Grußwort der in Hermannstadt tätigen Konsuln zum Europa-Tag

Ausgabe Nr. 2671

Der 9. Mai ist der Tag der europäischen Bürger, es ist unser aller Tag, an dem wir gemeinsam dessen gedenken, was uns verbindet und das ist viel. Vor zwei Jahren pflanzten die in Hermannstadt tätigen Konsuln vor den Toren der Stadt junge Eichen, die nun prächtig gedeihen. Vor genau einem Jahr fand ein besonders feierliches Ereignis hier statt, der Europagipfel.

In diesem Jahr steht der Europatag erstmalig im Zeichen einer weltumspannenden Krise. An Feier- oder Gedenkstunden im üblichen Rahmen ist in diesen Wochen nicht zu denken. Das Corona-Virus macht keinen Halt vor nationalen Grenzen und hat sich innerhalb kürzester Zeit auf allen Kontinenten ausgebreitet. Noch sind die Folgen der Krise nicht absehbar und es wird wahrscheinlich Monate, wenn nicht Jahre dauern, bis sie überwunden ist.

Doch schon heute sehen wir eine nie da gewesene Solidarität: Menschen setzten sich für Ältere und Bedürftige ein, Firmen, ob groß oder klein, spenden für Krankenhäuser und soziale Einrichtungen und setzen so ein Zeichen des gelebten Miteinanders. Auch Länder unterstützen sich gegenseitig und Städtepartnerschaften kommt in dieser Zeit eine wichtige Rolle zu. So hat medizinisches Personal aus Rumänien in Italien, einem von dem Virus besonders betroffenen Land, geholfen umso zur Überwindung von Engpässen im dortigen Gesundheitssystem beizutragen.

Auf der am 4. Mai von der EU einberufenen Geberkonferenz wurden 7,4 Mrd. € zugesagt, die zur Entwicklung von wirksamen Impfstoffen und Medikamenten eingesetzt werden sollen. Wir alle wünschen uns, dass diese Anstrengungen so rasch wie möglich erfolgreich sind.

Die Krise zeigt aber auch deutlich, wie die vielen in unseren Verfassungen und in der EU-Grundrechte Charta garantierten Rechte und Freiheiten, an die wir uns alle gewöhnt haben und die uns so selbstverständlich erscheinen, von einem Tag auf den anderen wegfallen können: so wurden etwa das Recht auf Bewegungsfreiheit, das Recht auf ungehinderte soziale Kontakte und das Recht auf freie Religionsausübung eingeschränkt. An ein normales Leben ist in diesen Tagen nicht zu denken, die Rückkehr zur Normalität wird sich auch nur schrittweise vollziehen.

Diese Rechte und Freiheiten, die uns so teuer sind, mussten sich unsere Väter und Großväter erst in Revolutionen und Aufständen erkämpfen, nicht zuletzt in Rumänien vor über 30 Jahren. Viel zu lange wurden Meinungs- und Pressefreiheit, Reisefreiheit und Glaubensfreiheit auf unserem Kontinent gewaltsam unterdrückt.

Wir, die Unterzeichnenden, sind deshalb voll davon überzeugt, dass wir diese Rechte und Freiheiten nach der Rückkehr zur Normalität umso mehr schätzen werden.

Die derzeitige Krise soll gleichzeitig ein Signal des Aufbruchs sein. Es ist genau jetzt an der Zeit zu erkennen, was wir an unseren Gesundheitssystemen in Zukunft besser machen können, wo wir öffentliche Verwaltungen stärker digitalisieren können, wie wir unsere Bildungssysteme modernisieren können. Unser aller Ziel ist es gestärkt aus dieser Krise hervorzugehen um die weiter bestehenden Herausforderungen wie den Klimawandel, Migration und  internationalen Wettbewerb  anzugehen.  Auch für unsere Wirtschaft bietet die Krise vielfältige neue Chancen. Sie hat gezeigt, wie innovativ und flexibel sie ist und welche Neuerungen möglich sind, gerade weil der Druck so stark ist.

Hier bietet sich gerade wenn es um Digitalisierung geht noch viel Potential um auch die wirtschaftlichen Folgen der Krise rasch zu überwinden.

Diese Wochen haben auch gezeigt, dass die EU auf einem festen Fundament steht. Die Mitgliedstaaten haben sich auf große Hilfspakete geeinigt und neue Wege der Unterstützung gefunden. Dennoch gilt es auch hier zu fragen, wie die europäischen Institutionen in Zukunft gestärkt werden können. Welche Lehren sollen sie aus der Corona-Krise ziehen? Wie können sie sich auf weitere Krisen, gleich welcher Art, besser vorbereiten? Wie können Maßnahmen zur Überwindung von länderübergreifenden Notsituationen besser koordiniert werden?

Europa hat uns bislang ein Leben in Sicherheit und Wohlstand garantiert. Es hat uns neue Zukunftsperspektiven eröffnet, von denen unsere Väter nicht geträumt haben. Dies soll auch in Zukunft so bleiben. Hierbei hilft auch eine aktive Zivilgesellschaft, die es den Bürgern ermöglicht, sich einzubringen und zum Wohle aller zu arbeiten. Die in diesen Tagen gelebte Solidarität ist ein großartiges Zeichen dafür, was möglich ist und wie wir einander besser unterstützen können. Sie macht uns allen Mut und Hoffnung in diesen schwierigen Zeiten.

Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, eine unabhängige Justiz und ziviles Engagement, das ist das Fundament, auf dem die EU gebaut ist, ein solides Fundament, das es gilt auch in Zukunft zu schützen und wachsam zu verteidigen.

Wir, die Unterzeichneten, wünschen allen, dass sie diesen Tag in guter Gesundheit verbringen können oder dass sie bald gesund werden.

Unterzeichnet von

Hans E. Tischler, Konsul der Bundesrepublik  Deutschland,

Andreas Huber, Honorarkonsul von Österreich,

Elena Lotrean, Honorarkonsulin von Finnland,

Italo Selleri, Honorarkonsul von Italien,

Daniel Plier, Honorarkonsul von Luxemburg.

Jonathan Diamantino, Honorarkonsul von Malta

 

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