Lebendig, humorvoll, beharrlich

Buch über Orgelbauer Karl Einschenk vorgestellt

Ausgabe Nr. 2560

Die „Kronstädter Stadtmusikanten“ – zu denen drei Ururenkel des Orgelbauers Karl Einschenk gehören – boten den musikalischen Rahmen (v. l. n. r.): Sigrid Arvay, Sophie Plajer, Ursula Philippi, Kurt Philippi und Martin Arvay). Aus dem Bild fehlt der jüngste, Jonathan Arvay.  
Foto: Fred NUSS

Wenn ich alle Kriegsminister zusammenstimmen könnte, wie ich ein Klavier noch kann, dass die höchsten und tiefsten Accorde schön zusammen harmonieren, dann gäbe es bestimmt keinen Krieg mehr auf der Welt“ schrieb der siebenbürgische Orgelbauer Karl Einschenk in einem Brief 1951, in seinem letzten Lebensjahr.

Zu lesen ist der Brief in einem Buch, dessen Titel aus diesem Zitat entlehnt worden ist. Das Buch haben die Musikerin Ursula Philippi und die Journalistin Christine Chiriac herausgegeben. Den Impuls dafür bot, so die Herausgeberinnen, die zum Auftakt der 7. Auflage des Musica Barcensis-Festivals vom Musikerehepaar Ursula und Kurt Philippi veranstaltete Orgelfahrt nach Reci, Chichiş, Neustadt und Kronstadt auf den Spuren des Kronstädter Orgelbauers Karl Einschenk.

Als Anlass kam der 150. Geburtstag des Orgelbauers hinzu, dessen Werkstatt in der Schwarzgasse seit 121 Jahren in Betrieb ist und heute von einem seiner Enkel, Arnulf Einschenk, betrieben wird.

Schon dieses Zitat allein dürfte ein Ansporn sein, das Buch in die Hand zu nehmen, um zu erfahren, wer der Mann war, der diese Zeilen geschrieben hat.

Christine Chiriac und Ursula Philippi (Hg.): „Dass die höchsten und tiefsten Accorde schön harmonieren…“. Erinnerungen des siebenbürgischen Orgelbauers Karl Einschenk. Schiller-Verlag Bonn-Hermannstadt 2017, 126 Seiten, ISBN 978-3-946954-08-8

Kurz vor Weihnachten 2017 kamen auch die Hermannstädter in den Genuss einer musikalisch auch von drei Ururenkeln Einschenks untermalten Buchvorstellung. Im Erasmus-Büchercafé konnten sie erleben, dass die Tradition fortgeführt wird. Auch dank beherzter Musiker wie dem Ehepaar Ursula und Kurt Philippi aber auch dank der Bereitschaft des Ehepaars Arvay, mit ihren drei Kindern nach Hermannstadt zu kommen.

Fragmente aus den Interviews mit Bekannten und Verwandten Karl Einschenks las Christine Chiriac vor. Ursula Philippi, die dessen Erinnerungen, an denen er 1942 zu schreiben begonnen hatte und die leider nur bis 1901 zurückreichen, transkribiert und ausgewählt hatte, las einige Passagen vor und stellte fest: Karl Einschenk war lebendig, voller Humor, eine selbstständige Persönlichkeit und ein sehr beharrlicher Siebenbürger Sachse“. Diese Charakterisierung passt haargenau, meinten auch die bei der Buchvorstellung anwesenden Verwandten, besonders Urenkelin Senta Arvay geb. Einschenk.

Man kann auch dem Musiker Erich Türk nur beipflichten, der in seiner in der Siebenbürgischen Zeitung vom 6. November 2017 erschienenen Rezension schreibt: Es ist sehr begrüßenswert, dass die Persönlichkeit Karl Einschenks mit diesem Buch eine Würdigung erfährt. Dank seiner in langen Wanderjahren erworbenen fundierten Kenntnisse war seine gediegene Arbeit absolut auf der Höhe ihrer Zeit und ließ Siebenbürgen an den hohen Standards Westeuropas teilhaben. (…) Auch wenn seine Umbauten heute aus denkmalpflegerischen Gründen manchmal rückgängig gemacht werden, ist seine Arbeit insgesamt betrachtet für die siebenbürgische Orgellandschaft eine Bereicherung. Die Orgeln erklingen bis heute nicht nur in evangelischen Gemeinden zum Lob Gottes.“

Beatrice UNGAR

 

 

 

 

 

 

 

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