,,Ich fühlte mich gebraucht“

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Der Mediascher Alt-Kurator Hugo Schneider feierte seinen 90. Geburtstag

Ausgabe Nr. 2924

Hugo Andreas Schneider.                
Fotos: privat

Am 13. August 2025 hat in Mediasch Alt-Kurator Hugo Andreas Schneider, im Kreise von Familie, Freunden, Sangesbrüdern und Kirchenvertretern seinen 90. Geburtstag gefeiert. Wie kaum jemand anders hat er das Schicksal des „sächsischen Mediasch“ nach Dezember 1989 geprägt. Die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien (EKR) reihte sich in den Chor der Gratulanten ein, um Hugo Schneider herzlich zu danken für seinen unermüdlichen und selbstlosen Einsatz für Kirche, Forum, Diakonieverein, für die Stadt und für unzählige Einzelpersonen aus Mediasch und seiner Umgebung.

 

Als im Januar 1990 das „Demokratische Forum der Deutschen in Mediasch“ gegründet wurde, gehörte das Ehepaar Hugo und Mathilde Schneider (verstorben 2020 in Mediasch) zu den Gründungsmitgliedern. Er war Forumsvorsitzender, Mitglied im Vorstand des Siebenbürgenforums, Gründungs- und langjähriges Vorstandsmitglied der „Saxonia-Stiftung“, sowie der Stiftung „Austria pro Romania“, Vorsitzender des „St. L. Roth“-Landwirtschaftsvereins Meschen und, als Vertreter des Forums, langjähriges Mitglied im Hermanstädter Kreisrat. Er hat mitgewirkt bei der Gründung einer deutschen Schule in Mediasch, als Zentrumsschule für die Stadt und die umliegenden Gemeinden, mit damals angegliedertem Schülerheim. Eine wichtige Arbeit beim Forum waren die Verhandlungen betreffend Nutzungsrecht für das Schuller-Haus, das zum Kulturzentrum, Forumssitz und Sitz des Zentrums für die Lehrerfortbildung in deutscher Sprache (ZfL) entwickelt wurde. Einen wesentlichen Beitrag leistete er zusammen mit der Familie des Raumfahrtpioniers Hermann Oberth für die Einrichtung des Gedenkhauses. 1991 wurde er zum Kirchenkurator gewählt, ein Amt, das er bis 2010 innehatte. Von 1991 bis 2000 war er auch Bezirkskirchenkurator und bis Oktober 2014 Mitglied der Landeskirchenversammlung. Zu den Hauptprojekten seiner kirchlichen Tätigkeit zählt die Mitarbeit im Diakonieverein, dessen Gründungsmitglied er ist. Er hat beigetragen zur Einrichtung der Küche „Essen auf Rädern“ und zur Einrichtung des Altenheimes in Hetzeldorf. Viele Jahre koordinierte er die Bemühungen im Mediascher Kirchenbezirk um Restitution von Ackerland, Weiden und Waldflächen, aber auch von enteigneten Gebäuden (Schulen, Gemeindesäle, Lehrerhäuser). In diesem Zusammenhang war er an Projekten beteiligt, bei denen es zur Umnutzung leerstehender Pfarrhäuser zu Gästehäusern kam. Als der „Kirchenburgen-Schutz-Verein Siebenbürgen“ gegründet wurde, wählte man ihn zum ersten Vorsitzenden. Beteiligt war er bei der Einführung der zweimal jährlich gefeierten Bezirksgemeindefeste, einem Brauch, der bis heute zur Freude vieler im Mediascher Kirchenbezirk gepflegt wird. Er war dabei, als das Evangelische Gemeindehaus im Mediascher Stadtpfarrgarten geplant und Ende 2011 fertig errichtet wurde.

Der Jubilar Hugo Schneider (4. v. r.) trat beim Mediascher Treffen 2017 mit ehemaligen und aktuellen Mitgliedern des Mediascher Männeroktetts unter der Leitung von Stadtkantorin Edith Toth (Bildmitte) auf.

Im Festsaal hat am 13. August die reichlich musikalisch gestaltete Geburtstagsfeier für Hugo Schneider stattgefunden. Man fragt sich bei so viel Engagement, ob er noch Zeit für Privates in seinem Leben hatte oder für ein Hobby?… Ja, das hatte er. Und zwar für das Singen! Hugo Schneider hat jahrzehntelang im Mediascher Kirchenchor und im Mediascher Männeroktett gesungen, das es als einzige sächsische Kultureinrichtung in Mediasch geschafft hat, auf nun knapp 130 Jahren ununterbrochenes Bestehen zurückzublicken (1896). Dass es immer noch singt, verdanken wir in wesentlichem Maße auch ihm – und er sang von Herzen auch bei seiner Feier mit!

Immer wieder unterstreicht er selbst, wenn jemand nach seiner Kraftquelle fragt, dass die Arbeit im Forum und Kirche sein Hierbleiben in Siebenbürgen maßgeblich motiviert und begründet hat. „Ich fühlte mich gebraucht und meinte mein Wissen und meine Erfahrung gut einbringen zu können.“ Zu Beginn der Feier am 13. August betonte Hugo Schneider, wie wichtig es ist, Gemeinschaft zu pflegen, sie zu tragen, jede und jeder mit seiner eigenen Gabe und an seinem Ort. Man soll mit Lob und motivierenden Worten nicht sparsam umgehen. Ja, sein riesiger Beitrag für den Erhalt der Gemeinschaft, sein grenzenloser Optimismus, sein unermüdlicher Einsatz für Harmonie und nicht zuletzt sein dankbar zurück und auf Gott, dem Geber aller Gaben, blickendes Herz sind und bleiben für uns alle ein großes Vorbild, Inspiration und lebendige Motivation.

Wir wünschen Hugo Schneider Gottes Segen und viel Freude im Kreise lieber Menschen!

Gerhard SERVATIUS-DEPNER

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Persönlichkeiten.