Hoffnung auf Versöhnung

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Volkstrauertag in Hermannstadt begangen

Ausgabe Nr. 2939

Vizekonsul Sven Kunert bei der Niederlegung eines Kranzes am Denkmal des unbekannten Soldaten.         Foto: Deutsches Konsulat Hermannstadt

Der Volkstrauertag wurde auch in diesem Jahr in Hermannstadt auf dem deutsch-rumänischen Soldatenfriedhof begangen. So organisierte am 18. November das Konsulat der Bundesrepublik Deutschland in Hermannstadt gemeinsam mit der Nicolae-Bălcescu-Bodentruppenakademie Hermannstadt ein gemeinsames Gedenken und eine Kranzniederlegung. In diesem Jahr bestritten Vertreter der rumänisch-orthodoxen Kirche, der griechisch-katholischen Kirche und der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien die Andacht. Dieser Tag dient in der Bundesrepublik Deutschland traditionell dem Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

Die Rede von Konsulin Wiebke Oeser verlas Vizekonsul Sven Kunert, der auch einen Kranz im Namen des Konsulats niederlegte.

Lesen Sie im Folgenden die Rede im Wortlaut:

Anlässlich des Volkstrauertages, der in Deutschland am vergangenen Sonntag begangen wurde, kommen wir auch in diesem Jahr hier auf dem deutsch-rumänischen Ehrenfriedhof zusammen, um der Gefallenen der Weltkriege, der Kriegsveteranen und der Opfer der Weltkriege zu gedenken.

In diesem Jahr, 80 Jahre seit dem Ende des zweiten Weltkriegs, geht der Blick an diesem Volkstrauertag vor allem in diese schreckliche Vergangenheit vor 80 Jahren mit bis zu 80 Millionen Toten und schier unermesslichen Schrecken.

Diese Vergangenheit wirkt bis zum heutigen Tag: Transgenerationale Traumata sind bis heute gegenwärtig. Auch heute werden noch Umbettungen Gefallener durchgeführt. Viele Opfer der Weltkriege wurden nie gefunden oder wurden immer noch nicht identifiziert.

Der Blick 80 Jahre zurück zeigt uns aber leider auch, dass die Opfer und Geschädigten aus den vergangenen Weltkriegen schon lange nicht mehr die letzten Zeitzeugen entsetzlicher Kriegsereignisse sind.

Auch nicht in Europa. Die Europäische Union war das Ergebnis der Versöhnung der europäischen Nationen nach Jahrhunderten von Kriegen und unvorstellbaren Gräueln des Zweiten Weltkriegs. Es schmerzt umso mehr, dass bereits nach weniger als 80 Jahren, im Februar 2022, diese Friedensordnung in Europa brutal zerstört wurde.

Das Vermächtnis der Opfer lautet: Wir müssen alles uns Mögliche tun, um für uns und unsere Kinder eine friedliche Zukunft zu sichern.

Der Volkstrauertag fordert uns auf, mit persönlichem Engagement und Entschlossenheit Freiheit und Frieden jeden Tag neu zu erringen und zu bewahren: in uns selber, unserer Familie, unserem Land, Europa und der Welt.

Die Opfer von Krieg, Gewalt und Unterdrückung erinnern uns daran, nach Verständigung und Versöhnung zu streben, jeden Tag.

Wir gedenken heute der Opfer von Gewalt und Krieg, der Kinder, Frauen und Männer aller Völker.

Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben und der Menschen, die durch direkte Kriegshandlungen, auf der Flucht, in Gefangenschaft oder als Opfer von Vertreibung ihr Leben verloren.

Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.

Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von politischer Verfolgung, Terrorismus und Extremismus.

Wir trauern um die Bundeswehr- und NATO-soldaten und anderen Einsatz-Kräfte, die ihr Leben im Auslandseinsatz verloren.

Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten, und teilen ihren Schmerz.

Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.

Der Volkstrauertag mahnt uns, allen Opfern von Krieg, Gewalt und Terror ein ehrendes Andenken zu bewahren.

Deshalb legen wir in Ehrfurcht und als Zeichen der Trauer und des Gedenkens einen Kranz an diesem Ort der Erinnerung nieder.

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Gesellschaft.