Zu Besuch im Haszmann Pál Museum in Csernáton/Cernat
Ausgabe Nr. 2925

Museumsleiterin Orsolya Dimény-Haszmann (2. v. r.) führt die Besucherinnen und Besucher durch den Freilichtbereich. Foto: der Verfasser
Wenn man von Kronstadt in Richtung Szekler-Neumarkt (Kézdivásárhely/ Târgu Secuiesc) fährt, kommt man durch Csernáton/ Cernat, bevor man das Städtchen erreicht. Eine Sehenswürdigkeit hier ist das Haszmann Pál Museum, ein Freilichtmuseum auf einem zwei Hektar großen Grundstück. Es war ein sonniger Sommertag und die Besucher wurden von Museumsleiterin Orsolya Dimény-Haszmann empfangen. Das Museum wurde am 25. Februar 1973 als Außenstelle des damaligen Museums des Kreises, des heutigen Szekler Nationalmuseums gegründet und hatte als Basis die Privatsammlung des Pädagogen Pál Haszmann (1902-1977) und seiner Frau Ida Cseh (1909-2003), der diese der Gemeinde, dem Staat schenkte.
Die Einrichtung wurde dann 1999 nach ihm benannt. „In seinem Stiftungs- und Schenkungsbrief hatte der Gründer mehrere Wünsche geäußert, darunter den, dass seine Nachfolger – solange es jemanden gibt, der sich für das Museum interessiert – aus den Familienmitgliedern hervorgehen sollen”, teilte uns Orsolya Dimény-Haszmann mit, die Enkelin des Museumsgründers. Sie ist hier aufgewachsen ist, viele Kindheitserinnerungen verknüpft sie mit dem Museum. Die Arbeit von Haszmann wurde von seinen Kindern tatsächlich weitergeführt, und nun von seinen Enkelkindern. Bereits der Vater von Orsolya und zugleich Sohn des älteren Pál Hasz-
mann, ebenfalls Pál Haszmann, hatte das Museum etwa 40 Jahre lang geleitet. Seit 2012 leitet nun Orsolya das Museum, das nun mit vier Angestellten, alle vier Familienmitglieder, funktioniert.
Gleich fällt aber einem der Name Haszmann auf, der für diese Gegend ungewöhnlich klingt. Pál Haszmanns Vater, der aus Óbuda stammende, halb schwäbische, halb ungarische József Haszmann, ließ sich in Gyulafalva nieder und wurde im Szeklerland zum „Szekler”. Hier heiratete er Mária Papp aus Székelytamásfalva/Tamașfalău/Thomsdorf und gründete mit ihr eine Familie. „Diese Doppeltheit – auch die ständige Rechtfertigung seiner Herkunft wegen des deutsch klingenden Namens – begleitete Pál Haszmanns Lebensweg durch die verschiedenen historischen Epochen”, meinte Orsolya.
Das neue Museum fand seinen Platz im Herrenhaus von Gyula Damokos sowie in dessen Park und Garten. Das Gutshaus wurde im 17.–19. Jahrhundert erbaut und erhielt 1831 sein neoklassizistisches Erscheinungsbild. Die Dauerausstellung wurde in sechs Räumen des Damokos-Herrenhauses eingerichtet. Auch die auf dem Museumshof freigelegte, eineinhalbtausend Jahre alte, seltene, in den Boden gegrabene Wohnstätte mit Steinkamin belege, dass die Großgemeinde archäologisch gesehen zu den bekanntesten Gebieten der Region zählt.
Im Freilichtbereich vermitteln aufgestellte Grabpfähle, Kreuze und steinerne Grabmale das Bild eines alten szeklerischen Mischfriedhofs. Die in den zwei Hektar großen Garten versetzten Szeklerhäuser und -tore sowie die Wassermühle – jeweils charakteristische Beispiele des szeklerischen volkstümlichen Architekturerbes – verleihen der Einrichtung den Charakter eines Freilichtmuseums. Beim Betreten des Museumshofes fällt rechts vom Eingang eine Vielzahl von Bienenstöcken ins Auge, die sich sowohl in Form als auch in Farbe unterscheiden.
Im Szeklerland hat das Aufstellen von Szeklertoren eine große Tradition. „Im Freilichtmuseum sind einige charakteristische, alte, gebundene Tortypen erhalten geblieben, die aufgrund ihres Alters von über zweihundert Jahren und ihrer künstlerischen Schnitzereien einen besonderen musealen Wert darstellen”, meinte Orsolya.
Eine der Sehenswürdigkeiten des Freilichtbereichs ist die in ganz Siebenbürgen einzigartige Ausstellung landwirtschaftlicher Geräte und Maschinen. Die historischen Traktoren und stationären Motoren werden den Besuchern gelegentlich sogar vorgeführt. Weiterhin zeigt eine beeindruckende und wertvolle Ausstellung die ungarische Kunst des Gusseisens. Unter dem Titel „Die Radiogeschichte von Háromszék (Drei Stühle)” wurde 2004 die Radioausstellung des Museums eröffnet. Zur Dauerausstellung gehören u. a. bemalte Möbel, Volkstrachten, handgewebte Stoffe, Porträts bedeutender Persönlichkeiten der Region, architektonisches Erbe, Ofenkacheln.
Zeitgleich mit dem Museum wurden auch zwei weitere wichtige Einrichtungen gegründet: „In Anlehnung an das Motto des Gründers, des Lehrers Pál Haszmann, damit das seit 1999 nach ihm benannte Museum nicht nur ein Lager für tote Gegenstände sei, wurden bereits bei der Gründung 1973 zwei weitere wichtige Einrichtungen ins Leben gerufen: die Volkshochschule Csernáton und der Bod-Péter-Verein für öffentliche Bildung”, teilte Orsolya mit.
In einer Saison nehmen an den hier veranstalteten Camps mehr als 400–450 junge Menschen teil, sowohl aus allen Ecken des historischen Ungarns als auch aus aller Welt. „Seit 1973 füllt diese besondere Form der Tätigkeit, die heute unter dem Begriff Museumspädagogik bekannt ist und ihre Wurzeln in der Bewegung der Volkshochschulen hat, den Alltag dieser Einrichtung neben der regulären Museumsarbeit und ist eng mit ihr verflochten”, so Orsolya. „Eines der wichtigen Ziele des Museumsteams ist es, vor allem die jüngsten Besucher in das Leben des Museums einzubeziehen, insbesondere die Bewohner der Gemeinde und der Umgebung sowie die jeweiligen Gäste”.
Um dieses Ziel zu erreichen, wurden die Aktivitäten in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich erweitert und die Betreiber versuchen Jahr für Jahr, vor allem mit den örtlichen und regionalen Bildungseinrichtungen effektivere Kontakte zu knüpfen. Diese Arbeit stützt sich auf die Erfahrungen der vergangenen fünf Jahrzehnte, die eine sehr gute Grundlage bieten.
In der Einrichtung werden das ganze Jahr über museumspädagogische Aktivitäten für alle Altersgruppen angeboten. Diese stehen zum einen im Zusammenhang mit besonderen Gedenktagen, zum anderen sind sie mit den genannten Dauerausstellungen sowie den Sonderausstellungen verknüpft. Gleichzeitig können Besucher im Rahmen von Kursen oder Unterrichtseinheiten, je nach der Altersgruppe, im Laufe des Jahres handwerkliche Tätigkeiten kennenlernen. Von März bis Oktober gibt es Schulungen in Möbelmalerei und Holzschnitzerei, von September bis Mai gibt es samstags Arbeitskreise betreffend Möbelmalerei, Filzen, Eierbemalen. Zur Faschingszeit geht es um die Maskenträger. Am 10. März gibt es den Tag der Bestäuber und somit Veranstaltungen im Zusammenhang mit der Imkerei-Ausstellung des Museums. Zu Ostern werden Eier bemalt. Gefeiert wird hier auch der 1. Juni, der Internationale Kindertag, im Museumsgarten mit Puppentheater und Kinderkonzerten, weiterhin die Nacht der Museen. Eine Besonderheit ist hier immer am dritten Samstag im September das „Csernátoni BuRRogtató”, ein Treffen von Maschinenfreunden, bei dem die renovierten und wieder in Betrieb genommenen landwirtschaftlichen Geräte- und Maschinensammlung präsentiert werden. An den Adventsamstagen gibt es familiäres Einstimmen auf die Feiertage.
Eine Besonderheit ist auch, dass die Familie Haszmann, die sich um das Museum kümmert, praktisch im selben Bereich lebt, sodass die Besucher noch einen zusätzlichen lebendigen Eindruck erhalten und der Museumsgarten dadurch immer lebendig wirkt.
Werner FINK