Interkulturalität und kein Ende

Streiflichter von der Tagung der Hermannstädter Germanistik
Ausgabe Nr. 2509
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Wenn es denn so etwas wie Trends gibt in einer bewusst wenig trendigen Wissenschaft wie der Germanistik, dann lautet ein aktueller „Interkulturalität“. Dank Globalisierung und wachsenden Migrationsströmen wurde die Vermischung verschiedener Kulturen und Sprachen auch für die Germanistik zu einem immer beliebteren Untersuchungsgegenstand. Für das Diskutieren darüber eignen sich wohl wenige Orte auf der Welt besser als das plurikulturelle Siebenbürgen. Die diesjährige Tagung der Hermannstädter Germanistik tat nun eben das vom 24. bis zum 26. November unter dem Motto „Zwischen Fakten und Deutung. Wege interkultureller Germanistik“.

 

Dass Interkulturalität sowohl ein besonders zeitgemäßes Thema ist, als auch eines, das schon seit Langem die Schriftsteller beschäftigt, bewiesen bereits die beiden ersten Vorträge im Plenum. Joachim Wittstock würdigte den Hermannstädter Autoren und Hochschuldozenten Georg Scherg (dessen 100. Geburtstag am 19. Januar 2017 gefeiert wird), während Markus Fischer aus Bukarest sich Catalin Dorian Florescus „Familienromanen“ widmete.

Danach teilten sich die 34 Tagungsteilnehmer (beziehungsweise überwiegend Teilnehmerinnen) in zwei Gruppen auf, um sich über Literaturwissenschaft und Kulturgeschichte beziehungsweise Sprachwissenschaft, Landeskunde und Deutsch als Fremdsprache auszutauschen. Schon am Programm ließ sich ablesen, wie vielfältig das Thema Interkulturalität ist: Von sprachlicher Durchmischung über Kernfragen des Unterrichts bis zum Motiv des Affen in der Literatur war mehr dabei, als sich in einem Artikel zusammenfassen ließe.

Eine erwartungsgemäß große Rolle spielten Geschichten über die Schattenseiten der Interkulturalität: Geschichten über Flucht und Verfolgung, von Autoren die „entwurzelt und umgetopft“ wurden, wie die Autorin Julya Rabinowich ihre eigene Biographie beschrieb. Dass beim Thema Interkulturalität in Rumänien aber nicht immer Schlagworte wie „Securitate“ und „Lagerhaft“ fallen müssen, zeigten Vorträge über freundlichere Aspekte, wie zum Beispiel die Einführung des Martinsumzuges in Siebenbürgen oder die Analyse der Social-Media-Posts über die deutsche Nationalmannschaft.

Interkulturalität jedenfalls, das machten alle Vorträge deutlich, ist ein Thema, das die Germanistik noch lange beschäftigen wird – und eines, bei dem gerade die Germanistik in Hermannstadt einen wertvollen Beitrag leisten kann.

Bernadette MITTERMEIER

 

Joachim Wittstock (stehend) bei seinem Vortrag im Senatssaal der Lucian Blaga-Universität im Rektoratsgebäude.                

Foto: Beatrice UNGAR

 

 

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