,,Ein jeder forsche und sammle“

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Ausgabe Nr. 2881

175 Jahre seit der Gründung des Siebenbürgischen Vereins für Naturwissenschaften

Der Treppenaufgang in der Halle des Naturwissenschaftlichen Museums mit dem Fries, auf dem die Namen der Gründer und Vorläufer zu lesen sind.

Der Aufschwung der Naturwissenschaften im 18. und 19. Jahrhundert führte zu anhaltenden Bestrebungen, die Kenntnisse über die heimischen Naturschätze zu vermehren, sie durch wissenschaftliche Forschungen voranzubringen und sie auch in weiteren Kreisen bekannt zu machen und zu verbreiten. Diese Initiative führte zu Gründungen wissenschaftlicher Vereine, wie sie in Hermannstadt, aber auch auf europäischer Ebene, ins Leben gerufen wurden. Ein Funke sprang bereits 1841 durch die Gründung des „Deutschen Vereines für Vaterlandskunde“ über, dem heute bekannten Landeskundeverein, bzw. Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde (AKSL), der 1841 in der Festhalle des Baron Brukenthalischen Gartens in Hermannstadt ins Leben gerufen wurde.

 

Ein Teil der Sommerresidenz besteht heute noch am Ende der Bräuhausgasse/Str. Berăriei und im Haus mit dem schmiedeeisernen Balkon, der auf einem Bein steht, während der anschließende barocke Garten mit Festhalle durch die Stadtvergrößerung verloren ging. Dieser Verein, der später als Landeskundeverein bekannt wurde, hatte zur Aufgabe, die Kenntnis des Vaterlandes in jeder Hinsicht zu fördern. Einige seiner Mitglieder gehörten auch zu den Gründern des Siebenbürgischen Vereins für Naturwissenschaften, der acht Jahre später, im Mai 1849 ins Leben gerufen wurde und mit dem Bau des Museumsgebäudes eng verbunden ist. Der von Eduard Albert Bielz (1827-1898) bei der Eröffnung des Vereinsgebäudes (heute das Naturwissenschaftliche Museum) geäußerte Wunsch, dass es eine „Heimstätte eifrigster Forschung auf allen Gebieten der vaterländischen  Naturkunde – sowohl ein Hort ernster wissenschaftlicher Studien als auch Ausgangspunkt der Verbreitung gemeinnütziger  Kenntnisse in den weitesten Kreisen  sein und bleiben möge bis in die fernste Zukunft”, verdeutlicht eines der wichtigen Ziele,  bzw. Aufgaben des Vereins, die naturwissenschaftliche Forschung und  ihre Ergebnisse zu verbreiten. Die Bedeutung dieser Aufgabe des Vereins ging auch aus den Äußerungen des Gründungsmitgliedes Landesbauingenieur Johann Daniel Czekelius hervor, der unterstrich: „Ein jeder forsche und sammle und nichts achte man so geringe, dass es nicht des Bekanntwerdens  wert wäre“.

Büste von Eduard Albert Bielz.

Betritt man die Halle des Naturwissenschaftlichen Museums, fallen im dekorativ gestalteten Fries eine Reihe von Namen auf, wie: J. D. Leonhardt, J. M. Ackner, Dr. J. J: C. G. Baumgarten, J. v. Lerchenfeld, Michael Bielz, Ludwig Neugeboren, Karl Fuss, Michael Fuss, Dr. F. Schur, F. F. Fronius, G. A. Kayser , L. Reissenberger, Fr. Binder, I. Schlauf, M. Guist, S. Jickeli, Dr. med. D. Czekelius. Es sind die Gründer oder Vorläufer, die mit ihrer Forschertätigkeit den Grundstein für den Siebenbürgischen Verein für Naturwissenschaften legten.

Neben Forschung und Wissensverbreitung mehrten sich seit den Anfängen des Vereins die Forschungsaufgaben, bei denen es auch um die Vergrößerung der Sammlungen, sowohl der botanischen und zoologischen, als auch der paläontologischen ging. Sie wuchsen und vermehrten sich, so dass die Notwendigkeit, ein eigenes „Heim“ zu schaffen immer dringlicher wurde und zum Entschluss führte, ein Naturwissenschaftliches Museum bauen zu lassen. Mit dem Bau wurde der Architekt und Baumeister C. W. Friedrich Maetz beauftragt.  Im Mai 1895 wurde das neue Gebäude eigeweiht. Der damalige Vizepräsident des Naturwissenschaftlichen Vereins, Dr. Josef Capesius, sah die Fertigstellung des Museumsbaus  als „ein Denkmal für das gemeinnützige Walten  hochherzigen Gemeindegeistes in unserer Mitte“. Insgesamt war der Bau des heute in die Jahre gekommenen ursprünglichen Vereinsmuseums eine gemeinschaftliche Leistung von herausragender Bedeutung. Es war ein Kraftakt, der für die weitere Entwicklung und das Fortbestehen des Siebenbürgischen Vereins für Naturwissenschaften lebensnotwendig war und zu einer beeindruckenden Entfaltung seiner Tätigkeiten in den folgenden Jahrzehnten und bis in die Gegenwart führte.

Das Naturwissenschaftliche Museum beherbergt heute wertvolle Sammlungen, die  auch international als Forschungsobjekte gesucht sind. Es sind Sammlungen von ehemaligen Mitgliedern des Siebenbürgischen Vereins für Naturwissenschaften. Zu nennen ist unter anderen die wertvolle Schmetterlingssammlung von Dr. Daniel Czekelius, ehemaliges Vereinsmitglied, wertvolle Herbarien, die als Belege für die Dokumentation der siebenbürgischen Flora gerne untersucht werden.

Vor dem Gebäude des Naturwissenschaftlichen Museums sind Büsten von vier Gründern aufgestellt, die erste links stellt Eduard Albert Bielz dar.
Fotos: Beatrice UNGAR

Obwohl der Verein im Mai 2024 sein 175. Gründungsjubiläum feierte, liefen viele Tätigkeiten, die sich aus der Gründung ergaben, über das ganze Jahr hinaus, so dass wir das Jahr insgesamt als Gründungsjahr betrachten wollen. Die Leistungen des Vereins sind über die Jahrzehnte und auch über ein Jahrhundert  hinaus bemerkenswert und zeigen, dass  die Arbeiten des Vereins  durch seine Mitglieder  kontinuierlich erfolgreich waren und einen bleibenden Wert haben.

Die Tätigkeit des Siebenbürgischen Vereins für Naturwissenschaften war zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch eng verbunden mit der Tätigkeit des Siebenbürgischen Karpatenvereins. Dieser hatte im Kellergeschoss des Museums eigene Räume, auch begehbar von der Straße mit angegebenen Zeiten. Initiator dieses kleinen Museums des Karpatenvereins war Emil Sigerus.

Der Siebenbürgische Verein für Naturwissenschaften ist auch heute über die Grenzen hinweg  tätig. Dabei sind die grenzübergreifenden Tagungen des Vereins, die sowohl in Siebenbürgen, als auch in Deutschland und Österreich stattfanden und auch heute organisiert werden, nicht zu vergessen. Sie stießen auf großes Interesse und werden auch gegenwärtig erwartet.                               Erika SCHNEIDER

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Bildung, Geschichte, Gesellschaft.