Neuer Band von Klaus Fabritius und Eduard Duldner
Ausgabe Nr. 2948

Klaus Fabritius (stehend) und Benjamin Józsa bei der informativen Buchvorstellung im Spiegelsaal des DFDH. Foto: Beatrice UNGAR
„Die Biodiversität im Park ist ein Indikator für die Gesundheit der Stadt” lautet der letzte Satz im Vorwort zu dem neuesten Band, den Dr. Klaus Fabritius und Eduard Duldner herausgegeben haben. Dabei handelt es sich um „Willkommene Gäste/Musafiri bineveniti”, ein Buch, das den sogenannten Kulturfolgern gewidmet ist. Was Kulturfolger sind, erläuterte der Diplom-Biologe Fabritius in bewährter Weise bei der Buchvorstellung, die am Mittwoch der Vorwoche im Spiegelsaal des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt stattgefunden hat.
Um zu den Kulturfolgern zu kommen, holte Fabritius ein wenig aus und erklärte zunächst was ein Ökosystem ist: „Eine Einheit zwischen dem Lebensraum, dem Standort (Biotop) und der Lebensgemeinschaft (Biozönose) in diesem Raum.” Der Mensch habe vor etwa 10.000 Jahren seinen Lebensraum immer mehr auf die ursprünglichen Lebensräume der Fauna und Flora ausgebreitet – es entstanden Dörfer, Städte, zuletzt Industriegebiete – und damit sogenannte Kulturflüchter geschaffen, Tiere, die aus diesen neugestalteten Räumen geflohen sind. Allerdings verblieben Tiere in den Siedlungen, Haustiere, aber auch spontane Mitglieder der neuen Lebensgemeinschaft wie da wären Schaben (Kakerlaken), Fliegen, Ratten.
Die Kulturfolger sind jene Tiere, die zurückkommen, nachdem die Bäume wieder gewachsen sind und der Mensch künstliche Lebensräume wie z. B. Parks angelegt hat. Klassische Kulturfolger, die von der umfangreichen Rodungstätigkeit des Menschen während des Mittelalters und den dadurch entstandenen Vegetationsformen profitierten, gehören neben heute häufigen Arten wie Feldhase, Feldmaus, Wildschwein, Steinmarder, Waschbär und Kohlweißling auch inzwischen wieder bedrohte Arten, deren Lebensraum durch die intensivere Landwirtschaft eingeschränkt wurde, wie z. B. Igel, Feldhamster, Rebhuhn, Wachtel, Feldlerche und Kiebitz. Auch von den typischen Arten der Bauernhöfe, wie Hausmaus, Fledermäuse, Rauch- und Mehlschwalbe, Schleiereule, Gartenrotschwanz und Stubenfliege, gehen heute einige in ihrem Bestand zurück. Ein typischer Kulturfolger ist auch die Rabenkrähe.

Klaus Fabritius/Eduard Duldner: Willkommene Gäste/Musafiri bineveniți, Honterus Verlag Hermannstadt, 2025, 84 Seiten, ISBN 978-606-008-197-5. Gedruckt mit der finanziellen Unterstützung des Departements für Interethnische Beziehungen und des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien – Regionalforum Altreich.
Zu den städtischen Kulturfolgern gehören ursprünglich fels- und höhlenbewohnende Arten, für die die Gebäude der Menschen „Kunstfelsen“ darstellen, wie Stadttaube, Mauersegler, Dohle, Turmfalke, Hausrotschwanz sowie Winkelspinnen und Große Zitterspinne, Arten wie der Haussperling, die im kühlgemäßigten Klima Gebäude als Witterungsschutz benötigen, bis hin zu Bewohnern beheizter Räume wie Stubenfliegen, Bettwanzen. Auch die Wanderratte ist eine typisch städtische Art. Recht junge Kulturfolger sind die Amsel, das Eichhörnchen und der Fuchs. Die Amsel ist z. B. erst seit 200 Jahren in Siedlungen heimisch. Bis dahin war sie ein scheuer Waldvogel.
Nun zurück zu dem Bildband. Dazu ist im Vorwort zu lesen: „Die meisten Bilder in diesem Album stammen aus dem Bukarester Herăstrău-Park. Der Stadtpark ist über 80 Jahre alt, hat eine Gesamtfläche von 184 ha (74 ha Wasser und 110 ha Land). Heute trägt er den Namen ‚Regele Mihai‚ (König Michael von Rumänien). Gegründet wurde der Park in den Jahren 1932-1937 nach der Begradigung der Colentina und der Einrichtung der Seenkette im Norden der Hauptstadt: Băneasa, Herăstrău, Floreasca. Bepflanzt wurde die Fläche zwischen dem Triumphbogen und dem See vom Gärtner Friedrich Rebhuhn.”
Nicht zuletzt ruft Fabritius alle auf, nicht zu vergessen: „Wenn wir mit offenen Augen im Stadtpark spazieren gehen, fehlt es nicht an Überraschungen!”
Beatrice UNGAR