Untrennbar mit ,,Canzonetta“ verbunden

Ingeborg Acker mit Apollonia Hirscher-Preis für das Jahr 2021 geehrt

Ausgabe Nr. 2787

Den Apollonia Hirscher-Preis 2021 überreichten Uwe Leonhard von der Heimatgemeinschaft der Kronstädter in Deutchland und die Vorsitzende des Kronstädter Forums Olivia Grigoriu der Musikerin Ingeborg Acker im Rahmen einer Feierstunde in Rosenau (v. l. n. r.).                                                                     Foto: Beatrice UNGAR

Den Apollonia-Hirscher-Preis, der seit dem Jahr 1999 an verdienstvolle Kronstädter Persönlichkeiten vom Demokratischen Forum der Deutschen in Kronstadt und der Heimatgemeinschaft der Kronstädter in Deutschland verliehen wird, nahm im Rahmen einer Feierstunde am Samstag in ihrem Garten in Rosenau die Musikerin Ingeborg Acker entgegen. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Petra & Michael Acker.

Was diese Kronstädter Persönlichkeit und untrennbar mit ihr verbunden das von ihr gegründete Ensemble „Canzonetta“ ausmacht, versuchte Bernhard Heigl, der Vorsitzende des Kreisforums Kronstadt, in seiner Laudatio zu erläutern, die hier in gekürzter Fassung veröffentlicht wird.

,,Geboren am 1. April 1957 war ihr die Musik sozusagen in die Wiege gelegt. Ihr Vater Walter war Mitglied der sehr aktiven Rosenauer sächsischen Blaskapelle, ihre Mutter Erna Maria sang im Kirchenchor und im deutschen Chor des städtischen Kulturhauses unter der Leitung von Gernot Wagner. Musik lag also von Anbeginn in der Luft. (…) Nachdem sie 1972 an das Honterus-Lyzeum in Kronstadt gewechselt war, sang sie im so genannten „Kleinen Chor“ unter der Leitung von Kurt Philippi und ihr Interesse an weiterer musikalischer Ausbildung begann aufzukeimen. Von Rosenau führte ihr Weg über Kronstadt nach Hermannstadt an die Organistenschule, wo sie von Susanne Schlattner und Ernst Helmut Chrestel nachhaltig geprägt wurde. Chrestel, der Leiter der Organistenschule, war es auch, der Inges stimmliche Begabung erkannte und förderte. Der Chor der damaligen Organistenschule absolvierte Ausfahrten und Auftritte in vielen sächsischen Orten und unsere Preisträgerin begann sich als Oratoriensängerin hervorzutun. Angeregt von Ernst Chrestel begann sie weiterführenden Unterricht bei dem bekannten Oratoriensänger Szilaghy Zsolt in Sankt Georgen zu nehmen, der zu ihrem bedeutendsten Gesangslehrer werden sollte. Es folgten Auftritte bei verschiedenen Oratorien-Aufführungen in der Schwarzen Kirche unter der Leitung von Eckhardt Schlandt – dem Träger des Hirscher-Preises für das Jahr 2001 – und weiterhin in Hermannstadt unter der Leitung des bereits erwähnten Kurt Philippi.

1980 erfolgt ihre Anstellung bei der Honterusgemeinde. Ein purer Zufall, wie sie mir sagte, dessen Auswirkungen auf unsere Gemeinschaft und das Musikleben von Kronstadt damals freilich noch nicht absehbar waren. Angestellt als Organistin der Honterusgemeinde mit einem Schwerpunkt auf die Kinder und Jugendarbeit beginnt es sich aber bereits abzuzeichnen, wohin die weitere Reise gehen wird. Neben der Orgelbegleitung der Gottesdienste in den vier Kirchen der Honterusgemeinde und später auch der Bartholomäer Gemeinde übernimmt sie auch einen kleinen Kinderchor, der die monatlichen Kinder- und Jugendgottesdienste regelmäßig begleitet.

Mitte der 1980er Jahre folgt die Familiengründung, Petra und Michael werden geboren und rückschauend erlaube ich mir hier zu behaupten, dass damit auch die Grundbausteine von Canzonetta das Licht der Welt erblickten.

Bevor wir jedoch auf Canzonetta zu sprechen kommen, sei noch darauf hingewiesen, dass Ingeborg Acker beginnend mit dem Jahre 1991 als Solistin in Begleitung von Kronstädter Pianisten klassische Liedabende gestaltete und ihre Interpretationen von Schubert, Mozart, Brahms, Tschaikowsky etc. sie von Kronstadt nach Sathmar, Klausenburg, Iaşi, Reschitz, Temeswar, Bukarest und auch an die Schwarzmeerküste führten. Es folgten auch Kabarett- und Chansons-Abende, gestaltet in Zusammenarbeit mit der Schriftstellerin und Universitätsprofessorin Carmen E. Puchianu, dem Pianisten Paul Cristian und ihrem Sohn Michael.

Ab 1994 nahm das Vokal- und Instrumental-Ensemble „Canzonetta“ seinen Beginn im privaten Blockflötenunterricht und der Musikfrüherziehung für Kinder aus der Grundschulklasse ihrer Tochter Petra, einem kleinen Grüppchen von fünf Kindern in einem Sitzkreis im Acker’schen Wohnzimmer in der Hirschergasse. Dieser kleine Sitzkreis begann jedoch bald zu wachsen und ehe man sichs versieht, hat man es mit einem „Grüppchen“ von 40 Kindern aus einem einzigen Jahrgang zu tun und bald folgte auch der erste Auftritt. Der erste große Auftritt von Canzonetta war die Grundschulabschlussfeier ihrer Tochter Petra im Jahre 1997.

An dieser Stelle sei es mir erlaubt auf die Altblockflötenduette mit der Schweizerin Sonja Kunz und die Blockflötenabende mit Hermann Binder und dessen Familie hinzuweisen, da diese noch Auswirkungen auf das Schaffen von Ingeborg Acker und Canzonetta haben werden. Sonja Kunz initiierte eine Instrumentenspende aus der Schweiz für Canzonetta und auch der Dachboden der Honterus-Schule erwies sich als reicher Instrumentenspender für das Ensemble. Mit den neuen Instrumenten taten sich auch neue Möglichkeiten auf. Man hatte Bass- und Tenorflöten zur Verfügung und Quartette konnten einstudiert werden. Ingeborg Acker begann ihre unermüdliche Arbeit, Renaissance-Musik kindgerecht umzuschreiben.

Hier die unzähligen Auftritte von Ingeborg Acker mit Canzonetta aufzuzählen würde den Rahmen einer Laudatio ein wenig überstrapazieren, deshalb sei es mir erlaubt nur auf ein paar Höhepunkte hinzuweisen. So z. B. die Konzertreisen nach Österreich, Deutschland und in die Schweiz, der Auftritt zusammen mit Peter Maffay bei einem parlamentarischen Abend in Berlin, als es darum ging, den deutschen Bundestagsmitgliedern die Wichtigkeit der finanziellen Unterstützung des muttersprachlichen Deutschunterrichts in Rumänien näherzubringen, das Weihnachtskonzert in der Deutschen Botschaft in Bukarest.

Das Ensemble kann auch mehrere Fernsehproduktionen und CD-Aufnahmen vorweisen, doch besonders möchte ich auf das Live-Konzert im Studiosaal von Radio Neumarkt hinweisen.

Bei derartigen Leistungen muss man sich nicht wundern, wenn einem Preise verliehen werden. So erhielt Canzonetta im Jahre 2011 den „Siebenbürgischen Jugendpreis“, der vom „Siebenbürgisch-Sächsischen Jugendverband in Deutschland“ gemeinsam mit „Studium Transylvanicum“ verliehen wird. Im Jahr 2012 ersang und erspielte man sich den 1. Preis des auf Landesebene ausgetragenen Wettbewerbs „Art Brașov Estival“. Und schließlich erhielten Ingeborg Acker und Canzonetta im Jahr ihres 25-jährigen Bestehens den „Georg Dehio“-Kulturpreis des Deutschen Kulturforums östliches Europa.

Doch nun zu einem anderen Aspekt der Arbeit von Inge Acker, denn Canzonetta war in den 25 Jahren seines Bestehens mehr als „nur“ Musik und Musikunterricht! Ich darf Dr. Adrian Lăcătuș zitieren: „Canzonetta ist eine alternative Schule, eine parallele Schule, ein gelungenes Experiment, wenn man bedenkt, dass dieses sich seit 25 Jahren bewährt und somit das Alter einer ganzen Generation erreicht hat.“

Ingeborg Ackers Engagement und unermüdlicher Einsatz hat eine eingeschworene Gemeinschaft geschaffen, deren Wirken weit über Canzonetta hinaus sichtbar ist. Canzonetta ist für mich persönlich ein wunderbares Beispiel, für das was möglich ist, wenn die Gemeinschaft – Kirche, Schule, Forum, Lehrer, Eltern, Kinder – gemeinsam an einem Strang zieht. Inge hat mit Canzonetta ein Biotop geschaffen, in dem den Kindern neben der Musik auch die Werte der Gemeinschaft vermittelt wurden, ihnen Selbstvertrauen gegeben wurde, ihnen Geduld und der Wert von harter Arbeit beigebracht wurde und aus dem sie bestens vorbereitet auf ihren weiteren Lebensweg geschickt wurden. „

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Musik, Persönlichkeiten.