,,Ich bin Hypomaniker“

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Wie Kurt Günter Rood eine neue Form der Mobilität schaffen will

Ausgabe Nr. 2952

Kurt Günter Rood im Diakoniehof Schellenberg. Er hat seine Idee von Deutschland nach Siebenbürgen gebracht.                
Foto: Alisa SCHWARZ

Der deutsche Unternehmer und Erfinder Kurt Günter Rood arbeitet an einer neuen Form der Mobilität. Der gebürtige Wuppertaler lebt seit knapp sechs Monaten im Diakoniehof in Schellenberg. Nach dem Scheitern seines letzten Projekts, in das er rund eine halbe Million Euro investiert hatte, entschied er sich für einen Neuanfang in seiner zweiten Heimat Siebenbürgen. Hier will er sich ganz auf sein zentrales Anliegen konzentrieren: die Entwicklung einer „verbundenen Mobilität“ in Form des Sitdrivers. Seine Vision will er bewusst in Siebenbürgen verwirklichen. Mit dem Sitdriver will er individuelles Fortbewegen mit dem öffentlichen Verkehr verknüpfen. Mit ihm sprach der HZ-Praktikant Tobias J a r i t z.

Stellen Sie sich bitte kurz vor.

Mein Name ist Kurt Günter Rood und meine Welt ist die Innovation und das seit 40 Jahren.

Wie beschreiben Sie Ihre Verbindung zu Siebenbürgen?

Siebenbürgen liegt mir am Herzen, weil meine Großeltern vor genau 100 Jahren, also 1926, von Deutschland nach Heltau ausgewandert sind. Mein Vater war damals drei Jahre alt und ist dann in Heltau zur Schule gegangen und zweisprachig aufgewachsen. Es ist viel traditioneller hier. Ich fühle mich in Siebenbürgen einfach wohl. Dazu zitiere ich gern Christian Morgenstern: „Du bist nicht da zu Hause, wo du deinen Wohnsitz hast, sondern du bist da zu Hause, wo du anerkannt wirst.“ Und ich sehe hier meine Chance und meine Plattform.

Was ist der Sitdriver?

Der Sitdriver ist ein multifunktionales Fahrzeug, das sich durch Design definiert.

Was ist die Vision dahinter?

Das ist die verbundene Mobilität, auf Englisch: seamless mobility.

Wie ist die Idee dazu entstanden?

Mich nerven diese Kick-Scooter, die total gefährlich sind, weil der Griff zu dicht zusammen ist und man die Beine hintereinander stellt, anstatt die Balance zu halten. E-Bikes sind auch zu gefährlich und außerdem nicht attraktiv und bieten kein Regendach. So habe ich dann den Sitdriver erfunden und in die verbundene Mobilität eingebunden. Das heißt, dass man ihn auch an den öffentlichen Nahverkehr andocken kann.

Wo soll der Sitdriver in öffentlichen Verkehrsmitteln Platz finden?

Man fährt bis zur Bahnstation und dann nimmt man ihn mit und das ist ganz einfach: Es gibt einen leeren Waggon, mit einem Andocksystem, wo man den Sitdriver in der Sitz-Variante andocken kann. Er dient dann gleichzeitig als Sitzplatz im Zug. In dieses Abteil kann auch niemand ohne Sitdriver rein. Das wird durch Zugangscodes oder Chips geregelt.

Für wen ist der Sitdriver gedacht?

Im Fußballverein singen wir: „Ob ich verroste oder verkalke, ich gehe immer noch auf Schalke.“ Das heißt, von jung bis alt.

Wird es auch möglich sein, ein Kind mitzunehmen?

Ja, aber erst in der zweiten Phase. Es wird verschiedene Weiterentwicklungen geben.

Wie weit ist die Entwicklung?

Technisch sind wir zurzeit in der Prototyp-Phase.

Was sind die nächsten Schritte?

Investoren finden. Money makes the world go round.

Können Sie schon sagen, in welcher Fahrzeugklasse der Sitdriver sein wird? Wie schnell darf er fahren?

Da gibt es zwei Kategorien: Wenn man ihn rein als E-Fahrzeug verwendet, dann darf er bis zu 20 Stundenkilometer fahren und wenn man ihn als Pedelec verwendet, dann eben 25 oder 30 km/h.

Darf der Sitdriver im normalen Straßenverkehr fahren?

Ja. Er kann aber genauso gut auf dem Fahrradweg fahren.

Ab 1. Mai dürfen in Österreich beispielsweise E-Mopeds nicht mehr am Fahrradweg fahren. Wird das auch den Sitdriver betreffen?

Das ist unterschiedlich von der Auffassung her. Das müsste man prüfen. Im Prinzip ist es aber kein Problem, da der große Vorteil des Sitdrivers die Multifunktionalität ist. Wenn ich beispielsweise durch eine Fußgängerzone muss, verwandle ich den Sitdriver mit einem Handgriff in einen Trolley und spaziere damit weiter.

Wie einfach geht das?

Es ist eine einfache Zugbewegung. Das wird auch für Senioren und Menschen mit Handicap kein Problem sein.

Für welchen Markt ist der Sitdriver?

Für jedes Land.

Aber irgendwo muss man ja anfangen. Und das stelle ich mir gar nicht so einfach vor, denn der Sitdriver braucht ja ein ganzes Verkehrskonzept, das um ihn herum umgesetzt werden muss, oder?

Es gibt viele Möglichkeiten. Dubai und Abu Dhabi sind beispielsweise weltweit führend in der modernen Mobilität. Dort ist das ganze System ein anderes: Da wird von oben bestimmt, was sinnvoll ist und das wird dann auch umgesetzt. Vielleicht muss ich mir für den Anfang dann leider so autokratische Systeme aussuchen.

Was waren die größten Herausforderungen bisher?

Investoren zu gewinnen. Die Leute von der Idee zu überzeugen und das ist oft nicht einfach. Ich bin Hypomaniker. Hypomanie gilt als leichte Verrücktheit. Aber alle berühmten Erfinder waren Hypomaniker. Man muss diese Fantasie haben, diese Kreativität. Und man muss um die Ecke denken. Solch eine Idee Menschen begreifbar zu machen, die nicht so denken, ist sehr schwierig.

Danke für das Gespräch!

Veröffentlicht in Technik, Aktuelle Ausgabe.