Erfolgreiche zehnte Auflage des Astra Multicultural Festivals im Freilichtmuseum
Ausgabe Nr. 2921

Bei der Ankunft der ersten Kanufahrerinnen und -fahrer beim Anleger neben dem Gehöft aus Mahmudia.
Foto: Lukas STOIA-HELTMANN
350 Kunsthandwerker, Musikanten, Tänzerinnen und Tänzer, Köchinnen und Köche aus der ungarischen und der Roma-Gemeinschaft sowie Betreiber von so genannten „Puncte Gastronomice Locale” (lokale gastronomische Zentren) aus ganz Rumänien konnten die rund 6400 Besucherinnen und Besucher beim Astra Multicultural Festival der kulturellen Vielfalt erleben, dessen zehnte Auflage vom 18. bis 20. Juli im ASTRA-Freilichtmuseum im Jungen Wald stattgefunden hat. Am ersten Tag fand auch eine Konferenz zum Thema „Die lokalen gastronomischen Zentren – Bewahrer kreativer Traditionen” statt, bei der die bessere Vernetzung dieser Kleinbetriebe im Vordergrund stand.
Mitten im bunten Treiben fand am ersten Tag auch eine besondere Aktion statt: „Ivan’s Delta“ (Delta lui Ivan), organisiert von dem Verein „Ivan Patzaichin – Mila 23”, ein Nachfolger des Ökotourismus-Vereins Rowmania, der Besucherinnen und Besucher zu einer Kanu-Rundfahrt auf dem See in der Mitte des Freilichtmuseums eingeladen hat. Rowmania wurde von der Kanutenlegende Ivan Patzaichin (1949-2021) vierfacher Olympiasieger (1968, 1972, 1980 und 1984) gegründet, der die Vision hatte, das Donaudelta zu dem wichtigsten ökotouristischen Ziel zu entwickeln, im Einklang mit der Natur und mit den Traditionen in dieser Region.

Die beiden Kinder des Instrumentebauers Hadnagy Lehel aus Gyimes/Ghimeș musizierten auf der Geige und auf dem Gardon, bei dem man mit dem Bogen die Saiten klopft. Das Gardon, ungarisch ütőgardon, deutsch auch Trommelbassgeige, Schlagcello, ist ein traditionelles ungarisches Rhythmusinstrument der Szekler und der Tschango.
Foto: Beatrice UNGAR
Zunächst aber wurde die symbolische Schleife durchgeschnitten, weil dieses Angebot ab sofort im Sommer ständig für die Besucherinnen und Besucher des Museums zur Verfügung stehen wird. Bei der feierlichen Eröffnung dabei war auch der stellvertretende Kreisratsvorsitzende Paul Kuttesch, der seitens der Kreisleitung für das ASTRA-Museum zuständig ist.

Violeta Cioabă (rechts) und Pruna Mihai von der Hermannstädter Roma-Gemeinschaft kochten u. a. leckere „Tocăniță de rânză cu măzare” (Ragout aus eingelegtem Schweinsfilet mit Erbsen) und „sarme romane”.
Foto: muzeulastra.ro
Kuttesch bemüht sich auch um die Organisation einer Ökotourismusmesse im September d. J. auf dem Kleinen Ring. Die Häuschen werden derzeit von den Mitarbeitern des ASTRA-Museums hergestellt und eines war schon beim Făgăraș-Fest Anfang Juli in Racovița zu sehen.
Nach der feierlichen Eröffnung durften die Anwesenden, mit Schwimmwesten ausgestattet, in längliche, schmale Kanus mit mehreren Plätzen steigen und über das Wasser paddeln. Vom See aus bietet sich ein ganz neuer Blick auf das Freilichtmuseum: Die kleinen Entenhäuschen, die Tafeln aus dem Patzaichin-Museum entlang des Sees, eine kleine Fahrt durch die von hohem Schilf gesäumten Mini-Kanäle und die Enten, die mit ihren Schwänzchen Streifen über die Wasseroberfläche zogen.
Die Aktion war nicht nur ein sportliches Erlebnis, sondern auch eine kleine Reise in eine andere Welt. „Ivan’s Delta“ verband Natur, Kultur und Bewegung und brachte den Teilnehmenden die Schönheit traditioneller Lebensräume näher.

Die vier Paare der Tanzgruppe „Din bătătura satului/A falu szérűjéről” (Auf dem Dorfanger) aus Odorheiu Secuiesc/Udvárhely/Odorhellen war zur Begleitung des Sujtok-Orchesters am Samstag für die Tanzdarbietungen und den offenen Tanz zuständig.
Foto: Beatrice UNGAR
Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, das Museum aus dieser ungewöhnlichen Perspektive zu erleben. Besonders für Familien war die Fahrt ein Highlight: entspannend, lehrreich und stimmungsvoll.
Wer es nicht mit dem Paddeln hatte, konnte auf der Allee vom Dorfmarkt aus die verschiedenen Angebote an den Ständen der Kunsthandwerker erleben bei dem Mini-Jahrmarkt der Handwerke. Der große Jahrmarkt findet wie gewöhnlich um den 15. August statt und bevölkert das gesamte Gelände. Auf dem Dorfmarkt wurde an allen drei Tagen fleißig auf offenem Feuer in Kesseln um die Wette gekocht. Das Angebot war äußerst vielfältig und reichte von Fischgerichten aus dem Donaudelta über Krautwickel nach Szekler- oder Roma-Art bis zu einer deftigen Wildschwein-Tokana.
Die Volkstänze kamen auch nicht zu kurz. Die auf der Bühne auftretenden Ensembles luden immer auch zum offenen Tanz ein. Viele nahmen trotz Hitze die Einladung an.
Lukas STOIA-HELTMANN
Beatrice UNGAR