Im Zeichen des Heiligen Ladislaus

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Streiflichter von der zweiten Auflage des Ars Sacra-Festivals in Hermannstadt

Ausgabe Nr. 2882

Das erste Konzert im Rahmen des Ars Sacra Festivals boten am Samstagabend in der evangelischen Stadtpfarrkirche der S:t Matteus Kammarkör aus Stockholm (Leitung: Espen Myklebust Olsen) und der Hermannstädter Bachchor (Leitung: Jürg Leutert).                                                           Fotos: Beatrice UNGAR

Wer war der Heilige Ladislaus bzw. Szént László, der in fast allen siebenbürgischen Kirchen auf Fresken abgebildet ist? Dieser Frage geht bei der zweiten Auflage des Ars Sacra-Festivals in Hermannstadt eine Sonderausstellung nach, die noch bis einschließlich Sonntag in dem Touristeninformationszentrum im Rathaus am Großen Ring zu besichtigen ist. Der Kurator der Ausstellung, Kunsthistoriker Dr. Jánó Mihály, sagte bei der Eröffnung zum Auftakt des Festivals am Samstag, den 14. September, diese Gestalt ziehe sich wie ein roter Faden im wahrsten Sinn des Wortes „durch alle Wandmalereien in heute reformierten oder evangelischen Kirchen”, zuletzt wurde eine Darstellung in der evangelischen Kirche in Schmiegen entdeckt.

Bevor die Anwesenden sich zum Forumshaus begaben, wo im Spiegelsaal des DFDH eine wissenschaftliche Tagung geplant war, wurden sie von Hauptveranstalter Serfözö Levente, von Vizebürgermeister Helmut Lerner, von dem Grafiker und Theologen Stefan Orth und dem römisch-katholischen Priester Attila Bojtor begrüßt. Den musikalischen Rahmen boten das Ehepaar Brita Falch Leutert und Jürg Leutert mit Christine Grahl und Klaus Philippi, die zu viert u. a. den Antifon Ladislaus honoratur anstimmten. Diese Darbietung versetzte die Anwesenden in eine andere Welt, die des frühen Mittelalters, in der eben dieser ungarische König, Ladislaus, infolge von Heldentaten heiliggesprochen worden ist. Die Regierungszeit von Ladislaus I. (ungarisch László), genannt der Heilige (1048-1095) aus dem Geschlecht der Árpáden, stellte eine Zeit des Friedens und der Beruhigung nach den dynastischen Auseinandersetzungen im Haus der Arpaden dar. Im Jahre 1192 wurde Ladislaus von Papst Coelestin III. heiliggesprochen, Patrozinium ist am 27. Juni.

In Hermannstadt, so der Kunsthistoriker Dr. Frank-Thomas Ziegler, soll es neben der Brukenthalschule eine dem heiligen Ladislaus gewidmete Kapelle gegeben haben. Diese ist 1898 abgetragen worden. Der Heilige Ladislaus ist auch auf dem vorrreformatorischen Rosenauer-Fresko in der evangelischen Stadtpfarrkirche abgebildet. Übrigens ist die erste urkundliche Erwähnung von Hermannstadt 1191 ebenfalls mit dem Heiligen Ladislaus verbunden: Damals wurde die Errichtung der freien Kirchenprobstei zum Heiligen Ladislaus der „Ecclesia Teutonicorum Ultrasilvanorum“, also der „Kirche der Deutschen jenseits der Wälder” bestätigt. Bei der Führung durch die römisch-katholische Stadtpfarrkirche am Großen Ring konnte man in einem der Nebenaltäre das bunte Glasfenster bewundern, in dem dieser ungarische König abgebildet ist.

Der Kunsthistoriker Dr. Frank-Thomas Ziegler von der Honterusgemeinde Kronstadt der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien bei seinem Vortrag über den heiligen Ladislaus in Hermannstadt, in dem er auch die abgetragene Ladislauskapelle neben der Brukenthalschule erwähnte.

Das erste Konzert im Rahmen des Festivals bestritten am Samstagabend der S:t Matteus Kammarkör aus Stockholm (Leitung: Espen Myklebust Olsen) und der Hermannstädter Bachchor (Leitung: Jürg Leutert) in der bis zum letzten Platz besetzen evangelischen Stadtpfarrkirche. Die beiden Chöre brachten mal gemeinsam, mal separat Werke von Theodor Fröhlich, Johann Sebastian Bach, Francis Poulenc, Per Nørgård und Carl Michael Bellman zu Gehör.

Auch mit einem Orgelmarathon, der aus Anlass der Einweihung der frisch restaurierten Sauer-Orgel am Samstag, den 21. September in der evangelischen Stadtpfarrkirche stattfindet, beteiligt sich die Hermannstädter evangelische Kirchengemeinde an der 2. Auflage des Ars Sacra-Festivals. Eröffnet wird der Marathon um 12 Uhr, es folgen im Stundentakt folgende Angebote: Konzert Wilhelm Schmidts (Orgel), Orgelwanderung, Konzert Ursula Philippi (Orgel), Konzert Melinda Samson (Sopran), Noemi Miklos (Orgel), „Die Bremer Stadtmusikanten” mit Ursula Philippi (Erzählung auf rumänisch), Filmvorführung, Konzert Hermannstädter Bachchor, Konzert Steffen Schlandt (Orgel), Orgelwanderung, Schlager und Filmmusik mit Brita&Barry&Jürg, „Terje Vigen” (Epos von Henrik Ibsen auf deutsch) mit Daniel Plier (Rezitation), Gabriel Silișteanu (Bratsche), Brita Falch Leutert (Orgel).

Mehr zu dem Festival unter https://ars-sacra.ro/de/programm/

B. U.

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Kirche.