büchercafé bestellt werden.         Tobias JARITZ

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Bücher.