„Dauerhafter Teil der Stadt werden“

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Fazit nach 100 Tagen: ,,Kornatelier“ hat schon viele Fans in Hermannstadt

Ausgabe Nr. 2976

Noah und Julius Fabini zeigen einige ihrer Produkte vor der Bäckerei am Zibinsmarkt.                                                                                       Foto: privat

„Kornatelier“ ist für viele Hermannstädter die einzige Bäckerei, wo sie Brot kaufen, obwohl Julius und Noah Fabini nur seit 100 Tagen beim Zibinsmarkt (neben dem Eingang der Siemens-Fabrik) ihre Werkstatt mit Verkaufsladen eröffnet haben, wo man die leckersten Sauerteigbrote kaufen kann. Die meisten Kunden haben sich schon nach der ersten Kostprobe überzeugen lassen und werden seitdem immer wieder mit neuen Produkten überrascht – das neuste Brot ist mit Honig und Sesam. Über ihre ersten drei Monate hier sprach Julius Fabini mit HZ-Redakteurin Ruxandra S t ă n e s c u.

 

Wie habt ihr begonnen? Hattet ihr eine Finanzierung oder habt ihr alles selbst finanziert?

Wir haben mit möglichst geringem finanziellen Aufwand nur gebrauchte Geräte gekauft und die ganze Renovierung wurde in Eigenleistung gemacht. Wir haben auch nur das genommen, was nötig war und beide unser eigenes Geld investiert. Wir haben Förderanträge gestellt und vielleicht geht noch irgendwann so eins durch, aber die Bearbeitungszeiten sind lang. Wir haben heute tatsächlich eine Rückmeldung bekommen und wenn alles gut läuft, erhalten wir eine Finanzierung.

Was wollt ihr damit machen?

Damit könnten wir die Kapazität steigern und ein paar Maschinen kaufen. Es würde sicher schön sein, wenn das Geld kommen würde, es ist aber keine Notwendigkeit.

Die Auswahl ist groß. Foto: privat

Bald seid ihr 100 Tage hier tätig. Wie ist es bisher gelaufen?

Es ist sehr gut angelaufen. Viele Leute sind neugierig am Anfang in den Laden gekommen und wir haben bereits viele Stammkunden gewonnen, die mehrmals die Woche kommen. Vieles war schöner und besser, als wir es erwartet haben. Stromausfälle, schlechtes Wasser und generelle Infrastrukturprobleme in der Stadt machen uns ziemlich zu schaffen und werfen uns immer wieder nach hinten.

Welche waren eure Erwartungen, als ihr eröffnet habt?

Generell hatten wir keine großen Erwartungen und waren darauf eingestellt, dass wir sehr schnell lernen müssen, uns auf dieses Umfeld einlassen zu müssen, und haben unser Konzept deswegen offen gelassen. Zu unserer Überraschung haben wir ganz gut den Nerv getroffen und es sind recht viele Leute gekommen. Wir mussten gar nicht so viel verändern.

Was war das größte Problem bis jetzt?

Das größte Problem war von Anfang an die schwache Stromversorgung. Wir mussten einen Ort finden, mit 100 kW, was wir für die Bäckerei brauchen, bekommen können, aber der Stromversorger hat zwischen zwei und fünf Monate gebraucht, um uns zu sagen, ob wir an einem oder anderem bestimmten Ort das haben. Natürlich waren diese Objekte in der Zwischenzeit an andere Leute vermietet worden. Wir haben dieses Problem gelöst, indem wir uns der Siemens-Fabrik angeschlossen haben, die eine gute Stromversorgung hat. Das jetzige Problem ist, dass immer wieder Stromausfälle sind und dann unsere Produktion still steht, beziehungsweise wenn es zu lange andauert, die ganze Produktion kaputt geht. Wir hatten an einem Freitag Stromausfall und einen Verlust von knapp 1.700 Euro, weil wir auch am Samstag schließen mussten und die Croissant-Produktion für die ganze Woche dahin war.

Was war am schönsten bisher?

Die schönste Sache ist erstens die Beziehung zu meinem Bruder, dass wir das gemeinsam machen und es funktioniert. Wir haben eine Lebensperspektive für uns beide eröffnet. Das würde ich als absolute Nummer eins stellen. Nummer zwei ist der Kundenkontakt. Wir sehen, dass unsere Produkte sehr gut angenommen werden.

Wer sind eure Kunden?

Das sind sehr unterschiedliche Kundengruppen. Es sind viele Familien aus der Stadt, hauptsächlich Rumänen, die mehrmals die Woche Brot kaufen. Das sind unsere besten Kunden. Dann sind es ältere Herrschaften, die hier leben und natürlich ein bisschen weniger konsumieren, aber sehr regelmäßig kommen. Und dann sind natürlich auch Touristen, die vorbei schlendern und auch die Siemens-Angestellten aus dem Gebäude. Einige von ihnen kommen recht regelmäßig, trinken einen Kaffee und essen eine Focaccia.

Habt ihr Zukunftspläne?

Auf jeden Fall wollen wir die Produktion steigern und ein bisschen ausbauen. Sehr cool wäre es, dass wir alles so organisieren können, dass einer von uns beiden mal eine Woche in den Urlaub fahren kann. Wie wir genau dorthin kommen, ist ein bisschen unklar, aber wir müssen Leute anlernen und schauen, dass die Qualität nicht absinkt.

Wer arbeitet da?

Mein Bruder und ich sind jeden Tag da. Dann haben wir einen Angestellten, Alex, der ist Koch und lernt jetzt das Backen. Er ist sehr engagiert und spricht auch Deutsch. Er hilft auch im Verkauf, wenn ich mal liefern muss. Dann ist Simona, die ab 14 Uhr kommt, sich um den Ladenschluss, den Abverkauf der letzten Produkte und die Sauberkeit im Geschäft kümmert. In der Kombination zu viert ist es schon sehr viel angenehmer geworden, weil ich dann auch ein bisschen Organisatorisches und Logistisches mit mehr Ruhe machen kann.

Alex hilft auch beim Bedienen der Kunden. Foto: privat

Wie sieht euer Tag aus?

Noah ist um 4.15 Uhr in der Bäckerei, mit Alex gemeinsam, und sie beginnen zu backen. Ich komme um 6.30 Uhr rein und bereite hier alles vor für den Verkauf und da kommen schon die ersten Kunden. Dann läuft das Backen weiter bis um 11-12 Uhr, dann geht Noah sich ausruhen, und ich bleibe hier bis 14-15 Uhr und kümmere mich um Einkauf, Buchhaltung, Marketing und alles drumherum. Um zirka 18 Uhr komme ich nach Hause, wir essen abends und Noah geht schon paar Stunden vor mir schlafen, eher so um 20 Uhr und ich um 21.30 Uhr. Und dann geht das Ganze von vorne noch mal genauso los. Der Unterschied zwischen dem Programm von Noah und mir ist, dass ich manchmal Montag frei habe und er immer Montag auch arbeiten muss. Ich arbeite ein bisschen länger, aber er dafür sechs Tage die Woche.

Warum habt ihr Erfolg mit euren Produkten? Was verkauft sich am besten?

Wir haben eine relativ diverse Produktpalette, vom einfachen Sauerteigbrot, wie Toast- und Maisbrot, bis zum dunkleren Vollkornbrot. Wir haben jeden Tag eine ein bisschen andere Konstellation. Am Dienstag haben wir das Zwiebelbrot, das sehr gut läuft. Auch die Sauerkruste zieht sehr viele Leute in den Laden an, weil sie sehr interessiert daran sind und die Rumänen sind große Krautliebhaber, aber die meisten kannten das Brot mit Sauerkraut nicht.

Testet ihr auch neue Produkte aus?

Die ganze Zeit. Wir haben unsere Produktpalette stetig erweitert, wir probieren und schauen, was der Markt möchte. Wenn wir was Neues einführen, ist die Neugier am Anfang sehr groß und nach einer Zeit sieht man, ob es sich bewährt und die Leute auch weiter kaufen.

Fazit nach 100 Tagen?

Es waren tolle 100 Tage und es war sehr sehr spannend. Ich bin sehr gespannt, was die nächsten 100 Tage bringen werden. Ich danke der Stadt und den Leuten hier, die uns so herzlich aufgenommen haben und uns so oft besuchen kommen und offen für Neues sind. Es war sehr sehr cool und ich hoffe, dass diese Neugierde und Anfangsbegeisterung anhält und wir dauerhaft Teil dieser Stadt werden.

Herzlichen Dank und Glückwunsch.

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Gastronomie.