Erinnerungen im Stoff

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Künstlergespräch mit Katharina Andes im Deutschen Kulturzentrum Hermannstadt

Ausgabe Nr. 2939

Dr. Iris Ordean, Katharina Andes und Cristina Nan beim Künstlergespräch im DKH (v. l. n. r.).                                                             Foto: Eduard RESCHKE

Zum Künstlergespräch mit der in Heidelberg tätigen Szenografin und Kostümbildnerin Katharina Andes, füllte sich die Bibliothek des Deutschen Kulturzentrums Hermannstadt am 28. November mit zahlreichen Interessierten. Das Gespräch führten Dr. Iris Ordean und Cristina Nan, die einen Einblick in das Schaffen der Künstlerin ermöglichten.

Ausgangspunkt des Abends war die textile Skulptur „JEDE FASER“, in der Andes sich mit einem besonderen Familienobjekt befasst: seit Generationen verschlossene Ballen aus Flachsleinen. Der Stoff, einst als wertvolles Gut gehütet und dennoch ungenutzt geblieben, entwickelte sich in ihrer Familie zu einem Symbol für das Nicht-Ausgesprochene. Andes schilderte, wie das Öffnen des Stoffbandes für sie zu einem Moment der Annäherung an verborgene Erinnerungen wurde und wie das Material ihren künstlerischen Prozess beeinflusst hat.

Im Gespräch erläuterte sie, wie das Leinen durch Auflösen, Verflechten und Vernähen eine neue Gestalt annimmt. Textilien sind für sie nicht nur Materialien, sondern Träger von Spuren, die über das Sichtbare hinausweisen. Es entsteht ein Raumkörper, in dem Stoff, Körper und Architektur miteinander verschmelzen. Kleidung versteht sie als ersten, schützenden Raum, der zwischen Innen- und Außenwelt vermittelt, während sie Architektur als einen zweiten Körper beschreibt, in der sich der Mensch bewegt.

Zum Abschluss gab es Raum für Nachfragen und Gespräche. Der Abend bot einen Einblick in die Verbindung von Material, Erinnerung und Kunst, die das Werk von Katharina Andes wesentlich bestimmt.

Das Künstlergespräch fand im Rahmen der Reihe „RAFT – Dialog durch visuelle Kunst“ statt. RAFT ist ein mobiler Kunstraum, der neue Orte für zeitgenössische Kunst erschließt und seit 2024 auch im Deutschen Kulturzentrum Hermannstadt beherbergt wird.

Eduard RESCHKE

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Theater.