Erste Auflage der Wein- und Kulturtage in Bogeschdorf/Băgaciu/Szászbogács
Ausgabe Nr. 2928

Gruppenbild mit allen Teilnehmenden. Fotos: Werner FINK
Die erste Auflage der Wein- und Kulturtage fand am vergangenen Wochenende in Bogeschdorf/Băgaciu im Landkreis Mureș statt. Offiziell eröffnet wurden die Tage am Samstagnachmittag durch die Grußworte von Vertretern aus Politik und Gesellschaft aus Rumänien und Deutschland. Dann gab es ein buntes Kulturprogramm mit siebenbürgisch-sächsischen, ungarischen und rumänischen Beiträgen, die sich bis Sonntag ausdehnten. Weiterhin boten bei dieser Gelegenheit regionale Kellereien und Winzer ihre Produkte an. Es herrschte eine echt siebenbürgische Atmosphäre, alles lief mehrsprachig.
Helmuth Gaber begrüßte alle im Namen der Gastgeber, im Namen der Familien Fülöp, Czirmai und Gaber, die alle Mitveranstalter waren. „Dieses Weinfest findet statt, weil jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist, denn Bogeschdorf hat eine mehr als 700 Jahre währende Weinbautradition“, sagte Gaber. „Und die Bogeschdorfer Siebenbürger Sachsen haben hier unzählig viele Feste gefeiert – voller Glück und Zufriedenheit. Es ist also logisch, heute an diese Tradition anzuknüpfen.“ Die Idee, ein Weinseminar für die siebenbürgisch-sächsische Jugend zu machen, kam 2023 von Werner Kloos, dem stellvertretenden Bundesvorsitzender des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland. Gaber fand die Idee gut und es wurde gemeinsam daran gearbeitet, die Idee zu verwirklichen. In Bogeschdorf gesellten sich Laci Fülöp und Csabi Czirmai dazu. „Gerade ihnen ist es zu verdanken, dass wir aus einem Weinseminar ein großes Weinfest kreieren konnten“, meinte Gaber. Das kulturelle Angebot wurde durch ungarische und rumänische Kulturgruppen erweitert. „Unsere Absicht ist es, eine Kontinuität zu erzeugen, mit einem jährlichen Wein- und Kulturfest“, betonte Gaber. „Darin sehen wir einen großen Mehrwert, für die kulturelle aber auch ökonomische Weiterentwicklung der lokalen Strukturen.“ Ein Ziel ist, dass das Fest nach einer Zeit von den Leuten vor Ort in Eigeninitiative organisiert wird.

„Dieses Weinseminar sollte vor allem den jungen Siebenbürger Sachsen aus Deutschland zeigen, wie viel Mühe, Arbeit und Leidenschaft nötig sind, bis der Wein in unsere Gläser fließt, so wie es unsere Vorfahren hier in Siebenbürgen getan haben – mit all den Bräuchen, aber auch mit den Anstrengungen, die dazu gehören“, erklärte Werner Kloos hoch erfreut, dass dieses Seminar für die SJD Bayern hier in Bogeschdorf auf dem ehemaligen Königsboden durchgeführt werden konnte. Bereits am Freitag ging man mit den Jugendlichen auf den Weinberg, wobei sie einiges übers Weinmachen lernen konnten. Ein Dank galt dem Kulturwerk der Siebenbürger Sachsen in Bayern für die finanzielle Unterstützung und auch an alle Mitreisenden aus Deutschland, der SJD Bayern, der Projektgruppe Haferland. Extra zum Fest angereist sind aus Deutschland laut Gaber etwa 130 Personen.
Lobende Worte für die Familie Gaber fand auch der DFDR-Vorsitzende Dr. Paul-Jürgen Porr. Vom berühmten Kokeltaler Weinbaugebiet sei nur noch der Weinbau an der Kleinen Kokel übriggeblieben. Bogeschdorf sei eines dieser Zentren.
„Die Teilnahme bei einer Weinlese, meine Damen und Herren, zählte schon in meiner Kindheit hier in diesen Landstrichen zu den Ereignissen, denen wir den ganzen Sommer lang entgegengefiebert haben”, erinnerte sich Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten. Fabritius überbrachte Grüße aus dem Hessischen Landtag, wo einen Tag davor die Siebenbürger Sachsen ihr 75. Jubiläum mit einer akademischen Veranstaltung begangen hatten, aber auch seitens der Bundesregierung und insbesondere von Bundeskanzler Friedrich Merz, der seine Wertschätzung für die Siebenbürger Sachsen erst vor wenigen Wochen in einer sehr bewegenden Ansprache am Tag der Heimat im Stuttgarter Neuen Schloss ausgesprochen habe. Weiterhin bedankte er sich bei den bisherigen Regierungen Rumäniens dafür, dass in Europa das in Rumänien geltende Minderheitenrecht und der Schutz nationaler Minderheiten als Best Practice-Beispiel bekannt ist und sprach die Hoffnung aus, dass auch die künftigen Regierungen diesen Weg fortsetzen.
Zu Wort kamen u. a. auch Bürgermeister Ioan Aldea, der das Festival seinerseits unterstützte, weiterhin die PSD-Abgeordnete Dumitrița Gliga, Árpád Szabó von der Vereinigung der Szekler-Landwirte, Eneia Sabău vom Verein GAL Podișul Târnavelor oder Ovidiu Săvîscă, Direktor von APIA Neumarkt.
Helmuth Gaber ist ein gebürtiger Bogeschdorfer und verließ bereits 1974 die siebenbürgische Heimat. Inzwischen gründete er in Deutschland eine Familie und ist nun Vater von 3 Söhnen. Erst um 2005/2006 als Rumänien in die EU kommen sollte, schlug sein Vater Heinrich Gaber vor Rumänien zu besuchen. Da entstand die Idee aus einer emotionalen Überlegung heraus zu versuchen, das im Zuge der Enteignung verlorene Eigentum wieder zurückzukaufen. Gegründet wurde eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung über die Boden gekauft wurde. „Wir haben uns eine Portion an Königsboden zurückgekauft”, meinte Gaber. „Das brauchten wir für unseren emotionalen und geistigen Frieden. Wir wollten Frieden schließen mit der Vergangenheit und auch mit dem Unrecht, das uns widerfahren ist.” Das ehemalige Elternhaus wurde ebenfalls zurückgekauft. Da aber leider das ursprüngliche Gebäude in ein Verwaltungsgebäude umgebaut worden war, entschloss man sich dieses abzureißen.

2011 fing man an den Terra Regis-Wein herzustellen und 2015 wurde mit der Landwirtschaft begonnen. So werden die Geschäfte gegenwärtig über drei Gesellschaften abgewickelt, in denen 10 sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter beschäftigt werden. Sein Sohn Konstantin verbrachte hier auch schon zwei Jahre lang als Geschäftsführer. Bewirtschaftet wird 150 Hektar Landwirtschafts- und 18 Hektar Weinbaufläche. Der „Terra Regis”-Wein vom ehemaligen Königsboden wurde bis 2023 vor allem an ehemalige Siebenbürger im deutschsprachigen Raum verkauft. Gegenwärtig kümmern sich um die Bewirtschaftung der Weinberge seine Partner und vermarkten den Wein nun unter dem Brand YWINE.
Mit den Roma hatte man auch schon in der Vergangenheit zusammengelebt. So entschied man sich für diese was zu tun und man fand deutsche Firmen, die bereit waren, diese anzustellen. „Wir haben ein System entwickelt, das wirklich viele hunderte Bogeschdorfer jahrelang mit unserer Hilfe als Arbeitnehmer zu Firmen in Deutschland vermittelt hat”, erzählte Gaber. „Es wurde dabei immer darauf geachtet, dass sie angestellt und korrekt bezahlt wurden. Die Familien lebten besser, sie konnten die Hofstellen, die Häuser renovieren, sie konnten Dachstühle reparieren, Bäder einbauen, die Kinder zur Schule schicken.” Weiterhin kaufte er einen schweren Geländewagen und einen Pferdeanhänger, mit deren Hilfe er 36 Kleidertransporte für die Roma-Familien im Dorf mitbrachte.
Von Beruf her ist Gaber Kaufmann und hat sich auf die Sanierung von in Krise geratenen Unternehmen, also auf Krisenmanagement spezialisiert. In Deutschland ist er der Geschäftsführer einiger Unternehmen und betreibt auch eine Beratungsfirma. Er war übrigens auch schon der Geschäftsführer für einen großen Freizeitpark in Deutschland oder hat auch schon Konzerthallen betreut in Haßloch (Pfalz).
Gaber lebt in Deutschland, kommt aber immerhin zwei bis drei Mal im Jahr nach Siebenbürgen. „Ich lebe in Deutschland, ich kann hier nicht mehr leben”, meinte er. „Meine Familie lebt nicht mehr hier”. In Deutschland sei man nun glücklich. Seine Eltern, heute 89 und 85, sind aber stolz und zufrieden, dass es gelungen ist, das vor vielen Jahren Weggenommene wieder in den Familienbesitz zu bringen.
Werner FINK