Von Bach bis Bartók

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Musikalische Erlebnisse in Hermannstadt und Großau

Ausgabe Nr. 2930

Nicoleta Paraschivescu an dem Spieltisch der Sauer-Orgel in der evangelischen Stadtpfarrkirche.                                                   Fotos: Beatrice UNGAR

Drei Musiker unterschiedlicher Jahrgänge begeisterten vor kurzem die Musikliebhabenden in Hermannstadt und in Großau. Die in Hermannstadt geborene Organistin Nicoleta Paraschivescu bot das krönende Abschlusskonzert des Orgelsommers in Großau am 18. September und konzertierte anschließend im Rahmen der Samstagmusik in der evangelischen Stadtpfarrkirche in Hermannstadt. Der ebenfalls in Hermannstadt geborene Bratschist Marius Ungureanu und der Hermannstädter Musikstudent und Geiger Enea Trailović konzertierten am 25. September im Spiegelsaal des DFDH.

An den Orgeln in Großau und Hermannstadt brachte Nicoleta Paraschivescu Werke von Johann Sebastian Bach, Giovanni Paisiello, Benedict Jucker und J. Chr. H. Rinck zu Gehör. Letztere beiden Komponisten stammen aus Basel, wo Paraschivescu, die Orgel an der Gheorghe Dima-Musikhochschule in Klausenburg bei Ursula Philippi Orgel studiert hat, tätig ist. Sie unterrichtet Orgel an der Musik-Akademie Basel (Musikschule Basel) und ist Organistin an der Theodorskirche in Basel (Kern-Orgel, 1983). Desgleichen ist sie Preisträgerin 2016 der hibou-Stiftung und promovierte 2015 an der Universität Leiden (NL). Zudem ist sie ehemalige Rotary International-Stipendiatin und Preisträgerin des internationalen Wettbewerbes Prix Joseph Bossard 2010 (Bellelay), bei dem sie auch mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde. Dr. Paraschivescu ist Leiterin des Ensembles La Floridiana, mit dem sie für das Label SONY bereits zwei CDs mit Weltersteinspielungen von Werken der Haydn-Schülerin Marianna Martines (1744-1812) aufgenommen hat.

Ein energiegeladenes, dynamisches Duo: Enea Trailović (Geige, links) und Marius Ungureanu (Bratsche).

Haydn stand auch im Mittelpunkt des zweiten angeführten Konzerts. Was den Bruder des berühmten Joseph Haydn, Johann Michael Haydn (1737-1806) mit Béla Bartók (1881-1945) verbindet, darauf beruhte das Konzert von Enea Trailović (Geige) und Marius Ungureanu (Bratsche). Das energiegeladene, dynamische, wunderbar aufeinander abgestimmte Duo brachte im Wechsel die vier Sonaten für Geige und Bratsche von Michael Haydn und Werke von Béla Bartók zu Gehör. Die beiden verbindet die Stadt Großwardein/Oradea/Nagyvárad.

Michael Haydn war nämlich wie sein bekannterer Bruder zunächst Sängerknabe zu St. Stephan in Wien. Nachdem er die Chorschule verlassen hatte, wurde er 1757 erst Geiger und 1760 bischöflicher Kapellmeister in Großwardein bei Bischof Adam Patachich. In dessen Auftrag verfasste er einige bedeutende Kompositionen. Sein Hornkonzert erregte 1762 in Wien Aufsehen.

Béla Bartók ist laut Musikwissenschaftler Thurzó Sándor – 2007 veröffentlichte dieser das Buch Bartók Nagyváradon (Bartók in Großwardein) – eng mit Großwardein verbunden. In dieser Region habe Bartók 1891-1892 aus der Fülle an Folklore der unterschiedlichen Ethnien (Ungarn, Rumänen, Roma, Juden) geschöpft und wundervolle Bearbeitungen komponiert. So auch die von dem Duo Ungureanu-Trailović präsentierten bekannten Rumänischen Tänze.

Beatrice UNGAR

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Musik.