Mit dem Evangelischen Gesangbuch durchs Jahr 2024
Ausgabe Nr. 2882

Unser 50 Jahre altes Gesangbuch, das uns mit seinen Liedern in den Gottesdiensten begleitet, ist genauer betrachtet mehr als nur ein Gesangbuch! Es enthält neben den 500 Kirchenliedern und Psalm-Gesängen zu Beginn auch den ganzen Gottesdienstablauf und die gebräuchlichen Eingangssprüche für das ganze Kirchenjahr. Und nach den Liedern dann eine Sammlung von Gebeten zu verschiedenen Anlässen.
Eingefügt sind dort bei der Beichte auch die Zehn Gebote mit sehr persönlichen Fragen an den Leser und bei der Anleitung zur Nottaufe auch das apostolische Glaubensbekenntnis. Und zum Abschluss des Gesangbuches finden wir in ihm als Grundlage unseres evangelisch-lutherischen Glaubens die wichtigsten Aussagen des Augsburgischen Bekenntnisses.
Unser Gottesdienst ist in weiten Teilen als Dialog zwischen Gott und der Gemeinde, beziehungsweise zwischen Pfarrer und Gemeinde aufgebaut. Dabei spricht oder singt die Gemeinde zur Bestätigung von Glaubensgewissheiten das Amen. Martin Luther erklärt im Kleinen Katechismus das Amen so: „Dass ich gewiss sein soll, solche Bitten sind dem Vater im Himmel angenehm und werden erhört. Denn er selbst hat uns gebeten, und verheißen, dass er uns erhören will. Amen, Amen, das heißt: Ja, ja, so soll es geschehen“
Die Aufforderung an die Gemeinde Amen zu sprechen findet sich schon im Alten Testament in Psalm 106,48, wo es heißt „Gelobt sei der HERR, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit, und alles Volk spreche: Amen! Halleluja!” (Ähnlich auch in Psalm 41,14)
Dem entsprechend kommt dann das Amen auch in fast dreißig Chorälen (meist zum Abschluss) und in allen Psalmgesängen unseres Gesangbuches vor.
Leider geht dieser dialogische Charakter unserer Gottesdienste immer mehr verloren, da die meisten Gottesdienstbesucher die passenden liturgischen Antworten nicht mehr kennen.
Im Choral 276 führt uns Martin Luther in 8 Strophen durch das ganze Vater Unser und bekräftigt dann in Strophe 9 das gesungene Gebet mit dem Amen:
„Amen, das ist: es werde wahr. / Stärk unsern Glauben immerdar, / auf dass wir ja nicht zweifeln dran, / was wir hiemit gebeten han / auf dein Wort, in dem Namen dein. / So sprechen wir das Amen fein.”
Friedrich PHILIPPI