Herbstfest im renovierten Gemeindehaus in Martinsberg
Ausgabe Nr. 2982

An schön gedeckten Tischen sitzend wohnten die Anwesenden einem Klavierkonzert von Ana Maria Stamp bei, die sich seit geraumer Zeit auch um Pianistennachwuchs in Siebenbürgen bemüht.
Am Ende der Welt ist noch lange nicht Schluss. So könnte das Motto von Mariana Moore und Jochen Kusch lauten, die am vergangenen Wochenende ein „Harvest Festival“ im ehemaligen Gemeindehaus, sie nennen ihn heute „Balthessaal“ in Martinsberg veranstaltet haben.
Von Hermannstadt kommend, führen die letzten 13 Kilometer auf holpriger Straße, langsam, durch Feld und Wiese in ein Dorf, das gefühlt im Niemandsland liegt. Das bedeutet aber auch mitten in der Natur, und das ist wiederum reizvoll. Über Martinsberg, rumänisch Șomartin, steht nicht viel auf Wikipedia. Die ursprünglich freie sächsische Gemeinde hat das gleiche Schicksal ereilt wie so viele andere sächsische Dörfer. Die siebenbürgisch-sächsische Bevölkerung ist ausgewandert, das Dorf ist geschrumpft und ist heute ein kleines rumänisches Dorf mit 246 Einwohnern. Ein Sachse lebt noch dort, Kurator, Küster, Kirchenführer in Personalunion, kurzum „Mädchen für alles“.
Bei Sehenswürdigkeiten erwähnt Wikipedia die denkmalgeschützte dreischiffige Basilika und berichtet: „Die ehemalige deutsche Schule und der Veranstaltungssaal der evangelischen Kirchengemeinde, Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet, sind dem Zerfall überlassen“. Dieser Satz ist nun überholt.

Geschmackvoll dekoriert war das Büffet, bei dem es köstliches Essen, darunter viel Vegetarisches gab.
Fotos: die Verfasserin
Die Siebenbürgerin Mariana Moore (geboren in Bistritz) und der Franke Jochen Kusch haben das Potenzial dieser ruinösen Bauten erkannt und mit Pioniergeist, Fleiß, Kreativität, Sorgfalt, Geld und ganz viel Geduld dem Gemeindehaus ein neues Leben eingehaucht, so dass es wieder in seinem alten Charme erstrahlt, so wie es der bekannte siebenbürgischen Architekt Fritz Balthes konzipiert hatte.
Entrümpelung, Restaurierung, Renovierung sind aber nur der erste Schritt. Das Gemeindehaus braucht eine Zukunft. Auch darum kümmert sich das Paar. So geschehen beim „Harvest Festival“, zu deutsch Erntefest, das am 17. Oktober stattfand. Menschen von nah und fern sind angereist, um sich zu erfreuen an diesem wunderbaren Gebäude. Aber auch an der geschmackvollen Deko, den schön gedeckten Tischen, dem köstlichen Essen, viel Vegetarisches, der Käse -und Weinverkostung, dem Klavierkonzert von Ana Maria Stamp, aus Schäßburg stammend und in Holland lebend, der Keramikmalwerkstatt, den Ständen mit hausgemachten Produkten und an den guten Gesprächen, die sich immer wieder mit den interessanten Gästen ergaben.
Die Initiatoren planen weitere Veranstaltungen. Es wird eine Weihnachtsfeier geben, die sicher mit der gleichen Sorgfalt vorbereitet wird.
Zurzeit wird das Schulgebäude in eine Pension mit vierzehn Zimmern umgebaut, um auch Übernachtungsmöglichkeiten anzubieten.
Mariana und Jochen strahlen. Sie sind angekommen in Martinsberg, nach vielen Jahren in den USA, wo sich sich kennenlernten. Sie haben den Anfang einer neuen Zeit gemacht, denn mittlerweile entdecken immer mehr Menschen den Reiz des Dorfes im Krautwinkel mit seinen alten „Sachsenhäusern“ und renovieren, restaurieren und lassen sich hier nieder.
Ja, es gibt in Siebenbürgen ein Leben nach dem Exodus der Siebenbürger Sachsen, ohne die Vergangenheit auszulöschen, und das ist gut so.
Annette KÖNIGES
Anmerkung der Redaktion: Mehr über Mariana Moore und Jochen Kusch können Sie unter https://www.siebenbuerger.de/zeitung/artikel/rumaenien/27618-man-darf-nicht-aufgeben-siebenbuergen.html#google_vignette erfahren, aus dem Interview, das Christa Richter beim Transilvania Arts Festival mit Jochen Kusch geführt hat.