Schlüssel zum gelingenden Leben

Ein Wort aus Mediasch zum Monatsspruch Juni 2020

Ausgabe Nr. 2676

1550, als Mediasch das Stadtrecht erhielt, wurde der Trompeterturm („Tramiter“), der Hauptturm des Mediascher Kirchenkastells, um drei Stockwerke erhöht. Durch den Druck der zusätzlichen Stockwerke wuchs die Belastung des Fundaments, so dass dieses nicht mehr standhielt. Der Turm begann sich zu neigen und weicht heute in einer Höhe von 68,50 m um 2,30 m von der Senkrechten ab. 2015 wurden der Außenputz des Trompeterturms sowie das Dach renoviert. Foto: Beatrice UNGAR

Monatsspruch Juni 2020: „Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.“ (1. Könige 8,39)

Gott möchte bewahren

Wie hat meine Großmutter früher, als ich noch ein Kind war, gesagt? „Der liebe Gott sieht und weiß alles.“ Und da war es manchmal besser, lieber nichts zu tun, was verboten war, und das war ja auch der Sinn des Hinweises, dass Gott alles sieht, weshalb es keine Heimlichkeiten geben konnte bzw. sollte. Was ich damals als Kind nicht im Blick hatte, ist mir erst viel später klar geworden. Vor allem, wenn ich daran denke, dass es in einer anderen Bibelstelle heißt: „Von allen Seiten umgibst du mich und verstehst meine Gedanken von ferne.“ – Da ist nichts mehr von einer Kontrolle zu sehen, sondern nur der fürsorgliche, wohlwollende Blick Gottes auf uns Menschen. Gott möchte bewahren, sofern wir es zulassen. Er kennt unsere Freuden, Sorgen, Ängste und all das, was uns bedrückt. Er weiß, wie es uns ums Herz ist.

Aus den verschiedensten Anlässen zu Gott beten

„Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.“ Das betet der König Salomo, als er den fertigen Tempel in Jerusalem einweiht. Es geht Salomo darum, dass Menschen in diesem Tempel aus den verschiedensten Anlässen zu Gott beten werden. Salomo bittet Gott, er möge jedem dieser Menschen geben, wie er es verdient habe, „wie du sein Herz erkennst“, sagt Salomo und er fährt fort: „Denn du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.“

Auch Jesus kennt die Gedanken seiner Zuhörer

In vielen Berichten aus den Evangelien kannte auch Jesus die Gedanken seiner Zuhörer. Zum Beispiel bei der Heilung eines Gelähmten heißt es: ,,Einige Schriftgelehrte dachten im Stillen: ‚Das ist ja Gotteslästerung!‘ Jesus waren ihre Gedanken nicht verborgen. ‚Warum denkt ihr Böses in eurem Herzen?‘, fragte er sie.“ Bei der Heilung einer verdorrten Hand beobachteten die Schriftgelehrten und Pharisäer Jesus aufmerksam; sie wollten sehen, ob er am Sabbat heilen würde. Sie hofften nämlich, einen Vorwand zu finden, um ihn anklagen zu können. Jesus wusste, was sie dachten. „Steh auf und komm nach vorn!“ sagte er zu dem Mann mit der verkrüppelten Hand und heilte sie. Er wusste um die Leben von Menschen, bevor er sie überhaupt getroffen hatte.

Was bedeutet das nun für uns heute?

Was bedeutet das nun für uns heute? … Wie sieht es in mir aus? Wie sieht es im Herzen meiner Liebsten, meiner Familie, meines Lebenspartners, meiner Freunde, meiner Nachbarn aus? Wer weiß das schon?

Manchmal denke ich, einen Menschen sehr gut zu kennen. Bis dann eine neue Erfahrung alles zum Einsturz bringt. Enttäuschungen gehören zum Leben dazu,  manchmal verbittern sie uns.

Oder manchmal verstehe ich einen Menschen und sein Verhalten  nicht. Ich finde auch im Gespräch keinen Zugang zu ihm. Genau an dieser Stelle kann dieses Bibelwort hilfreich sein: Gott kennt das Herz dieses Menschen. Und er kennt es nicht nur, sondern er kann es auch beeinflussen. Deshalb ist das Beste für mich, dass ich für diesen Menschen zu Gott bete. Dann kann das entspannend und erleichternd für mich sein.

Es gibt auch Tage, an denen weiß ich selbst nicht, wie es in meinem Herzen aussieht. Gott kennt unser Herz … welch ein Trost für mich. Und so wünsche ich uns allen die Zuversicht, dass Gott unser Herz kennt, dass er weiß, was wir brauchen und dass er uns an jedem Tag begleitet. Ihm müssen wir nichts vormachen: Er liebt uns, so wie wir sind. Amen!

Pfarrerin Bettina KENST

 

 

 

 

 

 

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