„Viel Freiheit und große Verantwortung”

Interview mit Ada Tănase, Ex-Leiterin des Deutschen Kulturzentrums Hermannstadt

Ausgabe Nr. 2787

Ada Tănase beim Gespräch in der HZ-Redaktion.                       Foto: Ruxandra STĂNESCU

Ada Tănase hat von Anfang 2005 bis im Sommer dieses Jahres das Deutsche Kulturzentrum Hermannstadt geleitet. Über ihre Tätigkeit im Zentrum und ihre Zukunftspläne sprach sie mit HZ-Redakteurin Ruxandra S t ă n e s c u.

Sie verlassen das Kulturzentrum. Wie lange waren Sie da und warum gehen Sie?

Ich kam ans Kulturzentrum Anfang 2005, als die damalige Leiterin mich fragte, ob ich mir vorstellen könnte, die Sprachabteilung auf- und auszubauen. Für mich war das damals beruflich ein Traum, der in Erfüllung ging, und ich habe selbstverständlich zugesagt. Mit 2-3 Kursen begann alles zunächst recht klein, aber nach und nach etablierte sich die Sprachabteilung des Kulturzentrums zur Anlaufstelle für Kinder und Erwachsene, die in einem professionellen Rahmen strukturiert und erfolgreich Deutsch lernen wollten. Anfang 2008 habe ich die Leitung der Institution übernommen und diese fast 15 Jahre innegehabt.

Nach so vielen Jahren kann ich behaupten, dass die Arbeit am Kulturzentrum einer der schönsten, lehr- und abwechslungsreichsten Einsteigerjobs war, den man sich vorstellen kann. Ich hatte beruflich sehr viel Freiheit, aber das ging natürlich Hand in Hand mit der großen Verantwortung, die ich trug, das Kulturzentrum finanziell, personaltechnisch und verwaltungsmäßig stabil zu halten. Ich habe sehr Vieles in all den Jahren gelernt, ich habe Einblick in viele Bereiche bekommen, da das Aufgabenspektrum so umfangreich war. Meine Zeit am Kulturzen-
trum habe ich immer als großartige Chance betrachtet, mich beruflich und auch persönlich weiterzuentwickeln. Die Entscheidung, nach so vielen Jahren zu gehen, fiel mir nicht leicht, aber es war auch an der Zeit, einen neuen Weg zu gehen und Neues zu lernen.

Was haben Sie in den Jahren gemacht, eingeführt, neu organisiert?

Ich habe in der Sprachabteilung begonnen, wo es von Anfang an klare Strukturen gab. Dieses strukturierte, geordnete, transparente Abwickeln von internen Prozessen habe ich nach und nach auch auf die anderen Bereiche der Institution übertragen. Wichtig für mich war auch, das Potenzial der Bibliothek auszuschöpfen und diese Abteilung mit gezielten Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche ins rechte Licht zu rücken. Und ich denke, das ist uns auch recht gut gelungen, denn jährlich, sogar in Pandemiejahren, werden aus der Bibliothek des Hermannstädter Kulturzentrums über 8.000 Bücher ausgeliehen und gelesen.

Waren die Pandemiejahre schwer für das Kulturzentrum und für Ihr Team?

Das Kulturzentrum durch die Pandemie zu führen, war eine der größten beruflichen Herausforderungen. Es herrschte, wie überall, viel Unsicherheit. Es mussten schnell gute Lösungen gefunden werden, damit die Sprachkurse, über die sich das Kulturzentrum zu 90 Prozent selbst finanziert, fortgesetzt werden können. Was meiner Meinung nach maßgeblich dazu beigetragen hat, dass das Kulturzentrum diese Zeit überbrücken konnte, war die Loyalität und die Hilfsbereitschaft der Mitarbeiterinnen und unserer Lehrerinnen, die alles darangesetzt haben, weiterhin qualitativ guten Unterricht zu geben, auch wenn für viele zu Beginn der Wechsel in den Online-Bereich nicht leicht war.

Welche Projekte waren für das Kulturzentrum wichtig und sollten weitergeführt werden?

Wir hatten die Freiheit, im Rahmen des finanziell Möglichen, die Projekte zu organisieren, die wir uns gewünscht haben und die für das Hermannstädter Publikum von Interesse waren. Jedes der über 250 Projekte im Bereich Kultur, Sprache und Bibliothek hatte seinen Charme. Ein Highlight war gewiss die Eröffnung der Fluxus-Ausstellung, die zum ersten Mal in Rumänien, hier, in Hermannstadt, gezeigt wurde. Auch auf unsere Literaturabende waren wir immer sehr stolz, denn selbst große Institutionen rumänienweit hatten nicht so viel Publikum bei Lesungen, wie das fast immer der Fall am hiesigen Kulturzentrum war.

Wichtiger aber als der Erfolg des einen oder anderen Projektes, war für mich die besonders gute Zusammenarbeit mit den lokalen Partnerinstitutionen. Ich freue mich, dass es uns, dem Team des Kulturzentrums, gelungen ist, eine so wertvolle Vernetzungsarbeit zu leisten. Wir waren stets im engen Kontakt mit dem Generalschulinspektorat, der Hermannstädter Zeitung, dem Deutschen Konsulat, dem Zentrum für Lehrerfortbildung, dem Brukenthal-Gymnasium, dem Hermannstädter Forum, der EAS, der Evangelischen Kirche, – um nur ein paar davon zu erwähnen. Von besonderer Bedeutung war für mich auch die gute Zusammenarbeit mit so vielen engagierten Lehrerinnen aus Hermannstadt und aus der Umgebung, die zusammen mit ihren SchülerInnen das breit gefächerte Angebot der Bibliothek genutzt haben.

Ein herzliches Dankeschön geht auch an den Deutschen Wirtschaftsclub Siebenbürgen und an seine Mitglieder, die das Hermannstädter Kulturzentrum in den letzten Jahren inhaltlich und finanziell unterstützt haben. Wichtig für die Institution war vor allem in der Pandemie, die Unterstützung der Sponsoren, die Michael Schmidt Stiftung, Star Assembly, Ascenda Systems und die Anwaltskanzlei Stalfort, die dafür gesorgt hat, dass die jungen LeserInnen aktuelle Jugendliteratur ausleihen können.

Natürlich wünsche ich mir, dass diese Beziehungen auch weiterhin gepflegt werden und dass diese Zusammenarbeit zugunsten aller, die Interesse an der deutschen Sprache und Kultur haben, weitergeführt wird.

Haben Sie Empfehlungen für die neue Leiterin?

Meine Nachfolgerin kommt mit vielen neuen Projektideen aus Bukarest und erfreut sich, als eine der besten und geschätztesten Mitarbeiterinnen des Goethe-Instituts, der vollen Unterstützung der Bukarester Institutsleitung.

…und Wünsche für das Kulturzentrum für die Zukunft?

Als jemand, der fast von Anfang an dabei war, wünsche ich mir natürlich, dass das Kulturzentrum sich weiterentwickelt und weiterhin eine Institution bleibt, wo man deutsche Sprache und Kultur hautnah erleben kann.

Wie lassen Sie das Kulturzentrum zurück?

Als klar war, dass ich beruflich bald einen anderen Weg einschlage, war mir besonders wichtig, alles geordnet und gepflegt zu übergeben und vor allem sicherzustellen, dass das Kulturzentrum finanziell noch weitere sechs Monate stabil ist, egal was kommen mag. Ich habe alles darangesetzt, das Kulturzentrum so zu hinterlassen, wie ich es gerne als neue Leiterin selbst übernommen hätte.

Was machen Sie weiter?

Mein Weg führt in die Wirtschaft, zur Deutschen Interim AG, einem Unternehmen mit Sitz in Frankfurt am Main, dessen Kernbereich die Vermittlung von Interim ManagerInnen, von Fach- und Führungskräften auf Zeit, ist. Das Unternehmen steht an der Schnittstelle zwischen Kunde und ProjektexpertInnen und Führungskräften, die für zeitlich befristete Einsätze zur Verfügung stehen.

Seit Kurzem habe ich die Geschäftsführung der neulich in Hermannstadt eröffneten Niederlassung übernommen und betreue zusammen mit meiner Kollegin in Frankfurt die über 3.000 Interim ManagerInnen, die zum Mitgliederbereich der Deutschen Interim AG gehören. Zu meinen Aufgaben gehört u. a. auch die Beratung der Projektspezialisten und Interim Manager in allen Fragen hinsichtlich einer gelungenen Zusammenarbeit für die erfolgreiche Mandatsvermittlung.

Als neu gegründetes Business Process Outsourcing in Hermannstadt sind wir aktuell in der Ausbauphase und konzentrieren uns darauf, ein Team aufzustellen, das sich um die reibungslose Abwicklung aller operativen Aufgaben im Mitgliederbereich kümmert. Wir legen großen Wert darauf, Prozesse und Strukturen so aufzubauen, dass die ausgesprochen wettbewerbsstarke und zukunftsorientierte Poolzusammensetzung gesuchter Interim-Expertise für eingehende Projekt-
anfragen gesichert wird.

Herzlichen Dank und viel Erfolg weiterhin!

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Kultur, Persönlichkeiten.