Das 22. Hermannstädter Treffen in Dinkelsbühl
Ausgabe Nr. 2976

Der Chor Cantores Cibiniensis unter der Leitung von Michael Gewölb.
Fotos: Herbert HOREDT
„Heimat ergänzt – hier und dort” war das vielsagende Motto des 22. Hermannstädter Treffens, das vom 4. bis 6. September in Dinkelsbühl, der „schönsten Altstadt Deutschlands” stattfand. Es bot auch diesmal den Hermannstädtern „hier und dort” eine wunderbare Gelegenheit zu Wiedersehen und Begegnung, interessanten Gesprächen und kulinarischer Verwöhnung.
Am Freitag, den 4. September, fand die Mitgliederversammlung der Heimatgemeinschaft der Hermannstädter (HdH) unter der Leitung ihres Vorstands statt, der dieses Treffen immer organisiert. Dazu gehören: Dagmar Zink (Vorsitzende), Maria Bauer (1. Stellvertretende Vorsitzende und Schatzmeisterin), Pia Klubitschko (Mitgliederverwaltung und 2. Stellvertretende Vorsitzende), Gerlinde Schuller (Schriftführerin), Beisitzer: Antonia Gallotsik, Corina Driftmeier, Brigitte Kräch; Vorstandsersatzmitglieder: Bettina Sander, Hans Paul Körner, Jürgen Günster.

Gabriel Tischer, Vorsitzender des DFDH, bei seiner Ansprache.
Der Festakt am Samstag, den 5. September, im feierlich geschmückten und voll besetzten großen Schrannensaal wurde vom Chor „Cantores Cibiniensis” unter der Leitung von Michael Gewölb eröffnet, der mit wunderbaren Madrigalklängen die Zuhörer verzauberte und viele von ihnen an die Kammerchorzeit unter Kurt Scheiner in der Brukenthalschule erinnerte. Mit weiteren musikalischen Einlagen zwischen einzelnen Reden ergötzten das Cello-Duo Georg Ongert und Volker Potoradi mit dem Allegro von F. A. Kummer sowie Andrei Preda, Preisträger des „Carl Filtsch”-Wettbewerbs, mit seinem einfühlsamen Klavierrezital mit Werken von Chopin und Schumann die Ohren der Zuhörer.
Wärmstens begrüßte die HdH-Vorsitzende Dagmar Zink alle Gäste und hieß besonders die Ehrengäste herzlich willkommen: Nora Engelhard, Bürgermeisterin Dinkelsbühl sowie Dr. Paul-Jürgen Porr, Vorsitzender des Deutschen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR), Gabriel Tischer, Vorsitzender des Deutschen Forums der Deutschen in Hermannstadt (DFDH), Paul Kuttesch, stellvertretender Kreisratsvorsitzender und DFDH-Vorstandsmitglied, Sebastian Arion, DFDH-Kulturreferent – die vier aus Hermannstadt zum Treffen eingeladenen Gäste – ebenso Herta Daniel, Ehrenvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, Werner Kloos, Stellvertretender Bundesvorsitzender des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Dorith Wegmann, Vorsitzende des Freundeskreises Landshut – Sibiu/Hermannstadt, Dr. Kurt Thomas Ziegler, Obmann der Siebenbürger Sachsen in Wien. Dagmar Zink wies auf die zeitliche und örtliche Unbegrenztheit von Heimat hin, die man „in sich trägt“, der man auch in veränderten Lebensräumen neue Perspektiven schenken kann. Man kann seine Heimatgefühle im Laufe des Lebens ergänzen und die Verbindung zu ihr auch über Zeit und Raum hinweg neu entdecken und stärken.

Dagmar Zink bei ihrer Begrüßungsrede.
Nora Engelhard, die Bürgermeisterin Dinkelsbühls, inzwischen eine Kennerin und Bewunderin Hermannstadts und seiner kulturellen Vielfalt, zeigte sich in ihrer Rede froh und stolz über die jahrelange innige Verbindung der beiden Städte und gab ihrem Dank, an dem Treffen dabei zu sein, Ausdruck.
Da Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, nicht dabei sein konnte, überbrachte Herta Daniel sein Grußwort. Er bekräftigte darin, dass sich das Motto in seiner verbindenden Aussage bewahrheite, dass durch Wertschätzung der Geschichte, Brauchtumspflege der siebenbürgisch-sächsischen Identität und Jugendarbeit im Sinne ihrer Weitergabe an die nächste Generation alle Hermannstädter – hier und dort – Brücken bauend das kulturelle Erbe sichern können.
Gabriel Tischer, Vorsitzender des DFDH, bekannte sich in seiner Rede zur Heimat, der keine Grenzen gesetzt werden müssen. Sie ist lebendig durch die Menschen, die sie in sich haben, mitnehmen und ergänzen können, in der Verbundenheit miteinander, denn: „Entscheidend ist nicht, wo wir uns treffen. Entscheidend ist, dass wir uns treffen.“ Die Erinnerung solle einerseits bewahrt werden, doch die Neugier auf das neue Hermannstadt, das Interesse an seiner Entwicklung mögen immer wach bleiben.
Auch Werner Kloos stimmte in seiner Ansprache der besonderen Bedeutung des diesjährigen Mottos zu. Er teilte mit dem Publikum seine tiefen Eindrücke anlässlich einer Familienreise, die ihn in Hermannstadt die ehemals gelebten Bräuche wieder erleben ließ – unter dem dankbaren Eindruck der empfangenen Gastfreundschaft.
Seitens des HOG-Verbands stellte Maria Bauer eine der „schönsten Aufgaben“ des Verbands in den Vordergrund: Anerkennung, Dank und Ehrung für „großes persönliches Engagement und viel Herzblut für die Gemeinschaft der Hermannstädter“ wurde Dagmar Zink durch die Übergabe der Goldenen Ehrennadel zuteil.
Dorith Wegmann wies in ihrer Ansprache auf die enge, von Klaus Johannis gegründete und von Astrid Fodor weiter geförderte Städtepartnerschaft zwischen Hermannstadt und Landshut hin. Diese wird im kommenden Jahr ihre Silberhochzeit zelebrieren und mit der berühmten „Landshuter Hochzeit” ein besonderes Ereignis sein, das im Herbst 2027 im Rahmen eines Mittelalterfestes in Hermannstadt gefeiert werden soll.

Ricky Dandel rockte den Schrannensaaal.
Dr. Thomas Ziegler überbrachte mit dem Gruß der Wiener Landsleute seine Anerkennung für die fortschrittliche Entwicklung seiner geliebten Heimatstadt und schätzte die erfolgreichen Bemühungen ihrer Einwohner und ihrer Förderer die Stadt in ihrer mittelalterlichen Pracht erhalten und neu belebt zu haben.
Die Festrede zum Hermannstädter Treffen von Dr. Paul-Jürgen Porr (siehe dazu Hermannstädter Zeitung Nr. 2975 vom 11. September 2026) ging vom Heimatbegriff aus, der sich als ursprüngliche Bindung bildet, doch sich angesichts der Dialektik des Lebens an Veränderung anpassen und ergänzen lässt.
Hannes Höchsmann trug abschließend seinen Sketch „Oma und KI“ vor; darauf begab man sich in den mit Mici und süßem Nachtisch wartenden Schrannenhof, um sich bei Sonnenschein in unterhaltsamen Freundesgruppen zusammenzufinden.
Ein besonderes Highlight des Treffens waren die in den Ausstellungsräumen des Spitalhofs gebotenen Werke der eingeladenen Künstler: Malerei von Barbara Niedermaier mit poetisch einfühlsamer Nuancierung, von Gert Messmann mit farbintensiver Vitalität, von Karl Nik Voik mit stimmungsvollen heimatlichen Landschaften; originelle Plastiken von Hanne Plattner und liebliche blau-weiße Keramik von Ursula Hergesell.

Dagmar Dusil (Hrsg.): Gesichter Hermannstadts. Lebensbilder aus Geschichte und Gegenwart. Pop Verlag Ludwigsburg 2026, Reihe Fragmentarium, Bd. 35, 505 Seiten, ISBN 978-3-86356-445-2, 240 Lei. In Hermannstadt liegt das Buch in der Schiller-Buchhandlung und im Erasmus-Büchercafé auf.
Im Foyer der Schranne betreute Heini Höchsmann einen zu Ansicht und Verkauf gestellten Büchertisch, auf dem die ersten Exemplare der vierten von Dagmar Dusil (Zink) herausgegebenen Anthologie „Gesichter Hermannstadts. Lebensbilder aus Geschichte und Gegenwart” erworben werden konnten. Dazu fand am Nachmittag eine von der Herausgeberin geleitete und vielversprechende Buchvorstellung statt, bei der einzelne anwesende Autoren zu ihren Beiträgen interessante und zum Lesen verführende Worte sprachen.
Das Wiedersehen und Wiederhören der „Lidertrun” mit Hans Seiwerth, Michael Gewölb, Karl Heinz Piringer, Angela Seiwerth und ihren abwechslungsreichen, stimmlich wie instrumental vollendeten Liedern, mit einem Bogen aus dem Elfenland, über den Minnegesang bis zu den Siebenbürgern versetzte das in Höchstzahl anwesende Publikum in mitsingende, Beifall klatschende Begeisterung.
Last but not least, war es wieder unser Ricky Dandel, der den Schrannensaal zum Abschluss des Festtages bis in die frühen Morgenstunden des Sonntags rockte und die zahlreichen Ballgäste nach dem genossenen Buffet zum Tanzen zur flotten Oldie-Musik verlockte.
Der Heimatgottesdienst am Sonntag, den 6. September, mit Pfarrer Michael Gross in der Dinkelsbühler Heilig-Geist Kirche brachte den Abschied der Hermannstädter von hier und dort, mit der Hoffnung auf ein nächstes Wiedersehen, mit ergänzenden Eindrücken…
Brigitte KRÄCH