Michaela Nowotnick präsentierte ihre als Buch erschienene Dissertation
Ausgabe Nr. 2497

„Die Unentrinnbarkeit der Biographie. Der Roman ‚Rote Handschuhe‘ von Eginald Schlattner als Fallstudie zur rumäniendeutschen Literatur“ lautet der Titel der Dissertation der Berliner Literaturwissenschaftlerin Michaela Nowotnick. Vor kurzem ist diese akribische Arbeit als Band 45 der Reihe Studia Transylvanica im Böhlau-Verlag Köln Weimar Wien erschienen. Am Freitag wurde der Band im Beisein der Autorin im Erasmus-Büchercafé vorgestellt.
Der Titel des Buches klingt auf den ersten Blick wie eine Binsenweisheit, schließlich kann man seiner Biografie nicht entrinnen. Man kann sie schönen oder verschleiern, verfälschen oder unter den Teppich kehren, entrinnen kann man ihr nicht. Schlägt man das Buch auf, fällt einem die Widmung der Autorin auf, die alles erklärt: „Für eine Generation, die noch immer auf der Suche nach einer Wahrheit ist.“ Da steht nicht „der Wahrheit“, die Autorin erhebt demnach nicht den Anspruch auf „die Wahrheit“ im Zusammenhang mit dem umstrittenen zweiten Roman von Eginald Schlattner. Ganz im Gegenteil, ihre Untersuchung stellt nach eigener Aussage „einen literarischen Text in den Mittelpunkt, an dem zahlreiche Konflikte ausgetragen wurden und werden. Sie stellt sich der Hreausforderung, eine Basis zu schaffen, die eine differenzierte Betrachtung des Themas ermöglicht.“ Zum Schluss merkt Nowotnick an: „Bei der kritischen Betrachtung von Quellen, wie beispielsweise Geheimdienstakten, stellt sich zudem die weiterführende Frage nach der Verantwortung der Wissenschaft im Umgang mit ihrem Untersuchungsgegenstand.“
Insofern hat die Autorin die Latte hochgelegt und ihr Buch ist – wenn man allein in Betracht zieht, dass sie akribisch zehn Jahre lang an ihrer Dissertation gearbeitet hat – ein Meilenstein in der Aufarbeitung der jüngeren Geschichte der Rumäniendeutschen, um das man nun nicht mehr herumkommt, wenn man sich diesem Forschungsbereich widmen möchte.
Beatrice UNGAR
Michaela Nowotnick und Jens Kielhorn bei der Buchvorstellung am Freitag im Erasmus-Büchercafé.
Foto: die Verfasserin