Internationale Begegnung in Hermannstadt
Ausgabe Nr. 2924

Auf dem Diakoniehof Schellenberg. Foto: Minael Julius NDILLAH
Bunte Kleidung, fröhliche Stimmen und gespannte Erwartung: Auf dem Vorplatz der Hermannstädter evangelischen Stadtpfarrkirche versammelt sich eine internationale Gruppe junger Menschen. Zehn Teilnehmende aus Tansania und neun aus Deutschland, begleitet von einem vierköpfigen Leitungsteam und Pfarrer Hans-Georg Junesch, bereiten sich auf eine Turmbesteigung und Besichtigung der Kirche vor. Es ist nicht nur ein touristisches Ziel – es ist ein Symbol für Begegnung, Austausch und gemeinsames Lernen.
Die Gruppe war Teil eines internationalen Projekts mit dem Titel „Klimawandel und der Einfluss auf unser Leben“, das im Jahr 2023 vom Evangelischen Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein in Deutschland initiiert wurde. Ausgangspunkt war die langjährige Partnerschaft mit dem tansanischen Kirchenkreis Magharibi. Ziel ist es, jungen Erwachsenen beider Länder die Möglichkeit zu geben, im ökumenischen und interkulturellen Kontext voneinander und miteinander zu lernen und globale Herausforderungen wie den Klimawandel gemeinsam zu reflektieren.
Nach zwei Projektphasen in Siegen und Magharibi konnte die ursprünglich geplante dritte Begegnung in Israel aus politischen Gründen nicht stattfinden. Dank bestehender Kontakte des oikos-Instituts in Dortmund nach Hermannstadt, konnte Pfarrer Hans-Georg Junesch für das Projekt gewonnen werden.
Vom 26. Juli bis 7. August d. J. verbrachten sie gemeinsam eine intensive Zeit in Siebenbürgen, zunächst eine Woche in Hermannstadt – untergebracht waren alle im Tagungshaus der Evangelischen Akademie Siebenbürgen – und in der darauffolgenden Woche in den Karpaten rund um Kronstadt.

Im Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Neppendorf am Sonntag, den 27. Juli, forderte Dechant und Ortspfarrer Dietrich Galter (links neben der Orgel) die Gäste aus Tansania ein, sich vorzustellen. Sie bedankten sich mit einem Lied. Foto: Beatrice UNGAR
Das von Pfarrer Junesch zusammengestellte Programm war vielfältig und tiefgründig. Besuche beim ältesten Wasserkraftwerk Rumäniens sowie in einer Wasseraufbereitungsanlage boten die Gelegenheit, sich über die Bedeutung von Wasserressourcen auszutauschen. Dabei wurde besonders deutlich, wie stark sich die Auswirkungen des Klimawandels – etwa in Bezug auf Wasserversorgung – in Tansania bereits bemerkbar machen.
Auch andere Themen wie nachhaltige Landwirtschaft, Biodiversität, Verkehr und Infrastruktur standen auf dem Programm. Auf dem Diakoniehof Schellenberg half die Gruppe bei der Zwiebelernte mit, in Holzmengen erlernten sie das Fährtenlesen und erhielten Einblicke in die bedrohte Tier- und Pflanzenwelt Siebenbürgens. Die Teilnehmer zeigten sich beeindruckt von der biologischen Vielfalt der Region, aber auch betroffen von deren Gefährdung durch Abholzung, Ausbreitung von Monokulturen und der Errichtung von Elektrozäunen.
Weitere Schwerpunkte der Reise waren das Kennenlernen der bewegten Geschichte Siebenbürgens und Einblicke in die religiöse Vielfalt. Was bleibt, sind nicht nur fachliche Erkenntnisse über den Klimawandel, sondern vor allem menschliche Verbindungen. Die persönlichen Begegnungen, der gemeinsame Glaube, Lachen, Diskutieren und Arbeiten machten diese Reise für alle Beteiligten zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Erika WEBER